Energieverbrauch
Vage Formulierungen überraschen die Branche

Die deutschen Haushalte sollen weniger Energie verbrauchen, und die verbrauchte Energie soll mehr denn je aus sich selbst erneuernden Quellen stammen. Das ist das Ziel des „Integrierten Energie- und Klimaprogramms der Bundesregierung“. Das Programm hat die Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BIS) mit seinen vagen Formulierungen überrascht.

HB DÜSSELDORF. Denn zuvor kursierten Vorlagen für das Regierungsprogramm, in denen konkrete Nachrüstpflichten für Wohnungseigentümer genannt wurden. In der BIS sind unter anderem die Lobbyisten der Wohnungswirtschaft, Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) und GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen engagiert.

Das neue Programm lässt Eigenheimbesitzern wie Vermietern so manches Hintertürchen offen. So kommt das Aus für Nachtspeicherheizungen nicht so schnell wie ursprünglich gedacht. Rund 1,4 Mill. Wohnungen werden noch mit diesen Stromfressern beheizt. Die Eigentümer haben nun zehn Jahre Zeit, sie durch weniger energieintensive Heizsysteme zu ersetzen und können dabei auf Zuschüsse hoffen. Eine Härtefallregelung ist ebenfalls vorgesehen.

Auch der Neubau als Passivhaus, das nahezu ohne externe Energielieferungen auskommt, wird so schnell nicht Pflicht. „Ab 2020 soll die Wärmeversorgung von Neubauten möglichst weitgehend unabhängig von fossilen Energieträgern sein“, gibt die Bundesregierung vor. Zwar sollen die Anforderungen der Energieeinsparverordnung verschärft werden. Doch die dazu notwendigen Nachrüstungen dürfen bei Denkmalen, bei bevorstehendem Abriss und bei Unwirtschaftlichkeit der Nachrüstung entfallen. Wie überhaupt finanzielle Härtefälle beachtet werden sollen.

Die BIS ist sich nun unsicher, ob ihr auf Basis der ursprünglichen Arbeitspapiere hochgerechneter Investitionsbedarf noch realistisch ist. Danach hätten Wohnungseigentümer für dieses Klimaprogramm binnen vier Jahren 113 Mrd. Euro aufzuwenden.

Um die Dimension klar zu machen, verweist Rudolf Ridinger, Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft auf amtliche Statistiken. Danach betrugen die gesamten Wohnungsbauinvestitionen – inklusive Neubau – im vergangenen Jahr 124,7 Mrd. Euro. Diese Summe steigt bis 2008 auf rund 128 Mrd. Euro. Da der Ansatz ursprünglich war, dass ein Eigentümer bei größeren Sanierungsarbeiten sofort auf Umwelttechnik nach neustem Standard aufrüsten muss, fürchtete Ridinger, dass geplante Sanierungen gestrichen werden.

BIS-Vertreter beurteilen das Regierungsprogramm vorsichtig: „Wir warten ab, wie die Umsetzung aussieht. Wir sind misstrauisch“, sagt Siegfried Rehberg, der für den GdW an der BIS-Stellungnahme mitgearbeitet hat. Für die Wohnungswirtschaft sei es wichtig, dass der Eigentümer selbst entscheidet, welche Maßnahmen er als wirtschaftlich erachtet und welche erneuerbare Energiequellen er einsetzt, um die Vorgaben der Regierung zu erfüllen. Das widerspricht dem Regierungspapier, das beispielsweise fordert, beim Einsatz von Solarenergie seien im Neubau 15 Prozent, bei Bestandsbauten bei „grundlegender Sanierung“ zehn Prozent des Verbrauchs aus dieser Quelle zu beziehen.

Der Deutsche Mieterbund hat von vornherein die Parole ausgegeben: „Jeder muss einen Beitrag zum Klimaschutz leisten – auch der Mieter.“ Er setzt darauf, dass Mieter sensibler für die Nebenkosten werden. Denn der Verband hat festgestellt: „Anders als beim Auto interessiert sich bei der Wohnung niemand für den Verbrauch“, sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Mieterbundes. In einigen Fällen werde die Summe aus Miete und Betriebskosten durch die Maßnahmen sinken, erwartet der Mieterbund.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%