Energie
Internationale Standards sind längst vorhanden

Die EU will die Energieverschwendung in Bürobauten eindämmen. Eine entsprechende Richtlinie hätte die Bundesregierung bereits zu Jahresanfang umsetzen, also die Energieeinsparverordnung (EnEV) so novellieren müssen, dass sie ab 2007 Zweckbauten auf Effizienz trimmt.

BERLIN. Doch noch gebe es keine Gesetzesvorlage, heißt es in Regierungskreisen. Die EU Kommission habe darum ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Bisher bestehen für Funktionsbauten kaum Energie- und Wärmeschutzvorschriften, während diese für Wohngebäude vielfach verschärft wurden.

In der Planung müssen seit einem Jahr laut DIN-Norm 18589 die gesamten Energieverbräuche von Gebäuden bilanziert werden, also Heiz-, Kühl- und Stromverbrauch. Dadurch können Investoren die Betriebskosten besser abschätzen. Die Norm bestimmt für 34 unterschiedliche Nutzungsprofile - Büro, Hotel oder Kaufhaus - den jeweils zulässigen Energieverbrauch.

Die Schweiz profiliert sich als Vorreiter bei nachhaltigem Bauen. Der Ingenieur- und Architektenverein SIA gab Anfang 2005 eine Nachhaltigkeitsempfehlung (SIA 112/1) heraus. Sie hilft Bauherren und Planern, sich auf Kriterien als Ziele zum Projektvertrag zu verständigen. Als konkrete praxisbezogene Standards gibt es "Minergie", der den Gesamtenergieverbrauch um bis zu zwei Drittel senkt, sowie "Minergie +P", der dem deutschen Passivhausstandard im Wohnbereich entspricht.

Er wird von Kantonen und privaten Investoren vorangetrieben, vom Bund unterstützt und von Verbänden und Privatwirtschaft getragen. Vor einem Jahr kam das Gebäudelabel "eco-bau" für ökologisches Bauen hinzu mit messbaren Kriterien für Materialien, Stoffflüsse und Raumklima. "Damit haben wir für Dienstleistungsbauten ein umfassendes Instrumentarium", resümiert Roland Stolz, Geschäftsführer von Novatlantis. Diese setzt die Forschungsergebnisse der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich in konkrete Bauprojekte um.

Eine Selbstverpflichtung ging 2005 der Verband der Europäischen Bauwirtschaft (FIEC) ein. 34 Mitgliedsverbände aus 27 Ländern verpflichteten sich zu zehn Nachhaltigkeitsprinzipien, darunter zu umweltfreundlichem, energieeinsparenden und sozialverträglichen Bauen. Die Bauwirtschaft mache rund 50 Prozent der jährlichen Kapitalinvestitionen in Europa und habe daher enorme Einflüsse auf die Umwelt, so der Verband. Die Prinzipien, die für Baufirmen aller Größen gelten, sollen aber auch zunehmender staatlicher Regulierung vorbeugen, wie FIEC-Präsident Wilhelm Küchler einräumte.

In China müssen seit diesem Sommer alle neuen Bürogebäude die Hälfte an Energie einsparen. Vorbild ist das neue Gebäude des chinesischen Wissenschaftsministeriums. Das Ökohaus mit Dachgarten im Westen Pekings verbraucht fast drei Viertel weniger Energie als ein herkömmliches Bürogebäude gleicher Größe. Durch das Sammeln von Regenwasser und wasserfreie Urinale spart es zudem 10 000 Kubikmeter Wasser jährlich. Solarzellen sorgen für warmes Wasser. Als bislang einziges Haus in China erhielt es das international anerkannte Zertifikat für "Leadership in Energy and Environmental Design" (LEED).

In New York müssen ab 2007 die meisten öffentlichen oder von der Stadt finanzierten Bauprojekte nach den strengen LEED-Standards gebaut werden. Das verfügte Bürgermeister Michael Bloomberg vergangenen Oktober. Im März erhielt das erste Gebäude des neuen World Trade Center-Komplexes dieses Zertifikat. Grüne Gebäude bekommen in der Metropole kräftige Steuererleichterungen.

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