Dresden und Leipzig sind Vorzeigestädte des Ostens – Büromärkte profitieren erst langfristig von Neuansiedlungen
Leuchttürme des Strukturwandels

Nach BMW, Porsche und Quelle konnte Ende vergangenen Jahres die Region Leipzig einen weiteren Ansiedlungserfolg verbuchen: Bis 2008 wird DHL, die Frachttochter der Deutschen Post, ihr europäisches Luftdrehkreuz in die Stadt an der Pleiße verlagern. „Ich bin völlig aus dem Häuschen“, kommentierte dies Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD). „Genial für unsere Wirtschaft“, assistierte Börries von Ditfurth, Chef der örtlichen Industrie- und Handelskammer.

HB BERLIN.Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sprach von einem „großen Tag für unser Land“. Schließlich sollen Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro bis zum Jahr 2012 etwa 3 500 Arbeitsplätze schaffen, in der Region könnten es womöglich bis zu 7 000 sein.

Dies dürfte freilich nichts daran ändern, dass in Leipzig ein knappes Viertel aller Büros, rund 750 000 Quadratmeter, leer stehen. Die örtliche Maklerbranche rechnet sich diese horrenden Zahlen auf rund 300 000 Quadratmeter oder zehn Prozent Leerstand schön. Die Argumentation: Weil 280 000 Quadratmeter schon seit mehr als fünf Jahren unvermietet seien, taugten sie so wenig, dass sie auch in Boomzeiten nicht zu vermarkten seien. Weitere 30 000 Quadratmeter seien so genannte Untermietflächen, die vor allem auf Grund kurzer Mietlaufzeiten kaum marktwirksam seien. Noch einmal 113 000 Quadratmeter werden kurzerhand zur notwendigen „Fluktuationsreserve“ erklärt. Unterm Strich stünde nach dieser Rechnung der Leipziger Büromarkt gar nicht so schlecht da.

Dennoch haben sich viele Akteure in der Vergangenheit auf Leipzigs Büromarkt blutige Nasen geholt. Und noch längst nicht alle sind aus Schaden klug geworden. Aktuell drängen bei einem angepeilten Büroflächenumsatz für das Jahr 2005 von rund 90 000 Quadratmeter knapp 15 000 neue Quadratmeter auf den Markt, sagt die Vertreterin von Aengevelt Immobilien in Leipzig, Elke Engel.

Wer in diesen neuen Räumen in Zukunft Quartier nehmen soll, bleibt das Geheimnis der Geldgeber und ihrer Berater. Von BMW, Porsche, DHL und anderen verspürt der Leipziger Büromarkt bislang keine Belebung. „Die bauen alle weit draußen, und ihre Zulieferer auch. Wir bekommen höchstens mal ein kleines Ingenieurbüro ab“, weiß Elke Engel.

Stefan Sachse, Leipzigs Vertreter vom Frankfurter Maklerhaus Atisreal, sieht die Sogwirkung von Autobauern und Paketversendern ähnlich. Die Zuzügler seien hochwillkommen, der Leipziger Büromarkt profitiere davon aber nur „unterrangig in Form von Ingenieurbüros und Schulungsräumen“.

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