Der Brexit und die Folgen Das London-Problem deutscher Immobilienfonds

Britische Immobilienfonds liegen auf Eis. Anleger kommen nicht mehr an ihr Geld. Bei deutschen Fondsanlegern ruft das böse Erinnerungen an die Fondskrise des Jahres 2008 wach. Dabei ist heute alles anders.

Was geschieht mit dem Finanzzentrum London nach dem Brexit?

Was geschieht mit dem Finanzzentrum London nach dem Brexit?

DüsseldorfDas Brexit-Votum der britischen Wähler sorgt nicht nur an den Börsen und Devisenmärkten für Turbulenzen. Zu den Opfern des „No!“ der Wähler zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) gehören seit Montag auch britische Immobilienfonds. Gleich fünf von ihnen, darunter der größte des Landes mit umgerechnet allein 5,2 Milliarden Euro Volumen, stellten den Handel mit Fondsanteilen ein. Zu viele Anleger hatten aus Furcht vor sinkenden Immobilienpreisen und Renditen aussteigen wollen und gaben Anteile zurück. Wer nicht schnell genug war, kommt jetzt nicht mehr an sein Geld.

Diese Städte wollen das nächste London sein
Dublin
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Die irische Hauptstadt lockt vor allem mit niedrigen Steuersätzen für Unternehmen. Damit hat Irland bereits große US-Konzerne überzeugt – und zugleich Kritik auf sich gezogen. Der IT-Riese Google zum Beispiel muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er den deutschen Fiskus austrickst.

Dublin
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Um sich dem Zugriff des Staates zu entziehen, verschieben einige Unternehmen über ihre Niederlassungen in Irland Gewinne in andere Steueroasen. Punkten kann Dublin natürlich auch damit, dass Englisch gesprochen wird. Gegen den Standort spricht aber, dass er nicht gerade zentral in der EU liegt und auch nicht gerade viele Banker unbedingt dort hinziehen werden.

Paris
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Der französische Staatschef François Hollande hat gleich Paris als Alternative zu London ins Spiel gebracht – und Banken Hoffnungen auf Steuererleichterungen gemacht. Die Regierung müsse daher „unsere Regeln, darunter die fiskalischen, anpassen, um den Finanzplatz Paris attraktiver zu machen“, sagte Holland. Paris hat als Bankenstadt bereits eine Bedeutung – allein schon, weil die großen französischen Banken dort ihren Hauptsitz haben.

Paris
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Und wenn es um Kultur, Lifestyle und Nachtleben geht, hängt Paris sowieso alle anderen Städte ab. Die Attraktivität Paris‘ ist zugleich ein Manko. Die Stadt ist extrem teuer, die Wege sind weit.

 

Luxemburg
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Dass Luxemburg ein wichtiger Finanzplatz in der EU ist, ist unbestritten. Viele Banken, Fondsgesellschaften und Dienstleister haben dort große Büros. Der Großteil der Fonds, die in Deutschland verkauft werden, wurde nach den Luxemburger Regeln gestartet.

Luxemburg
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Und ähnlich wie Dublin hat auch das Großherzogtum Unternehmen mit geringen Steuersätzen angelockt. Diese Praxis ist aber mehr denn je hochumstritten. Zudem ist die Stadt mit rund 110.000 Einwohnern alles andere als groß. Fraglich wäre, ob dort einfach tausende weiterer Banker hinziehen könnten.

New York
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New York ist das globale Finanzzentrum. Viele Banken aus aller Welt haben ohnehin einen großen Standort dort. Deshalb dürfte in einigen Fällen – wenn es nicht um das Europageschäft geht – naheliegend sein, Jobs von London nach New York zu verlagern. In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group nannten Topbanker von sich aus New York als beste Alternative zu London.

Bei deutschen Fondsanlegern weckt das unangenehme Erinnerungen an das Jahr 2008. Damals – unmittelbar nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers - hatten sich auch Hunderttausende deutsche Anleger auf einen Schlag die Anteile an ihren Fonds auszahlen lassen. Die Folge: Den Fondsgesellschaften gingen die Barmittel aus, sie mussten die Notbremse ziehen und die Rücknahme von Fondsanteilen aussetzen. Zeitweise lagen 34 Milliarden Euro an Kundengeldern auf Eis. Acht Fonds blieben dauerhaft eingefroren und mussten am Ende abgewickelt werden – ein Prozess, der bis heute nicht vollständig abgeschlossen ist. Anlegern bescherte die Krise der Fonds bis dato schätzungsweise vier Milliarden Euro Verlust.

Drohen deutsche Fonds jetzt erneut so in Bedrängnis zu kommen wie vor sechs Jahren? Schließlich sind auch die hiesigen Anbieter offener Immobilienfonds in Großbritannien engagiert. Nach Angaben des Branchenverbands BVI liegt der Anteil von Immobilien in Großbritannien über die gesamte Branche gesehen bei rund zehn Prozent.

Sollten Mieten und Preise sinken, würde sich dies auch negativ auf die Werte der Immobilien in deutschen Fonds auswirken, damit den Anteilswert senken und die Rendite schmälern. Spätestens dann könnten Fondsanleger über einen Verkauf ihrer Anteile nachdenken.

Tatsächlich konzentriert sich der Großteil der Investments deutscher Fonds auf London, dem bei weitem bedeutendsten europäischen Markt für Bürogebäude, Shoppingcenter oder Hotels. Und insbesondere in der britischen Hauptstadt dürften die Preise für Gewerbeimmobilien durch das Brexit-Votum unter Druck geraten. Experten erwarten Wertverluste im Bereich von zehn bis 15 Prozent.

Allerdings sind die einzelnen deutschen Fonds in Großbritannien sehr unterschiedlich engagiert: Im Hausinvest etwa, einem Immobilienfonds der Commerz Real Gruppe, liegt der Anteil britischer Immobilienwerte bei fast 25 Prozent.

Beim Fonds Uni-Immo Europa von Union Investment Real Estate, Fondstochter der Volks- und Raiffeisenbanken und größter deutscher Anbieter von Immobilienfonds, liegt der Anteil bei gerade fünf Prozent. Im weltweit investierenden Global-Fonds von Union Investment ist der Anteil mit knapp zwölf Prozent gemessen an den Verkehrswerten aber mehr als doppelt so hoch. Auch im Deka-Fonds Immobilien Europa aus der Sparkassenfamilie sind mit 18 Prozent der Immobilienwerte große Summen im Vereinigten Königreich investiert.

Torsten Knapmeyer, Chef  des Fondsmanagements von Deka Immobilien, sieht keine Anzeichen für eine Gefahr. „Bei unseren Immobilienfonds mit signifikanten Anteilen von Objekten in Großbritannien spüren wir kein geändertes Kundenverhalten. Es werden keine Anteile auf Grund des Brexits zurückgegeben“, sagt Knapmeyer.

Deutsche Fonds schwimmen im Geld
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