Cityrand zieht Mieter und Käufer an
Frankfurter wohnen wieder gern in der Stadt

„Repräsentative Stadtwohnungen“ in urbanen Lagen rücken wieder vermehrt ins Blickfeld deutscher Wohnimmobilienkäufer. In einigen Städten erlebt diese Wohnform sogar wieder eine Art Renaissance. Wie die DB Immobilien in ihrem „Trend-Research 2005“ festhält, führt das traditionelle Eigenheim die Beliebtheitsskala zwar unverändert an.

HB DÜSSELDORF. Aber auf Platz zwei folgt in diesem Jahr erstmalig die urbane Etagenwohnung, gut gelegen, schallgeschützt und mit möglichst freiem Ausblick.

„Wir erleben eine moderne Rückbesinnung auf die Beletage-Vorliebe, die für das Bürgertum des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts kennzeichnend war“, kommentiert DB-Immobilien-Geschäftsführer Dietmar Franz den überraschenden Trend, der inzwischen auch Frankfurt am Main erreicht hat. Gerade hier galt urbanes Wohnen für breite Bevölkerungsschichten lange Zeit entweder als wenig erstrebenswert oder war einfach unbezahlbar. Vor allem Besserverdienende und Familien mit Kindern zogen in den berühmten Speckgürtel, weil attraktive oder erschwingliche Miet- und Eigentumsobjekte fehlten.

Über Jahrzehnte hat Deutschlands Finanzzentrum auf diese Weise Einwohner ans Umland verloren. Noch heute sind ein Drittel der Beschäftigten Pendler. „Jetzt gibt es aber eine Trendwende. Städtisch orientierte Familien sowie anspruchsvolle Singles haben die Versorgungsqualitäten der zentralen Lagen wieder entdeckt und sorgen für einen Nachfrageschub bei großzügigen und innerstädtisch gelegenen Altbauwohnungen", berichtet Jürgen Probst, Mitglied der Geschäftsleitung der Corpus Immobiliengruppe. Vor allem Miet- und Eigentumswohnungen im West- und Nordend sowie in Sachsenhausen seien begehrt. Aber auch hochwertige Neubauobjekte in den beiden neuen Stadtquartieren „Deutschherrenviertel“ und „Westhafen“ träfen den Geschmack der Käufer.

Die lassen sich das citynahe Heim durchaus etwas kosten. Nach Recherchen von Corpus, die auf einer Auswertung von 175 000 Immobilieninseraten durch das Geografische Institut der Universität Köln beruhen, werden in diesen Vierteln Höchstpreise erzielt. So kostete eine Eigentumswohnung in Frankfurt Sachsenhausen im vergangenen Jahr im Schnitt 2 570 Euro. Im Nordend waren 2 571 Euro und in Bockenheim 2 757 Euro üblich. „Allerdings gilt das Westend als unbestrittene Toplage in Frankfurt. Große Wohnungen in den dort üblichen Gründerzeitvillen wurden im vergangenen Jahr für durchschnittlich 3 235 Euro angeboten – Spitzenwert in der Stadt“, sagt Probst. Am Cityrand wie in Oberrad oder Bergen-Enkheim liegen die Spannen bei 2 100 bis 2 400 Euro. Unterhalb der 2 000-Euro-Marke konnten Käufer lediglich am östlichen und westlichen Stadtrand fündig werden.

Auch für Einfamilienhäuser müssen die Frankfurter verhältnismäßig tief in die Tasche greifen. In der Innenstadt verlangten die Anbieter 2004 Durchschnittspreise von 370 000 Euro, in den beliebteren Cityrandlagen waren es 595 000 Euro.

„Die Wohnimmobilienpreise in Frankfurt gehören zu den höchsten in Deutschland“, heißt es im City Report Wohnen Frankfurt der 1822 Corpus, dem Immobilienmaklerunternehmen der Frankfurter Sparkasse. Für Durchschnittsverdiener oder Familien mit Kindern dürften diese Preise kaum erschwinglich sein. Doch gibt es in der Stadt inzwischen eine Reihe von Neubauprojekten, die speziell diese Klientel ansprechen und deren Abwanderung ins Umland stoppen soll.

Eines davon findet sich in Frankfurts Norden. Auf dem 266 Hektar großen „Riedberg“ entsteht derzeit eine Kleinstadt vor den Toren der Großstadt. Wo früher nur Äcker waren, sollen in zehn Jahren etwa 15 000 Menschen leben. Das städtebauliche Gesamtkonzept sieht hier eine Mischung aus Ein- und Mehrfamilienhäusern, Arbeitsstätten, Parks, Läden, Restaurants, Universitätsinstituten und öffentlichen Einrichtungen vor. Bereits im vergangenen Sommer waren die ersten Wohngebäude, naturwissenschaftliche Institute, eine Schule sowie eine Kindertagesstätte errichtet. Einfache Eigenheime sind hier ab 200 000 Euro zu haben.

Auch Großprojekte wie der „Riedberg“ können indes die insgesamt schwache Neubautätigkeit nicht kompensieren. Wer in Frankfurt Wohneigentum erwerben möchte, sei auf Secondhand-Immobilien angewiesen, berichtet Jürgen Probst von Corpus: „2004 lag das Angebot von Bestandsobjekten sowohl bei Häusern als auch bei Eigentumswohnungen weitaus höher als das von Neubauten.“ Rund 78 Prozent der in der Corpus-Studie erfassten Immobilieninserate bezogen sich auf ältere Einfamilienhäuser, rund 82 Prozent der Annoncen auf bestehende Eigentumswohnungen.

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