Ende im Militärgelände
Venedig baut Kasernen zu Luxushotels um

Noch patroullieren Soldaten durch die historische Werft im Zentrum Venedigs. Zivilisten ist der Zutritt verboten. Doch bald könnten auf dem ehemaligen Militärgelände nur noch Portiers Uniform tragen. Die Stadtverwaltung will das Gelände für den Hotelbau freigeben.

VENEDIG. Vom Glockenturm auf dem Markusplatz in Venedig ist der östliche Zipfel der Insel gut zu erkennen. Ein großes Hafenbecken in der Mitte, gesäumt von säuberlich angeordneten Gebäuden, die im Gegensatz zum scheinbaren Chaos der Lagunenstadt stehen: Das Arsenal – eine historische Werft mit angeschlossenem Waffenlager und Kaserne. Nur zwanzig Minuten Fußweg vom Markusplatz gelegen, bleibt den Touristen der Zugang zu diesem Flecken Venedig verwehrt. Nur vereinzelt sieht man hinter den Mauern Uniformierte entlang des Hafenbeckens stolzieren. Zivilisten ist der Eintritt verboten: Militärgebiet. Bisher jedenfalls.

Wenn es nach dem Willen des Verteidigungsministeriums geht, sollen hier schon bald keine Militäruniformen zu sehen sein, sondern die von Portiers eines Luxushotels. Denn die italienische Regierung will das Arsenal ebenso wie andere Kasernen, Depots und Bürogebäude verkaufen. Dabei gehört das venezianische Werftgelände mit seinen 478 000 Quadratmetern sicherlich zu den Prestigeträchtigsten und größten Immobilien.

Auf der Immobilienmesse Mipim in Cannes hat das italienische Verteidigungsministerium mit einem eigens dafür eingerichteten Stand für Interesse gesorgt. Insgesamt rund 1 000 Immobilien – von Turin im Norden über Florenz bis nach Augusta in Sizilien – will die Regierung verkaufen. Die meisten von ihnen werden schon lange nicht mehr gebraucht.

„Viele dieser Gebäude sind entweder gar nicht zu Verteidigungszwecken gebaut worden oder nach den Vorstellungen anderer Epochen und deshalb nicht mehr für den heutigen militärischen Gebrauch von Nutzen“, erklärt Guido Crosetto, Italiens stellvertretender Verteidigungsminister, die Entscheidung zu verkaufen. „Viele liegen in den Stadtzentren und viele – wie die Arsenale-Werft in Venedig – sind von weltweiter kultureller Bedeutung“, sagt Crosetto. Allerdings sei ein großer Teil der Immobilien auch in einem Zustand, in dem eine gründliche Restrukturierung nötig sei. Die Gelder dafür könnten private Investoren bringen, so das Kalkül. Um international Investoren für seine Immobilien zu finden wirbt das italienische Verteidigungsministerium mit der zweisprachige Broschüre unter dem Titel „A Heritage of Value“ („Ein wertvolles Erbe“) für seine Schmuckstücke.

Doch der Verkauf der historischen Militärgebäude könnte nicht ganz so glatt verlaufen, wie es sich das Ministerium erhofft. In Venedig wehren sich bereits die ersten Bürgerinitiativen gegen die Pläne des Ministeriums. Sie pochen auf ältere Versprechen, das Militärgelände des Arsenals, das immerhin 15 Prozent der Stadtfläche ausmacht, in Zukunft für kulturelle Initiativen zu nutzen und nicht für Luxushotels und teure Wohnanlagen mit privatem Anlegesteg. kk

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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