Einigung über Vergleich
Gagfah-Aktie steigt über sieben Prozent

Nachdem der Dresdener Rat dem Vergleich mit dem Immobilienkonzern Gagfah zugestimmt hat, legte die Aktie heute deutlich zu. Doch der Firma drohen die nächsten Probleme: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt.
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FrankfurtDer monatelange Rechtsstreit zwischen dem Immobilienkonzern Gagfah und der Stadt Dresden ist beigelegt. Der Stadtrat segnete in der Nacht zum Freitag nach langer Debatte einen Vergleich ab, den beide Seiten vor einigen Wochen ausgehandelt hatten. Entsprechend groß war die Erleichterung an der Börse: Die im Nebenwerteindex MDax notierte Gagfah-Aktie legte im frühen Handel bis zu sieben Prozent zu.

Dresden hatte die Tochter des US-Finanzinvestors Fortress vor rund einem Jahr verklagt. Gagfah habe gegen die Sozialcharta verstoßen, die die Stadt dem Unternehmen beim Verkauf von mehr als 45.000 Wohnungen zum Schutz der Mieter auferlegt hatte. Gagfah hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und mit einer Gegenklage gekontert. Auch ein Mediationsverfahren lief zunächst ins Leere.
Anfang März gaben beide Seiten überraschend die Einigung für den Vergleich bekannt Der sieht vor, dass Deutschlands größte börsennotierte Wohnungsgesellschaft über die kommenden Jahre insgesamt 40 Millionen Euro zahlt und weitere Zugeständnisse macht: Mieterschutzklauseln werden verlängert, Instandhaltungskosten für die Wohnungen werden erhöht. Ursprünglich hatte eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro im Raum gestanden.
Bis zuletzt war offen, ob Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) den Vergleich im Stadtrat mit ihrer schwarz-gelben Mehrheit durchbekommt. Vor allem die Fraktionen von SPD und Linke hatten moniert, Gagfah komme mit der Einigung zu billig davon. Am Ende fiel die Abstimmung mit 37 zu 34 Stimmen denkbar knapp aus.
Der Dresdner Mieterverein hatte die Einigung im Vorfeld grundsätzlich begrüßt, auch wenn er sich gerade bei den Instandhaltungskosten für die Wohnungen mehr erhofft hatte. „Aber ein Prozess hätte zu große Unsicherheit gebracht“, sagte der Vorsitzende Peter Bartels der Nachrichtenagentur Reuters. Der Rechtsstreit in Dresden hatte wie Blei auf der Gagfah-Aktie gelastet.
An einer anderen Front droht aber weiter Ungemach: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf geht Insiderhandelsvorwürfen gegen Gagfah-Manager nach, darunter Vorstandschef William Joseph Brennan. Er soll rund vier Wochen, bevor sich die Stadt Dresden 2011 öffentlich zu Wort gemeldet hatte und bevor der Kurs in den Keller rauschte, Aktien für 4,7 Millionen Euro verkauft haben. Brennan wies die Vorwürfe zurück. „Die Ermittlungen dauern an“, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Freitag. Analysten hoffen nun, dass Gagfah nach der Lösung des „Dresden-Problems“ seine milliardenschwere Refinanzierung angeht. Ob sich Brennan dazu allerdings schon bei der Vorlage der Geschäftszahlen 2011 am kommenden Dienstag äußert, ist ungewiss.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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