Energieeffizienz
Sanieren – aber um welchen Preis?

Seit einem Jahr wird über die Förderung für energetische Sanierungen von Wohngebäuden diskutiert – ohne Ergebnis. Investitionen werden daher auf die lange Bank geschoben. Manchem Mieter dürfte das sogar entgegenkommen.
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DüsseldorfEin Jahr Diskussionen - und kein bisschen weiter. So lange streiten Politiker von Bund und Ländern darüber, wie die energetische Sanierung von Wohngebäuden steuerlich gefördert werden könnte. Niemand wird es Eigenheimbesitzern und Vermietern daher verübeln, dass sie Investitionen in Dach- und Fassadendämmung oder in neue Fenster vorerst zurückstellen. Manchem Mieter mag das recht sein.

Denn solche Sanierungsmaßnahmen können auf die Miete umgelegt werden - sie steigt nicht unerheblich. Ob die Heizkosten ebenso stark sinken, ist fraglich. Deshalb sind sich der Deutsche Mieterbund und Vermieterverbände einig: Der Staat muss Investitionen in die Energieeffizienz fördern. Denn schon heute können elf Prozent der Modernisierungskosten auf den Mieter umgelegt werden.

Die Vermieter sagen: Das rechnet sich nicht. Schon gar nicht in schrumpfenden Regionen, in denen höhere Mieten nicht durchsetzbar sind. Der Deutsche Mieterbund wiederum beobachtet, dass sich die Mieten in Häusern, die gerade wärmegedämmt und mit effektiveren Heizungsanlagen ausgerüstet wurden, manchmal verdoppelt haben.

Der Kompromissvorschlag zur Förderung sah vor der Sommerpause so aus: Wer den Energieverbrauch in seinem Wohnhaus drosselt, darf den zusätzlichen Aufwand abschreiben, wobei die Förderung an das Erreichen bestimmter Energieeffizienzstandards gekoppelt werden sollte. Die daraus entstehenden Steuermindereinnahmen wurden auf eine Milliarde Euro taxiert. Davon wollte der Bund 430 Millionen Euro übernehmen.

Um das Fördervolumen zu verringern, sollten strengere Anforderungen für Antragsteller gelten, berichtete die „Süddeutsche Zeitung". Im Gespräch war, nur solche Maßnahmen zu subventionieren, mit denen mindestens der Standard eines KfW-Effizienzhauses 55 erreicht wird. Das Vermittlungsverfahren soll nach der Sommerpause im Parlament fortgesetzt werden.

Kommentare zu " Energieeffizienz: Sanieren – aber um welchen Preis?"

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  • Stimmt - es trifft ja "nur" den jetzt noch bezahlbaren niedrigpreisigen Wohnraum.
    Teure Wohnungen trifft es nicht - deren Mieter/Besitzer haben genug Geld (noch?).
    Aber es ist zu befürchten, dass recht viele Häuser entfernt werden (zwangsversteigert wohl nicht - die will dann bestimmt nur noch der Abriss haben).
    Und wo sollen dann die jetzigen Mieter wohnen?
    Die Frage hätte ich gern beantwortet.
    Mögliche Lösung: Die Mieten explodieren, aber der Staat bezahlt per Sozialhilfe,
    und dann ist Alles wieder gut?

  • Die Regierung wird halt abwägen was ist wichtiger - Empörung von "kleine-Mieter-Schützern" oder ein Konjunkturpaket durch Zwangssanierung, für das der Staat nichts zahlen muss.

    Beides bringt halt Vor- und Nachteile.

    Kommt eine Zwangssanierung und Altbestand wurde nicht ausreichend nach den kommenden Regelungen saniert wurde, ist das halt Pech - man kann eben bei Investitionen nicht alles vorhersehen. Wer eine Immobilie hat im Einzugsbereich eines grossen Konzerns der pleite geht, hat ja auch Pech.

  • Stimmt, ist eine witzige Schlussfolgerung!
    Leider ist es wohl eher so, dass hier sauschlechte Althäuser mit immensem Heizbedarf saniert wurden - von über 2 € je qm auf 1,1€ zu kommen, ist leicht und billig möglich. Sehr teuer ist es dann aber, von 1 € auf 0,8 €/qm³ zu kommen, noch teurer dann die nächste Dämmstufe usw., und das betrifft leider die Mehrheit der Bestandhäuser. Die werden dafür bestraft, dass sie bereits etwas getan haben.

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