Büromarkt
In London platzen Immobilienkäufe

Geld spielte keine Rolle. Im Vertrauen auf weiterhin rasant steigende Mieten zahlten Investoren in London in den vergangenen zwei Jahren horrende Preise für Bürogebäude. Doch nun schlägt die Verunsicherung an den internationalen Finanzmärkten auf den Immobilienmarkt der britischen Hauptstadt durch.

HB LONDON. Führende Köpfe der Londoner Immobilienwirtschaft prophezeien, der Büroboom in der Metropole werde bald zu Ende sein. Die Aussichten auf weitere Mieterhöhungen sänken, und spekulative Neubauprojekte seien in Gefahr, warnen sie. Wie spürbar der Dämpfer ausfällt, hängt nach Einschätzung von Experten davon ab, wie lang die gegenwärtige Krise an den Kreditmärkten anhält.

Zu Beginn der Sommerferien war die Welt für die Londoner Immobilienwirtschaft noch in Ordnung. Marktforscher berichteten über Rekordkäufe und enorme Preisanstiege; die Baukräne drehten sich eifrig über der City. Die Maklerfirma Knight Frank errechnete für das zweite Quartal Monatsmieten für erste Lagen von mehr als 140 Euro je Quadratmeter für das Westend und mehr als 80 Euro für die City. Das bedeutete einen Preisanstieg um ein Viertel im Jahresvergleich. Zum Vergleich: In Manhattan liegt die Monatsmiete je Quadratmeter in Top-Lagen bei 40 Euro, in Frankfurt bei 36 Euro. Der Londoner Investmentmarkt wuchs sogar noch schneller. Von April bis Juni wurden 40 Prozent mehr umgesetzt.

Doch die Rekordergebnisse des zweiten Quartals verdecken, dass sich die großen Immobilienfirmen schon seit Monaten sorgen, ob der Boom hält. Die Chefs der vier größten Unternehmen haben in den vergangenen Wochen allesamt vor einer Trendwende gewarnt, und die jüngste Kreditkrise, die ihre Hauptkunden aus der Finanzbranche belastet, hat ihre Sorgen verstärkt.

„Kurzfristig wird das bedeuten, dass weniger Kunden höhere Mieten akzeptieren werden“, sagte John Richards, Vorstandschef der Immobiliengruppe Hammerson. In den nächsten ein bis zwei Jahren sei nicht mehr mit so starken Mietsteigerungen zu rechnen. Das werde viele spekulative Bauprojekte, also Bürobauten ohne feste Mieter, stoppen. Von diesen sind einige in der Londoner City geplant, darunter auch Hochhäuser.

Die Beratungsfirma DTZ Zadelhoff vertritt einerseits die Auffassung, dass die Lage an den Finanzmärkten die Büromieten nicht schwerwiegend belasten werde. Andererseits sehen die DTZ-Analysten jedoch Vermietungsrisiken im Londoner Westend, weil dort viele Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds säßen, deren Geschäfte unter der Kreditkrise besonders leiden. In der City und in den Docklands könnten traditionelle Finanzdienstleister Expansionspläne stoppen und damit ihren Flächenbedarf reduzieren.

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