Deutschland
Der Immobilienmarkt ist heiß, aber nicht zu heiß

Die Preise für Großstadtwohnungen und Einfamilienhäuser steigen und steigen. Ist das aktuelle Preisniveau gefährlich für Investoren und Häuslebauer? Die Fakten sprechen dagegen, sagen Experten. Bislang jedenfalls.
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FrankfurtBlase oder nicht? Seit Monaten streiten Volkswirte, Banker und Regulierer darüber, ob der deutsche Immobilienmarkt überhitzt. Denn selten war die Nachfrage der Privatanleger nach Eigentumswohnungen und Häusern so groß wie in diesen Tagen, die Preise steigen. Im nächsten Jahr dürfte sich das kaum ändern. Die Menschen wollen in der Schuldenkrise ihr Erspartes sicher anlegen und vor Inflation schützen. Die niedrigen Zinsen machen die eigenen vier Wände, das "Betongold", für viele erschwinglich. Die Bundesbank schaut deshalb schon genauer hin. Dennoch: Von einer Spekulationsblase - wie es sie in Irland, Spanien und den USA gegeben hat - kann hierzulande keine Rede sein, denn die Fundamentaldaten stimmen. Der deutsche Immobilienmarkt läuft bestenfalls warm, aber nicht heiß.

"Im Moment gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen", sagt Immobilienexperte Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Er räumt zwar ein, dass die jüngsten Preissteigerungen gerade in Berlin signifikant seien - ein Trend, den man im Auge behalten müsse. "Aber insgesamt ist der Immobilienmarkt gesund."

In der Tat fallen bei einem Blick auf die Zahlen vor allem die Metropolen auf: Während die Preise für Eigentumswohnungen im Bundesdurchschnitt zwischen 2003 und 2011 um 10,5 Prozent anzogen, waren es in Berlin 39 Prozent, in Hamburg 31 Prozent und in München und Frankfurt fast 15 Prozent, wie das IW vorrechnet.

Allerdings koppelten sich die Preise nicht von der konjunkturellen Entwicklung ab - dabei wäre dies Hauptmerkmal einer Blase. Städte wie München haben nicht nur fast Vollbeschäftigung, die Bevölkerungszahl wächst auch kontinuierlich. Ähnlich ist die Lage in Frankfurt und dem Einzugsgebiet Rhein-Main. Selbst Berlin, wo die Wirtschaftslage nicht ganz so rosig ist, zieht seit Jahren immer mehr Einwohner an, vor allem junge.

Angesichts des knappen Angebots dürften sich die Mieten in den Großstädten bis 2015 zwar nicht ganz so stark wie die Kaufpreise, aber doch recht proportional zu ihnen nach oben entwickeln, prognostiziert Feri. "Der Markt reagiert fast lehrbuchartig auf den Nachfrageüberhang", erklärt Manfred Binsfeld, Leiter Immobilienmarkt-Research, bei der Ratingagentur.

Ähnlich sieht es Jörg Schwagenscheidt, Vorstand bei der börsennotierten Wohnungsgesellschaft GSW, die vornehmlich in Berlin auf Einkaufstour ist und sich von den explodierenden Preisen bislang nicht abschrecken lässt: "Die meisten Metropolen sind geprägt durch nachhaltig steigende Mieten, sinkende Leerstände und der sehr geringen Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Rahmendaten mittelfristig ändern."

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Kommentare zu " Deutschland: Der Immobilienmarkt ist heiß, aber nicht zu heiß"

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  • Zwischenzeitlich kann man diese Diskussion nicht mehr nachvollziehen.

    Es wird sehr allgemein argumentiert.

    Sicherlich, die Preise in den begehrten Innenstadt-Lagen der Großstädte steigen zT deutlich. Sicherlich gab es aber auch eine Phase in den neunziger Jahren, da haben die Preise lange stagniert. So ist der Preisanstieg relativ.

    Was viele völlig vergessen: Der massive Preisanstieg von Gebraucht –Immobilien beschränkt sich primär auf die Innenstadtlagen großer Städte (mal abgesehen von Sonderthemen). Preisanstiege im (direkten) Umfeld von großen Stadten. Ja.

    Auf dem platten Lande: Tristesse pur. Und da sitzen ca. 20 Millionen Eigentümer.

    Das früher so beliebte „Häuschen“ im „Speckgürtel“ wird von der Preissteigerungswelle nicht richtig erfasst. Im Gegenteil, oftmals verfallen die Preise auf dem Lande.

    Dann kommt die totale Schattenseite. Immobilien in Ortschaften mit weniger als 5.000 Einwohnern, die auch nicht benachbart zu größeren – wirtschaftsstarken - Städten gelegen sind.

    Für München darf nicht vergessen werden, dass eine Vielzahl von Objekten (mache sprechen von fast 20 % aller Wohnungen) von „Wochenendheimfahrern“ und Studenten genutzt werden. Dieses Segment ist extrem zyklisch, insbesondere mit dem Blick auf die exportabhänige Münchner Investitionsgüter-Industrie und die demographische Entwicklung.

    Ferner sagen viele, dass ca. 60 – 80 % aller freistehenden Einzelhäuser im Großraum München Personen in höherem Alter gehören. Erbfälle und Pflegkosten werden hier in den nächsten Jahren zu einem steigenden Verkaufsdruck führen.

  • Nach den neuesten Angeboten die ich erhalten habe scheint ja selbst in Leipzig nichts unter 18fach zu gehen vor 3-4 Jahren 8-11fach,..Berlin liegt ja schon bei 20fach vor 3-4Jahren max. 15fach und bei anderen Städten im Osten ebenso..so schnell kann ich die Mieten garnicht anpassen um auf eine einigermaßen interessante Rendiete zu kommen. Bitte nicht erzählen es dient ja dem Kapitalerhalt..plus Finanzierungskosten und abzüglich Inflation..haha..dann kann ich mir noch ausrechnen wieviele nur aus Angst kaufen und in 2-3Jahren alles wieder auf den Markt schmeißen, weil Sie Ihr investiertes Kappital benötigen..dann soll mir mal einer erzählen Immobilienkauf in der heutigen Zeit ist ´ne sichere und Kapitalerhaltende Anlage.

  • Nicht die Immobilien werden jeden Tag teurer, sondern unsere Chaoswährung verliert immer weiter an Wert. Ob am Obststand, an der Tankstelle, bei Rohstoffen wie Gold und Silber oder eben bei Betongold: der Wert, den ic für die bedruckte Baumwolle bekomme, wird noch weiter sinken. Da können wir uns auch noch so viel mit dem kranken Dollar vergleichen... wir werden noch ganz andere Hauspreise sehen.

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