Erstmals seit Jahren stagnieren die Hauspreise wieder
Britischer Immobilienboom flaut ab

Der jahrelange Boom am Immobilienmarkt in Großbritannien scheint einstweilen gestoppt – und damit auch die Gefahr vor einer Überhitzung der Konsumnachfrage. Wie es aussieht, ist damit das erste von zwei vordringlichen Zielen der Bank von England erreicht: Nach fünf Zinserhöhungen seit November und einem Anstieg um 1,25 Prozentpunkte ging im August erstmals seit zwei Jahren der von der Hypothekenbank Halifax gemessene Index der Hauspreise zurück.

LONDON. Mit einem Minus von 0,6 Prozent fielen die Preise für Immobilien zudem so stark wie seit vier Jahren nicht. Auch der zweite wichtige Indikator von der Bausparkasse Nationwide stagniert praktisch mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent.

Zuletzt hat sich die Nachfrage der Verbraucher nach Krediten deutlich verringert. Das meldet die britische Großbank HSBC. Das ist eine gute Nachricht für die Zentralbank, der die Verschuldung zunehmend Sorge macht. Die traditionell in Immobilien investierenden Briten haben dank steigender Hauspreise und dem dadurch – gefühlt – höheren Wohlstand mittlerweile einen sagenhaften Schuldenberg von mehr als einer Billion Pfund aufgetürmt. Dass es mit einer geringeren Geschwindigkeit weitergeht, deutet auch eine neue Studie von Nationwide an. Demnach geht die Hälfte der Hausbesitzer davon aus, dass der Wert ihrer Immobilie in den nächsten sechs Monaten eher stagniert oder fällt. Zwar sehen einige die Gefahr, dass die Verbraucher nur einen Zwischenstopp einlegen. Philip Shaw, Chefökonom des Fondsmanagers Investec, geht aber davon aus, „dass die Abschwächung wirklich vorhanden ist“.

Dass die Bank von England die Zinsen am Donnerstag erhöht, erscheint demnach unwahrscheinlich. Keiner der von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Volkswirte geht davon aus, dass der Leitzins am Ende des Tages höher als bei den aktuellen 4,75 Prozent steht.

Mit der beruhigten Konsumnachfrage ist nur ein erstes Ziel erreicht. Die zweite Herausforderung bleibt – und die könnte sich als noch größer erweisen: „Wir hoffen, dass es sich um eine Korrektur des Hausmarktes handelt, und nicht um etwas schlimmeres“, sagt Philip Shaw. Anders gesagt: Die Zentralbank muss aufpassen, dass die allzu optimistische Zukunftserwartungen der Briten nicht in das krasse Gegenteil umschlagen. Denn auch wenn die Notenbanker stets zurecht betonen, dass das Niveau der ungesicherten Schulden nur einen Bruchteil der gesamten Kreditaufnahme ausmachen: Die Briten haben ihre Kredite zumeist gegen den Wert ihrer Häuser aufgenommen. Sollte dieser zu stark zurückgehen, droht eine Situation wie am Ende der 80er Jahre: Damals fiel der Preis der Häuser unter den Wert der aufgenommenen Kredite („negative equity“). Noch ist es nicht so weit. Der britische Immobilienmarkt widersteht schließlich schon seit Jahren immer wieder geäußerten Untergangsszenarien – auch weil Kernprobleme wie der Mangel an Häusern unverändert bleiben. Noch bleiben auch die Konsumenten gelassen: „Das Vertrauen in die wirtschaftlichen Aussichten bleibt robust“, sagt Stuart Bernau, Exekutivdirektor bei Nationwide.

Dennoch ist weiter Vorsicht geboten. Der hohe Ölpreis und die wegen unzureichender Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes weiterhin schlechte Wirtschaftsstütze Industriesektor lassen Großbritannien verwundbarer erscheinen als noch vor einem Jahr. Längst gehen schon nicht mehr alle Analysten von dem ursprünglich erwarteten Anstieg der Zinsen auf 5 oder gar 5,25 Prozent bis zum Jahresende aus. Beim Pfund hat dies bereits einen akuten Schwächeanfall gegenüber dem Dollar ausgelöst. Die Verbraucher sollen von einem ähnlichen Schock so weit wie möglich verschont bleiben.

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