Einführung des Bestellerprinzips

Halbierung der Maklergebühren nur statistische Annahme

Seit Juni gilt, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt. Dass Mieter dadurch durchschnittlich weniger belastet werden, liegt auf der Hand. Der Einbruch ist aber wohl nicht so drastisch, wie oft behauptet.
Wer bestellt, zahlt - das gilt für Makler seit dem 1. Juni 2015. Quelle: dpa
Makler-Courtage

Wer bestellt, zahlt - das gilt für Makler seit dem 1. Juni 2015.

(Foto: dpa)

BerlinDas Statistische Bundesamt ist einer am Mittwoch verbreiteten Interpretation über die Entwicklung der Maklergebühren entgegengetreten. Die in der „Bild“-Zeitung genannte Veränderung im Verbraucherpreisindex sei auf rein mathematischem Wege herbeigeführt worden, um die Auswirkungen des Inkrafttretens des Gesetzes zum Bestellerprinzips ab Juni zeitnah statistisch abbilden zu können, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch.

Demnach stammt die zitierte Kalkulation bereits aus der Zeit des Inkrafttreten des Gesetzes vor rund fünf Monaten. Aktuelle Daten wurden demnach nicht erhoben.

Ergänzend teilte die Statistik-Behörde in Wiesbaden mit, der Halbierung des Teilindexes für Maklergebühren von Mai auf Juni liege lediglich „die Annahme zugrunde, dass sich durch das am 1. Juni in Kraft getretene Bestellerprinzip auch die Ausgaben der privaten Haushalte für Maklergebühren in etwa halbiert haben“. Stützen ließ sich diese Annahme demnach auf Daten aus dem Gesetzentwurf und der Wohnungswirtschaft.

Diese Portale machen den Makler überflüssig
Dating für Vermieter
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Wohnungssuchende haben den 1. Juni herbeigesehnt, an dem das Bestellerprinzip in Kraft trat. Das heißt: Wer einen Immobilienmakler bestellt, soll ihn auch bezahlen. Für viele Vermieter wurden Makler damit unattraktiv. Stattdessen weichen immer mehr von ihnen auf Onlineportale aus, die mit deutlich niedrigeren Kosten werben. Das Portal Homey.de verwendet bei der Mietersuche Prinzipien aus dem Dating: Der Vermieter gibt ein, was er sich wünscht, der Wohnungssuchende trägt seine Daten ein. Homey.de ermittelt dann die größtmögliche Übereinstimmung und verkuppelt die beiden Parteien. Noch ist das Portal nicht online und befindet sich in den Startlöchern.

Werben und bewerben
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Das Prinzip der meisten Onlineplattformen: Vermieter stellen eine Wunschliste auf, Mieter bewerben sich und laden (teilweise) auch schon Dokumente hoch. Um den Überblick zu behalten, bieten viele Portale auch eine Filter- und Sortierfunktion für die Wohnungseigentümer an. So auch das Portal Domiando.

Rabatte für Vermieter
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Damals warben die Vermieter in der Zeitung, heute online. Einige Onlineportale wollen Vermieter als Kunden mit Rabatten gewinnen und werben mit speziellen Rabatten bei einer Anzeige im Internet. Dazu gehören unter anderem Depevo.de, Ohne-Makler.net und Immomio.de. Diese Portale schalten für den Vermieter die Anzeige auf allen großen Immobilienportalen – das soll Zeit und Geld sparen. Immomio bietet auch wie Homey ein „Mietermatching“ an und filtert nach den Vorlieben des Vermieters.

Wer bietet mehr?
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Einen anderen Ansatz wählt das Portal Smmove.de. Hier bewerben sich Mieter nicht nur, sondern können auch angeben, was ihnen die Wohnung wert sei. Damit entsteht eine Mischung aus eBay und Datingportal für Wohnungen. Vermieter sind allerdings nicht verpflichtet, den Bewerber mit dem höchsten Gebot zu akzeptieren.

Kostenlos für Vermieter
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Andere Portale werben damit, dass sie den Vermieter nichts kosten. Hier zahlen Mieter, wenn ein Vertrag zustande kommt. Zu diesen Portalen gehören Faceyourbase.com und Mietercasting.de. Immerhin: Die Kosten für die Mieter liegen immer noch weit unter denen einer Maklercourtage.

Wenn sich niemand findet...
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Inserieren für Vermieter ist nicht gerade günstig. Hier kommen einige Portale dem Vermieter entgegen und erstatten einen Teil der Kosten, wenn bestimmte Erfolge ausbleiben. Dazu gehören unter anderem Wunderagent.de und Lifelife.io. Rentkit.de bietet zum Beispiel eine „Erfolgsgarantie“ und lässt die Anzeige bei zu wenig Bewerbern länger online.

Grenzen fließend
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Viele Portale arbeiten auch mit Maklern zusammen. Die Grenzen zwischen Onlineangebot und Maklerleistung verschwimmen oft. Zwei Immobilienmakler haben beispielsweise Vermietster.de gegründet. Das Portal bietet Komplettpakete an, vom Inserat bis hin zur Schlüsselübergabe. Hier zahlt der Vermieter einen Festpreis, gestaffelt nach der Höhe der Kaltmiete. Beispiel: Bei einer Kaltmiete bis zu 1.000 Euro zahlt der Vermieter 500 Euro.

Am 1. Juni waren Änderungen bei den Maklerprovisionen in Kraft getreten. Seither muss derjenige den Makler bezahlen, der ihn mit der Vermittlung einer Wohnung beauftragt. Das sind meistens nicht mehr die Mieter, sondern die Vermieter. Eine sinkende durchschnittliche Belastung von Mietern durch diese Ausgabenart war deshalb auch von vornherein statistisch zu erwarten.

Die Position „Maklergebühren für Wohnung oder Haus“ fließt dem Statistischen Bundesamt zufolge als eine von zahlreichen Faktoren in die monatliche Berechnung des Verbraucherpreisindexes ein, der die Entwicklung der Inflationsrate anhand der Ausgaben eines genau definierten „Korbes“ an Waren und Dienstleistungen abbildet. Er hat darin aber nur einen verschwindend kleinen Anteil. Sein Gewicht macht 0,74 Promille aus.

Anders ausgedrückt: In Deutschland gibt ein privater Haushalt dem Bundesamt zufolge statistisch gesehen weniger als ein Tausendstel seines gesamten Budgets für Maklergebühren aus. Einen vergleichbaren Anteil an den Ausgaben haben demnach Damenstrumpfhosen oder auch Sahne. Bereits in seiner monatlichen Veröffentlichung zur Entwicklung des Verbraucherpreisindexes im Juni hatte das Statistische Bundesamt auf die dämpfenden Effekte der Einführung des Bestellerprinzips bei dem Unter-Posten "andere Dienstleistungen" verwiesen.

  • afp
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