Bundesliga und Immobilien
Was Fußball-Fans glücklich macht

Sie beflügeln die Sehnsüchte der Fans, sind Tempel des Fußball-Kults: Die Stadien der Bundesliga-Clubs. Ein Planer verrät, was Stadien besonders macht, welchen Luxus Logen-Fans erwarten und was beim Neubau möglich ist.
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Die Bundesliga-Saison neigt sich dem Ende. Vor allem der Abstiegskampf verlangt den Fans derzeit einiges ab. Sportmediziner wissen: Die Pulsfrequenz der Fans kann in engen Spielsituationen deutlicher höher sein als die der Spieler. In der heißen Phase der Saison kann es deshalb sinnvoll sein, sich einmal zurückzulehnen und einen Blick hinter die Kulissen der Sport- und Unterhaltungsindustrie Fußball zu werfen.

Fabian Schuster, Partner von EY Real Estate, hat bereits mehrere Neu- und Umbau-Projekte von Stadien geleitet, etwa die Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart. Schuster kennt die Geheimnisse hinter den Tempeln der Fans. Er weiß, warum die altmodischen Edel-Logen nicht mehr gefragt sind, wie das Stadion der Zukunft aussehen kann und warum demnächst vielleicht Stadion-Kellner die Fans bedienen.

Herr Schuster, was ist eigentlich Ihr liebster Fußballverein?
Ehrlich gesagt bin ich eher ein Fan von Fußballstadien, nicht von einzelnen Clubs. Wenn ich einen Lieblingsverein wählen müsste, wäre das die Nationalmannschaft. Der Weltmeister.

Sie beraten Vereine bei der Umsetzung von Stadionprojekten. Wie macht man einen Fußballfan glücklich?
Die Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Es gibt mehrere Typen von Fans. Da ist zunächst einmal der Hardcorefan, Hooligan oder Ultra, der vor allem seine gewohnten Stehplätze wünscht. Solche Fans treffen sich vor dem Spiel gerne in einer authentischen Kneipe und möchten möglichst früh auf die Ränge, um ihre Plakate aufzubauen und sich für das Spiel warm zu machen. In direkter Nähe der Ränge sollte es Getränke geben und vielleicht eine Bratwurst. Mehr braucht es für diese Zielgruppe nicht.

Wie viele Stehplätze braucht ein Stadion?
Diese Fans machen die Stimmung, daher wird es immer in jedem deutschen Stadion Stehplätze geben. Wie viele, das hängt auch von dem Verein ab. Ein Vorbild wäre etwa die gelbe Wand in Dortmund mit mehr als 24.000 Stehplätzen. Diese Südtribüne erinnert sehr an englische Stadien. In Stuttgart ist die Fankultur etwas zurückhaltender. Hier reichen dann 10.000 Stehplätze in einem Stadion mit 60.000 Plätzen. Pi mal Daumen sollte jedes Stadium 15 bis 20 Prozent Stehplätze haben.

Die Stehplatzfans mögen das Herz der Vereine sein, das Geld verdienen die Clubs aber mit Sitzplätzen. Welche Bedürfnisse hat diese Zielgruppe?
Es gibt den so genannten Familienfan, der Sitzplätze bevorzugt. Familienfans erwarten neben Sicherheit vor allem Komfort. Für diese Fans werden die Vereine in Zukunft noch mehr tun müssen. Etwa in den Stadien komfortablere Sitze anbieten. Stadionkellner könnten Getränke und Fingerfood direkt am Platz servieren. Eine gute Infrastruktur ist dieser Zielgruppe wichtig. Parkplätze, öffentliche Verkehrsmittel aber auch eine schnelle Internetverbindung am Platz.

Noch lukrativer für die Vereine sollen die sogenannten Logenplätze für Firmenkunden sein.
Das stimmt. Hier gibt es in vielen Stadien aber Optimierungspotenzial. Vielfach gibt es noch die alten Glaskästen, in denen sich zehn oder zwölf Geschäftsfreunde zusammen ein Spiel anschauen. Die Atmosphäre kommt nicht rüber, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

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