Duisburg
Alles im Umbruch

In Duisburg sollen ein neues Casino mit Konzerthalle und ein Shoppingcenter der City auf die Sprünge helfen. „Die Duisburger freuen sich auf ihr City-Palais“, glaubt Oberbürgermeister Adolf Sauerland zu wissen.

DUISBURG. Gemütlich ist es derzeit nicht in Duisburgs City. Doch das soll sich ändern. Gleich zwei Großbaustellen mit meterlangen Zäunen zeigen: Am neuen Herz der City wird kräftig gebaut. Das „City-Palais“, ein Entwurf des Architekturbüros Chapman Taylor, steht inzwischen im Rohbau. Jüngst erst feierte Bauherr und Investor, die LEG Standort- und Projektentwicklung Essen GmbH, Richtfest für das Veranstaltungszentrum, das die einstige „Mercatorhalle“ ersetzen und gleich mehrere Funktionen unter einem Dach vereinen soll: Spielcasino, Bürohaus, Konzert- und Veranstaltungszentrum sowie Markthalle.

Die LEG lässt sich dass Projekt mehr als 90 Millionen (Mill.) Euro kosten, hinzu kommen rund 70 Mill. Euro Ausbaukosten, die von den künftigen Hauptmietern getragen werden. „Die Duisburger freuen sich auf ihr City-Palais“, glaubt Oberbürgermeister Adolf Sauerland zu wissen. Hier werde künftig „das geistige, kulturelle und urbane Herz der Stadt schlagen“, sagte er anlässlich des Richtfestes Mitte Mai. Ob dies die Bürger auch so sehen, wollte der lokale „Wochenanzeiger“ wissen und startete eine Umfrage mit dem Titel „Mehr Klotz als Kunst“? Die Antworten der Bewohner fielen tatsächlich überwiegend positiv aus – obwohl vor allem der massive Dachaufbau des Gebäudes in den vergangenen Wochen die Gemüter erregte. So erhob der Beirat für Stadtgestaltung mehrfach Bedenken gegen den einfach verputzten Betonkubus und forderte eine höhere Qualität vor allem für die Fassade des Konzertsaales.

Die Außenhaut des zweiten Duisburger Prestige-Projekts erntete dagegen bisher nur Lob, auch wenn die 140 Meter lange Front aus Backstein, Naturstein und Glas erst im Modellformat bewundert werden kann. Auf dem Areal des abgerissenen Karstadt-Hauses an Duisburgs Bummelmeile Königstraße investiert der niederländische Projektentwickler AM Development (AMD) rund 150 Mill. Euro in das Einkaufscenter „Forum“ mit 57 000 Quadratmetern Einzelhandels-, Gastronomie- und Freizeitflächen. „Das ist die Qualität, die Duisburg an dieser Stelle braucht“, würdigt Planungsdezernent Jürgen Dressler den Entwurf der Architekten Ortner & Ortner. Und für AMD-Chef Axel Funke wird das „Forum“ ohnehin das „beste und schönste Einkaufszentrum Nordrhein-Westfalens“.

Während die beiden neuen Innenstadt-Magneten noch eine ganze Weile um den Sieg im „Beauty-Contest“ ringen dürften, genießt einige hundert Meter Luftlinie entfernt Dieter Steffen den Blick aus seinem Büro. Hier, am Duisburger Innenhafen, wurden in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Bauprojekte realisiert, Hunderte neuer Mieter schauen bereits von ihren Schreibtischen auf das gekräuselte Wasser. „Mit Spitzenmieten von bis zu zwölf Euro je Quadratmeter sind wir das Juwel am Duisburger Büromarkt“, sagt der Geschäftsführer der Innenhafengesellschaft Duisburg mbH selbstbewusst. Und erst vor wenigen Wochen konnte Steffen den nächsten Coup verkünden: Der internationale Kraftwerksbauer Hitachi verlegt seinen Hauptsitz von Oberhausen an das Nordufer des Hafenbeckens: 20 000 Büroquadratmeter auf acht Geschossen – so viel Platz bietet das „Hitachi Power Office“ den bis zu 600 Beschäftigten. Realisiert wird die neue Europa-Zentrale von Projektentwickler Kölbl Kruse GmbH. Das Essener Unternehmen ist kein Neuling an der Duisburger Wassermeile.

Eine Vielzahl von Neubau- und Revitalisierungsprojekten haben Stephan Kölbl und Marcus Kruse hier in den vergangenen Jahren realisiert. Vor allem das „Five Boats“, Firmensitz der Krankenkasse Novitas, machte auf Grund des spektakulären Entwurfs von Stararchitekt Nicholas Grimshaw von sich reden. Für das zweite noch verfügbare Hafengrundstück gibt es ebenfalls große Pläne. Hier sieht der inzwischen zwölf Jahre alte Masterplan von Sir Norman Forster das nicht minder außergewöhnliche „Eurogate“ vor. „Der ursprüngliche Entwurf wurde den heutigen Bedürfnissen angepasst“, sagt Innenhafen-Chef Dieter Steffen. Will heißen: Der sichelförmige Komplex, der zu weiten Teilen in das Hafenbecken hineinragen soll, wurde kräftig abgespeckt und wird statt 70 000 Quadratmeter (qm) Bruttogeschossfläche nur noch 35 000 qm Nutzfläche haben. Derzeit wird ein Investor gesucht, es gebe mehrere Interessenten, sagt Steffen.

Obwohl fröhlich gebaut wird, fragt sich die Stadt, für wen sie all die Projekte eigentlich anschiebt. Denn wie viele Ruhrgebietsstandorte hat sie unter den Folgen der demografischen Entwicklung zu leiden. Derzeit fertigt die Düsseldorfer Ingenieurbüro H. Vössing GmbH gemeinsam mit dem Frankfurter Architektur- und Stadtentwicklungsbüro Albert Speer & Partner GmbH (AS&P) eine Analyse zur Frage an, welche Folgen der Bevölkerungsrückgang für Deutschlands zwölftgrößte Stadt haben wird. „In einem ersten Schritt wollen wir herausfinden, ob Infrastruktur, für die eine chronisch leere Stadtkasse aufkommen muss, eingespart werden kann“, sagt Planungsdezernent Jürgen Dressler. Ein erstes Fazit zieht Michael Buchmann, Leiter der Duisburger Vössing-Niederlassung: „Die Stadt sollte weniger Energie darauf verwenden, Randbereiche zu entwickeln, sondern sich vor allem auf eine Stärkung zentraler Standorte fokussieren.“

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