Drohendes Desaster
Bonn: Krimi um Kongresszentrum

Jahrelang galt der Bau des World Conference Center als Vorzeigeprojekt der „Bundesstadt“ Bonn. Nun könnte die Erweiterung des früheren Bundestages zum Desaster für die Kommune werden. Der Grund: Die Finanzierung droht zu platzen.
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BONN. Die Finanzierung war ohnehin nur mit tatkräftiger Unterstützung durch die öffentliche Hand zustande gekommen: Der Bund hatte den früheren Bundestag und angrenzende Grundstücke zur Verfügung gestellt, das Land Nordrhein-Westfalen förderte das Vorhaben mit insgesamt 38,5 Mio. Euro. Schließlich sprang die öffentlich-rechtliche Sparkasse Köln-Bonn in die Bresche, um den Baustart im November 2006 zu ermöglichen. Sie gewährte dem nach langer Suche gefundenen Investor, dem amerikanisch-koreanischen Immobilienentwickler SMI Hyundai, einen Kredit von rund 74 Mio. Euro. Und das, obwohl der Developer, der sowohl Bau wie auch Betrieb des World Conference Center übernehmen sollte, den zugesagten Eigenkapitalanteil von 40 Mio. Euro zunächst nicht aufbringen konnte. „Normalerweise würde keine Bank sich auf so etwas einlassen“, kommentiert diesen Vorgang ein Branchenkenner, der lieber ungenannt bleiben will.

Die Großzügigkeit der Sparkasse hat einen einfachen Grund: Das Risiko des Geschäfts trägt die Stadt. Sie hat sich vertraglich verpflichtet, die Zinszahlung zu übernehmen, falls der Investor ausfällt. Genau dieser Fall droht nun einzutreten. Denn die finanzschwache SMI Hyundai lieh sich Geld – man spricht von zehn Mio. Euro – beim israelischen Finanzinvestor Arazim, in Branchenkreisen wegen seines Geschäftsgebarens und angeblicher Wucherzinsen als „Heuschrecke übelster Art“ verschrien. Für den auf sechs Monate befristeten Kredit verpfändete SMI Hyundai seinen 94-Prozent-Anteil an der eigens gegründeten Projektgesellschaft United Nations Conference Center (UNCC), die das Bonner Vorhaben realisieren soll.

Da die Koreaner den Kredit nicht fristgerecht zurückzahlten, pocht nun Arazim auf seine Eigentumsrechte an UNCC. Problem ist nur: SMI-Hyundai-Chef Man Ki Kim hat die an Arazim verpfändeten Gesellschaftsanteile bereits weiter verkauft – an die südkoreanische Investmentgesellschaft Honua. Sie nämlich stieg mit 32 Mio. Euro in das Projekt ein und wurde als UNCC–Eigentümerin ins Handelsregister eingetragen. Nun streiten sich Honua und Arazim vor Gericht, wer rechtmäßiger Eigentümer des Konferenzzentrums ist. Zudem steckt auch Honua in finanziellen Schwierigkeiten. Denn die Baukosten explodierten von 140 Mio. auf 200 Mio. Euro. Zusätzlich benötigte 32 Mio. Euro, die Honua ursprünglich bis Ende Juni zahlen wollte, sind noch nicht eingegangen.

Jetzt hat die Stadt dem Investor ein Ultimatum gestellt: Ist das Geld nicht bis zum Wochenende eingetroffen, drohe der Heimfall des Projektes an die Stadt, kündigte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) an. Zwar wäre die Stadt dann Eigentümerin von UNCC und des fast fertiggestellten Kongresszentrums. Allerdings müsste sie auch den inzwischen auf 104 Mio. Euro angewachsenen Kredit bei der Sparkasse Köln-Bonn bedienen. Zudem bliebe die Finanzierungslücke von 32 Mio. Euro weiter ungedeckt. In de Konsequenz könnte der Bau gestoppt werden, so eine Stadt-Sprecherin.

Einen neuen Geldgeber für das Projekt zu finden, wäre eine Alternative. Doch Investoren für Großprojekte sucht man derzeit auch andernorts händeringend. So klafft etwa in der Hamburger Hafencity so manche Baulücke, weil sich keine Interessenten finden. In Hannover scheiterte der US-Finanzinvestor Carlyle, der den Wohn- und Gewerbekomplex Ihme-Zentrum im großen Stil sanieren wollte, an finanziellen Engpässen. Auch hier sind die Insolvenzverwalter auf der Suche nach einem neuen Investor.

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