David Chipperfield baut neues Folkwang-Museum
Ein Glaspalast für die Kunst

Der britische Architekt David Chipperfield gilt als Spezialist für die Integration von modernen Bauten in eine historische Umgebung. Seine Stärke kann er nun in Essen unter Beweis stellen – beim Bau des neuen Folkwang-Museums.

HB ESSEN. Seine Werke sind das genaue Gegenteil des opulenten "Bilbao-Stils" seines Kollegen Frank O. Gehry, der in der spanischen Hafenstadt ein Guggenheim-Museum schuf, das vor lauter Glanz und wilden Formen die Ausstellungsstücke beinahe in den Hintergrund treten lässt. Chipperfields Architektur ist zurückhaltend und dadurch gerade faszinierend. Ein Beispiel? Das Literaturmuseum der Moderne des Deutschen Literaturarchivs in Marbach, im Juni 2006 eröffnet. Dort werden unter anderem die Original-Manuskripte von Kafkas "Prozess" und Döblins "Alexanderplatz" aufbewahrt. Solche Kostbarkeiten brauchen gedämpftes Licht und große Vitrinen. Chipperfield hat daher einen Bau für die Bücher entworfen, der an einen Tempel der Antike erinnert: "Das Gebäude schützt und tritt zurück", heißt es in Marbach.

Erst ab 2010 zu besichtigen ist das neue Folkwang-Museum in Essen. Mitte Februar gewann das Büro David Chipperfield Architects Berlin/London den Wettbewerb für den Neubau an der Goethestraße, für den der Nordflügel, ein Erweiterungsbau von 1983, abgerissen wird. Erhalten bleibt dagegen der unter Denkmalschutz stehende Südflügel, den 1960 die Essener Architekten Werner Kreuzberger und Horst Loy bauten.

Das neue Museum schafft eine Fläche für die Dauersammlung und Ausstellungen von 4 500 Quadratmetern (qm); der gesamte Komplex, in dem auch das Deutsche-Plakat-Museum untergebracht wird, umfasst 17 500 qm. "Das neue Gebäude soll einen passenden Rahmen für die herausragende Sammlung des Museums schaffen und gleichzeitig Offenheit symbolisieren, um die Stadt, die Menschen einzubeziehen", erklärt Alexander Schwarz, Chipperfields Design-Direktor und Projektleiter.

Chipperfield baut drei unterschiedlich hohe Gebäudeteile mit Innenhöfen, luftig wirkende Kuben mit einer Fassade aus Glaskeramik. "Das Material ist zugeschnitten auf den Ort und soll auch bei schlechtem Wetter Licht einfangen", sagt Schwarz. Dem Jury-Vorsitzenden Eckhard Gerber gefiel die "harmonische Wechselbeziehung zum Altbau". Ganz deutlich wird bei Chipperfields Entwurf der Einfluss der klassischen Moderne, von Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier. Das dürfte Berthold Beitz zugesagt haben, dessen Wertschätzung für die Architektur-Klassiker bekannt ist. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist Bauherr des Neubaus. Die Stiftung, die das Museum seit langem unterstützt, übernimmt als alleinige Förderin die Finanzierung. Geschätzte Kosten für den Neubau: 55 Mill. Euro.

2010, wenn Essen unter der Regie des ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen "Europäische Kulturhauptstadt" wird, ist das Museum fertig, inklusive einer Tiefgarage, mit der das Parkproblem in dem städtebaulich schwierigen Umfeld gelöst wird; denn das Museum ist zwischen Wohnblocks und einer Schnellstraße eingeklemmt. Noch im Sommer ist Baubeginn.


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