Chance aufs Eigenheim
Studie soll Finanzspielraum zeigen

Eine Analyse sieht für viele Familien einen Spielraum für den Kauf eines Eigenheims. Doch die Datenbasis des Statistischen Bundesamtes ist fünf Jahre alt. Und es gibt noch andere Zweifel an der Aussagekraft.
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BerlinSparkassenpräsident Georg Fahrenschon spricht von einem bislang einmaligen Projekt. Nie zuvor sei in Deutschland in dieser Tiefe ausgewertet worden, wie viel Geld typische Privathaushalte für was ausgeben. Das ganze soll im Prinzip jedem einen Nutzen bringen, denn im Internet kann man nun die eigenen Ausgaben vergleichen mit denen eines ganz ähnlich strukturierten Durchschnittshaushalts - und dann notfalls etwas ändern.

Vordergründig geht es den Sparkassen als öffentlich-rechtliche Einrichtungen darum, ihren Kunden zu helfen, mit ihrem Geld besser umzugehen. „Die Bürger sollen Einnahmen und Ausgaben in der richtigen Balance halten, gezielt bremsen oder auch mal einen Gang zulegen können“, sagt Fahrenschon dazu. Bei der Interpretation der Daten am Donnerstag in Berlin legt er den Schwerpunkt aber klar auf das Thema Immobilien, die unter anderem von Sparkassen finanziert werden.

Da kommt der ehemalige CSU-Politiker einerseits zu dem Schluss, dass auch Familien mit Kindern in vielen Fällen die Finanzierung einer Wohnimmobilie stemmen könnten - „und zwar häufiger als man annimmt“. Andererseits sei eine Neuauflage der staatlichen Eigenheimzulage dringlich, bei der die Kinderzahl und das Einkommen berücksichtigt werden müssten.

Das Projekt, das der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vorstellte, basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Das hat im Jahr 2008 rund 55 000 Privathaushalte drei Monate lang Haushaltsbücher führen lassen und so deren Ausgaben dokumentiert. Nun hat die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (DGH) in Zusammenarbeit mit dem DSGV diese Daten aufbereitet - und für 84 Haushaltstypen die mittleren Ausgaben etwa für Wohnen, Ernährung, Mobilität und Gesundheitspflege errechnet.

Diese Referenzbudgets gäben eine „wichtige Orientierung“ zum Beispiel für junge Familien, weil sie erkennen könnten, was mit dem Nachwuchs in den folgenden Jahren finanziell auf sie zukomme, sagt Fahrenschon. Er räumt aber ein, dass die Zahlen keine regionale Unterschiede berücksichtigten.

In der Tabelle sind zum Beispiel für ein Paar mit zwei Kindern sowohl bei der Kaltmiete als auch beim Immobilienkredit monatliche Ausgaben von knapp 500 Euro zu finden. Diese Mittelwerte bewegen sich in einer Höhe, die in München und Hamburg unrealistisch niedrig ist, wie auch Fahrenschon auf Nachfrage sagt. Wenn es um Kredite für Immobilien gehe, achteten die Sparkassen „genau darauf, dass wir keine Falschberatung leisten“, fügt er hinzu.

So oder so, die deutsche Wohneigentumsquote von unter 50 Prozent sei im europäischen Vergleich zu gering, betont Fahrenschon. Sie liege weit unter Krisenländern wie Spanien und Zypern. Damit fehle vielen Deutschen ein Wert, auf den sie wirtschaftlich schwierigen Zeiten zurückgreifen könnten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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