Bundeskartellamt
Große Unterschiede bei den Gaspreisen

Ein Vergleich von 739 bundesdeutschen Gasversorgern durch das Bundeskartellamt sorgte Anfang dieses Jahres für Verwirrung. Die Umfrage ergab, dass es in Deutschland drastische Preisunterschiede für die gleichen Absatzmengen gibt.

eul DUISBURG. Die Differenzen der Gaspreise zwischen unterschiedlichen Verbrauchstypen – Wohnungen mit Gastherme, Einfamilienhäuser, Sechs-Familienhäuser – lagen zwischen 43 und 58 Prozent. Das fand das Bundeskartellamt beim Vergleich von 739 bundesdeutschen Gasversorgern heraus. So verlangen etwa die Stadtwerke Soltau in Niedersachsen derzeit als billigster Anbieter für die Versorgung einer Wohnung mit 7 000 Kilowattstunden (kWh) Gas im Jahr lediglich 381 Euro. Für die gleiche Gasmenge berechnet die baden-württembergische Gasversorgung Blaubeuren dagegen 605,86 Euro und damit 59 Prozent mehr. Fast ebenso deutlich fielen die Preisunterschiede bei der Abnahme größerer Gasmengen aus. So schwankt der Preis für die Versorgung eines Einfamilienhauses mit 20 000 kWh im Jahr laut Bundeskartellamt zwischen 972 Euro bei den Städtischen Werken Magdeburg in Sachsen-Anhalt und 1 392,80 Euro bei der bayerischen Inngas. Der Preisunterschied beträgt damit auch hier mehr als 43 Prozent. Der bundesweite Preisvergleich stieß bei den Verbrauchern auf ein so gewaltiges Interesse, dass die Homepage des Kartellamtes für einen Tag komplett zusammenbrach. „Wir werden künftig in regelmäßigen Abständen eine aktualisierte Liste mit bundesweiten Gaspreisvergleichen im Internet veröffentlichen“, sagt Kartellamts-Sprecherin Irene Sewczyk.

Bei Verbraucherschützern stießen die regionalen Unterschiede auf Kritik. „Man muss sich einmal vorstellen, was los wäre, wenn in Passau die Milch doppelt so teuer wäre wie in Hamburg“, moniert Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes Verbraucherzentralen (vzbv) in Berlin. Er fordert mehr Wettbewerb, denn für die Kunden gebe es selbst nach diesem Vergleich kaum mehr Transparenz. „Einzelne Bestandteile der Preiskalkulation sind weiterhin unklar“, so Krawinkel. Zur Gutsherrenart mancher Eigentümer gesellt sich demnach die Gier und Willkür der Energiekonzerne. Im bunten Nebenkostenpuzzle machen aber die gestiegenen Ausgaben für Strom und Gas nur einen Anteil aus. Besonders deutlich zeigt dies der Betriebskostenspiegel 2006, den der DMB vergangenen Dezember vorgelegt hat, und dem rund 11 500 Datensätze des Abrechnungsjahres 2005 zu Grunde liegen – aktueller geht es leider nicht. Diese Daten beziehen sich auf etwa 7,5 Mill. Quadratmeter (qm) Mietwohnungsfläche und ermöglichen so eine repräsentative Aussage zu den durchschnittlichen Betriebskosten in Deutschland. Ein Fazit: Während sich die Ausgaben für Wasser und Abwasser um 5,5 Prozent erhöhten, kletterten die kommunalen Gebühren – Grundsteuer, Müll und Straßenreinigung – um 13,5 Prozent. Die höchste Steigerungsrate entfällt hier auf die Müllgebühren mit 20 Prozent.

Insgesamt mussten die Mieter 2005 durchschnittlich 2,74 Euro pro qm im Monat für die zweite Miete zahlen, 12,3 Prozent mehr als 2004. Wer eine 80 Quadratmeter große Wohnung nutzte, zahlte 2005 im Schnitt rund 288 Euro mehr als 2004. Im Westen waren dabei laut DMB-Analyse Heiz- und Warmwasserkosten rund 13 Prozent teurer als im Osten. Und für die Grundsteuer zahlten Mieter in westdeutschen Städten sogar fast doppelt so viel wie in Ostdeutschland.

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