Erstmals seit mehr als zehn Jahren steigen die Immobilienpreise in regionalen Zentren – Es fehlen erstklassige Objekte
Japan-Investoren entdecken die Provinz

Der japanische Immobilienmarkt gewinnt wieder das Vertrauen der Investoren. Nach der Hauptstadt Tokio hat der Aufschwung nun auch regionale Zentren erfasst. „Wir sehen die Wende in den Preisen für Gewerbeflächen in allen sechs großen Städten“, sagt Leonard Meyer zu Brickwedde, Chef der Hypo Real Estate Capital Japan Cooperation, die seit vergangenem Jahr auf dem japanischen Markt als Kreditgeber aktiv ist.

HB TOKIO. In der Hauptstadt Tokio, Yokohama, Nagoya, Kyoto, Osaka und Kobe seien die Preise binnen eines Halbjahres um 0,2 Prozent gestiegen, berichtete das Japan Real Estate Institut im Mai. Der erste Preisanstieg seit über zehn Jahren.

Damit neigt sich eine lange Jahre währende Immobilienkrise in Japan endgültig dem Ende zu. In deren Verlauf mussten japanische Banken horrende Abschreibungen auf Kredite vornehmen, weil der Wert der als Sicherheiten dienenden Immobilien verfiel.

„Nach Tokio hat sich Nagoya erholt, dann Fukuoka“, stellt Managing Director Takumi Watanabe vom Japan Real Estate Instituts fest. In Tokio ziehen die Preise nun erstmals nicht nur in den zentralsten Stadtteilen, sondern in der ganzen Stadt an. In großen neuen Bürokomplexen existiert quasi kein Leerstand. „Die japanischen Unternehmen investieren wieder in Büros“, beobachtet Meyer zu Brickwedde. Auf dem Tokioter Wohnungsmarkt sieht es ähnlich aus. Von November 2004 bis Mai 2005 stiegen die Preise um 1,5 Prozent. Das erste Plus seit 14 Jahren.

Die Preiswende wurde ausgelöst durch ausländisches Kapital, das nach Anlagemöglichkeiten sucht. Es wird angezogen, seit vor fünf Jahren die Möglichkeit geschaffen wurde, Immobilienvermögen zu verbriefen. Eine Variante davon sind börsennotierte japanische Immobilientrusts, so genannte J-Reits. Erstmals sei der japanische Immobilienmarkt so transparent, dass er für ausländische Investoren interessant werde, stellt Meyer zu Brickwedde fest. Der Wettbewerb risikofreudiger so genannter Opportunity Funds wie Lone Star, Pensionsfonds, offener Immobilienfonds aus Deutschland und eben der J-Reits um erstklassige Gebäude hat dazu geführt, dass die Mietrenditen gesunken sind – in Tokio beispielsweise auf 4,8 Prozent. So lange die Mieten nicht steigen, drücken Preiserhöhungen auf die Mietrenditen. Gesucht sind vor allem erstklassige Objekte.

Der Wettbewerb um solche Gebäude wird nicht abebben. Zumal hinter den mittlerweile 17 J-Reits an der Börse weitere Schlange. Und Minoru Yonekura, Managing Director der Immobiliengruppe von Lehman Brothers, schätzt, dass zumindest noch für „ein oder zwei Jahre“ eine enorme Menge an Kapital in den Markt strömen wird.

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