Bundesweite Razzia: Immobilienanleger fürchten um ihr Geld

Bundesweite Razzia
Immobilienanleger fürchten um ihr Geld

Deutschland droht ein neuer Anlegerskandal. In einer bundesweiten Razzia gehen Polizisten gegen ein Unternehmen vor, das angeblich Milliarden in vermeintlich sichere Immobilien investierte. Anleger bangen um ihr Geld.
  • 24

FrankfurtDie Werber der Unternehmensgruppe S&K haben einen Sinn für das Wahre und Schöne. Bei einem Immobilieninvestment zitieren sie auf ihrer Internetseite Johann Wolfgang von Goethe. Drei Dinge seien laut Dichterfürst an einem Gebäude zu beachten: "Dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohlgegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei." Zahlreiche Privatanleger hörten solche Verse gerne und investierten bei S&K. Vor allem in Immobilien und andere vermeintlich sicherer Investments.

Ihr Vertrauen könnte ausgenutzt worden sein. Denn laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt führt die Polizei aktuell eine bundesweite Razzia gegen S&K durch, über die die Wirtschaftswoche am Mittag als erste berichtet hatte. Die Begründung liest sich weniger poetisch als bei Goethe: Die Ermittlungen erfolgen "wegen Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betruges mit Kapitalanlage, der Untreue und weiterer Straftaten". Es habe sich ein "dringender Tatverdacht" ergeben, da durch die Hauptverantwortlichen "in gemeinsam abgestimmter Vorgehensweise ein über Jahre planmäßiges und groß angelegtes Betrugssystem installiert wurde"


Die Frankfurter Firmengruppe S&K wird verdächtigt, gemeinsam mit einem Hamburger Unternehmen ein umfassendes Schneeballsystem installiert und so einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht zu haben. Den Kunden versprachen die mutmaßlichen Betrüger sichere Anlagen auch nach der Bankenkrise im Jahr 2008. Laut einer Frankfurter Justizsprecherin sind bei den Durchsuchungen am Dienstag sechs Verdächtige im Alter zwischen 33 und 70 Jahren verhaftet worden. Insgesamt werde gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt, weitere Haftbefehle gebe es derzeit nicht. Unter den Beschuldigten sind auch mehrere Notare und Rechtsanwälte.

Die Verantwortlichen sollen Tausende Anleger mit einem Schneeballsystem betrogen haben, indem sie nach der Finanzkrise 2008 sichere Anlageformen versprachen. Der Schaden übersteige die 100 Millionen Euro. Den Anlegern seien über Jahre meist gemischte Fonds angeboten worden, in denen meistens Immobilien enthalten waren.

Seite 1:

Immobilienanleger fürchten um ihr Geld

Seite 2:

Erste Zweifel bereits in den vergangenen Wochen

Kommentare zu " Bundesweite Razzia: Immobilienanleger fürchten um ihr Geld"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jeden Tag gibt es hierzulande mehr und mehr Betrüger und zwar in allen Sparten!
    Da unsere inkompetente Justiz absolut machtlos ist, bzw. ihnen die Sache schon über den Kopf wächst, ist Deutschland wirklich ein Eldorado für diese Typen!

  • In Bilanzen – vorausgesetzt diese werden nach bestem Wissen und Gewissen geführt – (wovon jedoch in 100 % aller Betrugsdelikte nicht auszugehen ist) steht noch längst nicht alles drin, was Anleger über Unternehmen wissen sollten.

    Falls Anleger keine Bücher lesen können:
    Anleger sollten sich vor allem ein paar Filme ansehen, wenn schon kein Interesse daran besteht, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, wie es ihr Geld verdient hätte:

    Leichte Kost auf den Punkt gebracht:
    2012 – Arbitrage (mit Bilanzfälschung zum Erfolg)
    2011 – Margin Call (der große Crash, rette sich wer kann)
    2010 – Gier (Hochstapler gibt es überall)
    2000 – Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum (Abzocke)
    1987 – Wall Street (Geld ist Gott)

    Selbstverständlich reichen auch schon kleine Einblicke in die (immer noch aktuellen) Machenschaften von M. Göker & Co. in der Versicherungsbranche und das selbstgefällige Auftreten der selbsternannten und sogenannten „Finanzoptimierer“, die stets nur ein Ziel vor Augen haben: Ihre eigenen Finanzen zu optimieren – egal wie.

    Grundsätzlich bleibt zu sagen, dass ohne die Blauäugigkeit und Leichtgläubigkeit aller Kunden kein Geschäft zu machen wäre und deshalb tragen die Anleger ebenso eine Verantwortung für ihre Verluste, wie ihre Vertragspartner. Wer sein Geld Fremden anvertraut (egal in welcher Branche) und den Informationen Glauben schenkt, die allein beim Geschwätz, in Hochglanzprospekten, auf Events oder in Werbefilmchen zum Ausdruck gebracht werden, ist leichte Beute.

    Ergo:
    Wer als Anleger einen halbwegs vernünftigen Verstand besitzt und sich Zeit nimmt, Unternehmen auf den Zahn zu fühlen, der kann über die jüngsten Machenschaften bestenfalls schmunzeln, aber verliert nicht sein Geld. Ich fühle mich bei solchen Berichterstattungen gut unterhalten und finde es immer wieder erstaunlich, wie Anleger um ihre Ersparnisse gebracht werden können.

    Zum Abschluss ein Superlativ:
    Dumm, dümmer, Anleger.

  • Das ist doch alles kalter Kaffee - nicht mal das Handelsblatt erwähnt, dass die Quelle nicht mm oder wirtschaftswoche ist, sondern gomopa.net

    Die haben auch nicht erst vor ein "paar Wochen" berichtet sondern schon seit fast einem Jahr... eben Verdummung der eigenen Leser!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%