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13.07.2008 
Indien

Ein lukrativer Bettenmangel

von Niraj Sheth, Wall Street Journal

Ganz Indien bietet kaum mehr Hotelzimmer als die USA. Dagegen will das Land nun etwas unternehmen. Es wird eifrig gebaut. Doch die Sache hat einen Haken: Die neuen Hotels befinden sich meist nicht in den Stadtzentren, der bevorzugten Lage von Geschäftsreisenden oder Touristen, sondern in Vororten.

NEU-DELHI. Das 1,1-Milliarden-Einwohner-Land Indien verfügt nur über 86 000 Hotelzimmer. Zum Vergleich: In den USA gibt es rund 4,3 Millionen Gästezimmer; allein in New York sind es 74 000. Der Wirtschaftsboom in Indien hat dazu geführt, dass immer mehr Geschäftsreisende im Land unterwegs sind. Vor allem in Neu-Delhi und Bombay hat das die Zimmerpreise in die Höhe getrieben. Eine Übernachtung in einem zentral gelegenen Fünf-Sterne-Hotel kann dort 500 Euro und mehr kosten.

Das indische Tourismusministerium geht davon aus, dass 2010 infolge der steigenden Nachfrage 150 000 Hotelzimmer fehlen werden. Damit würde der Mangel im Vergleich zu heute mehr als doppelt so groß sein. Indische und internationale Hotelketten wittern folglich auf dem indischen Markt eine gute Gelegenheit, Geschäfte zu machen.

Die meisten Hoteliers haben ausländische Touristen oder Geschäftsreisende als Kunden im Blick. Nach Angaben der indischen Regierung hat sich der Zustrom ausländischer Touristen in den vergangenen fünf Jahren auf fünf Millionen Besucher fast verdoppelt. Auch der Reiseverkehr im Land nimmt zu. Im vergangenen Jahr wurden 500 Millionen Inlandstouristen gezählt. Dieser riesige Markt lockt. „Der Himmel ist die Grenze“, sagt Koos Klein, Präsident von Hilton Hotels Asia Pacific. „Es hängt nur davon ab, wer als erster die Gelegenheit ergreift, davon zu profitieren.“

Doch das ist leichter gesagt als getan. Das Angebot an Grundstücken in City-Lagen ist äußerst knapp. Zudem machen Bauvorschriften es fast unmöglich, in Stadtzentren große Hotels zu errichten. Außerdem belohnen viele indische Bundesstaaten Bauprojekte außerhalb der Städte mit Steuererleichterungen. Die Folge: Bauträger und Hotelgesellschaften bauen die meisten ihrer neuen Hotels am Rande der Politik- und Finanzzentren.

Solange Indiens Wirtschaft schnell wächst und der Bau von Bürogebäuden in den Vororten der großen Städte anhält, werden diese Hotels wahrscheinlich genügend Kunden finden. Sollte sich die Konjunktur abschwächen, so drohen diese Zimmer aber leer zu bleiben.

Ein Beispiel für die neue Hotel-Generation ist das Westin Neu-Delhi-Gurgaon, dessen Eröffnung für den 1. Januar 2010 geplant ist. Es soll das erste Westin-Hotel für die indische Hauptstadt werden. Der einzige Schönheitsfehler: Das Hotel befindet sich gar nicht in Neu-Delhi. Vielmehr wird es in Gurgaon gebaut, einer Satellitenstadt im Bundestaat Haryana, 15 Meilen südlich der Hauptstadt. Die Fahrt in die Innenstadt von Neu-Delhi kann wegen der hohen Verkehrsdichte von dort aus gut und gerne zwei Stunden dauern. Das Hotelunternehmen glaubt dennoch an den Erfolg des neuen Hauses. Man rechne damit, dass die Gäste vor allem Geschäftsleute seien, die in Neu-Delhi zu tun hätten, oder aber anspruchsvolle Touristen, sagt ein Sprecher.

Der Hotelkonzern Hilton hält es ähnlich. Von den fünf Hilton-Hotels, die derzeit für Neu-Delhi geplant sind, liegt das Objekt in Saket, einem südlichen Vorort, noch am nächsten am Zentrum der Hauptstadt. Drei weitere Häuser entstehen in Dwarka, etwa eine Autostunde vom Stadtzentrum entfernt. Diese Lage hat allerdings den Vorteil, dass der Flughafen von dort aus in 15 Minuten zu erreichen ist. Ein Unternehmenssprecher erklärte, Hilton sei sicher, dass die Hotels gut gebucht sein werden, denn die Vororte seien selbst aufstrebende Wirtschaftsstandorte.

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