Elementarschäden
Hausbesitzer sind Versicherungsmuffel

Kein Jahr ist es her, dass sintflutartige Regenfälle binnen weniger Tage Bayern unter Wasser setzten. Dennoch sind nur fünf Prozent der Immobilien in Deutschland gegen Elementarschäden versichert.

HB MECKENBEUREN. Mitten im Sommer liefen Keller und mancherorts Erdgeschosswohnungen voll. Und wo die Flut nicht von außen hereinbrach, drückte der hohe Grundwasserspiegel hunderten von Haushalten Wasser in den Keller. Überflutungen, unter Schneemassen eingestürzte Dächer – solche Meldungen waren in den vergangenen Monaten keine Seltenheit. Rund 70 Mill. Euro Kosten verursachten nach ersten Schätzungen allein die Schneemassen in diesem Winter. Die größten Schäden entstanden dort, wo die Schneelast ganze Hallen niederdrückte. Am härtesten betroffen: Die Immobilienbesitzer, die sich gegen das Wüten der Elementargewalten nicht versichert haben. Nur die wenigen Immobilienbesitzer, die an Wohngebäude-, Hausrat- oder industrielle Gebäudeversicherungen zusätzlich so genannte Elementarschadenversicherung koppelten, bekommen Gebäudeschäden durch Überschwemmung, Schneedruck oder Erdrutsch ersetzt.

Die Zusatzversicherung schützt in der Regel auch bei Erdbeben, wenn unterspülte Gebäudeteile im Boden versinken oder wenn Lawinen Schaden anrichten. „Bisher haben viele meiner Mandanten auf eine Elementarschadenversicherung verzichtet. Angesichts der vergangenen Monate sollten sich das alle Immobilienbesitzer noch mal überlegen“, rät Versicherungsberater Stefan Jans aus Barbing bei Regensburg: „Wer will beurteilen, ob der kleine Bach nebenan immer so harmlos bleibt. In Ostbayern gab es jede Menge Schneeschäden, aber nur sehr wenige Immobilienbesitzer, die sich dagegen versichert haben.“

Tatsächlich haben sich die Schäden durch Unwetter nach Erhebungen der Münchener Rückversicherung in den vergangenen fünfzehn Jahren verdoppelt. Nur etwa fünf Prozent der Immobilien sind jedoch gegen solche Elementarschäden versichert. „Die Bestände sind nicht groß", räumt auch Stefan Taschner von der Universa Versicherung ein. Das liegt einerseits daran, dass viele Immobilienbesitzer sich bisher vor Naturkatastrophen sicher fühlten. „An Lawinen denkt nur der Bewohner des Hochgebirges. Wer am Hang wohnt, fühlt sich vor Hochwasser sicher. Und Erdbeben finden sowieso in fernen Ländern statt“, schildert Jans die typischen Reaktionen in Sachen Elementarschadenversicherung.

Die niedrige Versicherungsquote liegt aber auch an der für viele Immobilienbesitzer unattraktiven Preisgestaltung für die Zusatzklausel. Mögliche Kunden, die sich nach dem ersten größeren Schaden nach einer Police umschauen, werden oft gleich wieder abgeschreckt. Jans: „Wer in den vergangenen zehn Jahren schon mal Hochwasser hatte, bekommt für dieses Risiko oft keine Versicherung mehr.“ Denn die so genannten schlechten Risiken scheut die Assekuranz auch bei der Elementarschadenversicherung wie der Teufel das Weihwasser.

Basis für die Risikoeinschätzung des individuellen Objektes ist für den Versicherungsanbieter die so genannte Zürs. Mit dieser vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft betreuten Software kann der Anbieter für jeden Standort ermitteln, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für ein Hochwasser für dieses Gebäude ist. Basis für die Hochrechnungen sind die in diesem Raum bereits gemeldeten Schäden.

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