Einführung des Bestellerprinzips
Halbierung der Maklergebühren nur statistische Annahme

Seit Juni gilt, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt. Dass Mieter dadurch durchschnittlich weniger belastet werden, liegt auf der Hand. Der Einbruch ist aber wohl nicht so drastisch, wie oft behauptet.

BerlinDas Statistische Bundesamt ist einer am Mittwoch verbreiteten Interpretation über die Entwicklung der Maklergebühren entgegengetreten. Die in der „Bild“-Zeitung genannte Veränderung im Verbraucherpreisindex sei auf rein mathematischem Wege herbeigeführt worden, um die Auswirkungen des Inkrafttretens des Gesetzes zum Bestellerprinzips ab Juni zeitnah statistisch abbilden zu können, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch.

Demnach stammt die zitierte Kalkulation bereits aus der Zeit des Inkrafttreten des Gesetzes vor rund fünf Monaten. Aktuelle Daten wurden demnach nicht erhoben.

Ergänzend teilte die Statistik-Behörde in Wiesbaden mit, der Halbierung des Teilindexes für Maklergebühren von Mai auf Juni liege lediglich „die Annahme zugrunde, dass sich durch das am 1. Juni in Kraft getretene Bestellerprinzip auch die Ausgaben der privaten Haushalte für Maklergebühren in etwa halbiert haben“. Stützen ließ sich diese Annahme demnach auf Daten aus dem Gesetzentwurf und der Wohnungswirtschaft.

Am 1. Juni waren Änderungen bei den Maklerprovisionen in Kraft getreten. Seither muss derjenige den Makler bezahlen, der ihn mit der Vermittlung einer Wohnung beauftragt. Das sind meistens nicht mehr die Mieter, sondern die Vermieter. Eine sinkende durchschnittliche Belastung von Mietern durch diese Ausgabenart war deshalb auch von vornherein statistisch zu erwarten.

Die Position „Maklergebühren für Wohnung oder Haus“ fließt dem Statistischen Bundesamt zufolge als eine von zahlreichen Faktoren in die monatliche Berechnung des Verbraucherpreisindexes ein, der die Entwicklung der Inflationsrate anhand der Ausgaben eines genau definierten „Korbes“ an Waren und Dienstleistungen abbildet. Er hat darin aber nur einen verschwindend kleinen Anteil. Sein Gewicht macht 0,74 Promille aus.

Anders ausgedrückt: In Deutschland gibt ein privater Haushalt dem Bundesamt zufolge statistisch gesehen weniger als ein Tausendstel seines gesamten Budgets für Maklergebühren aus. Einen vergleichbaren Anteil an den Ausgaben haben demnach Damenstrumpfhosen oder auch Sahne. Bereits in seiner monatlichen Veröffentlichung zur Entwicklung des Verbraucherpreisindexes im Juni hatte das Statistische Bundesamt auf die dämpfenden Effekte der Einführung des Bestellerprinzips bei dem Unter-Posten "andere Dienstleistungen" verwiesen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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