EU-Kommission
Baugeld ist teuer

Für Baukredite zahlen die Deutschen nach einem Bericht der EU-Kommission 0,7 Prozentpunkte mehr als im europäischen Durchschnitt. Müssen deutsche Bankkunden unnötig viel für die Dienstleistungen der Branche ausgeben?

FRANKFURT. In Deutschland sind Baukredite besonders teuer. Hierfür zahlen die Kunden nach einem Bericht der EU-Kommission 0,7 Prozentpunkte mehr als im europäischen Durchschnitt. Bei langfristigen Konsumentenkrediten sind es 0,5, bei langfristigen Unternehmenskrediten 0,3 Prozentpunkte. Im Neugeschäft liegen die Zinsmargen in Deutschland für Konsumentenkredite am weitesten oberhalb des Durchschnitts im Euro-Raum, gefolgt von Wohnungsbaukrediten.

Die EU-Kommission stellt in ihrem Bericht fest, dass Wohnungsbaukredite eine besonders lukrative Produktkategorie seien. Das gilt zwar besonders für deutsche Banken, doch haben diese ein Problem, weil der Immobilienmarkt hier zu Lande seit Jahren darniederliegt. Während etwa in Spanien die Banken mehr als die Hälfte der Einnahmen im Massengeschäft mit den margenstarken Immobilienkrediten erzielen, ist es in Deutschland nur gut ein Viertel.

Das Thema ist hochsensibel: Zahlen deutsche Bankkunden unnötig viel für die Dienstleistungen der Branche? Die seit 2003 international vereinheitlichte Zinsstatistik der europäischen Zentralbank erlaubt im Prinzip eine leichte Antwort. Man muss nur die deutschen Kreditzinsen in den einzelnen Produktkategorien mit dem Durchschnitt im Euro-Raum vergleichen. Als das Handelsblatt so im Dezember 2003 feststellte, dass die Zinsmargen der deutschen Banken überdurchschnittlich hoch seien, wollte das in der Branche angesichts der schwachen Rentabilität kaum jemand glauben (vgl. Handelsblatt vom 11.12.2003). Die Bundesbank sah sich sogar genötigt, die internationale Vergleichbarkeit der Zahlen in Zweifel zu ziehen (vgl. Bundesbank Monatsbericht Februar 2004.)

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Bericht der EU-Kommission stützt aber den Befund. Danach sind die Bruttoeinnahmen der deutschen Banken im inländischen Mengengeschäft mit Privaten und Unternehmen (Retail Banking) je Kunde in den meisten Produktlinien überdurchschnittlich (siehe Tabelle). Bei Girokonten liegen die deutschen Banken hier unter den vier größten Euro-Ländern knapp hinter Italien auf Rang zwei, bei den Einnahmen aus Konsumentenkrediten auf Rang eins, bei den Einnahmen aus Wohnungsbaukrediten hinter Spanien auf Rang zwei. Eine Auswertung der Zinsstatistiken von Bundesbank und EZB durch das Handelsblatt zeigt, dass sich der Margenvorsprung der deutschen Banken in den letzten drei Jahren noch ausgeweitet hat.

In allen vom Volumen her besonders bedeutsamen Kreditkategorien liegen danach die Ausleihzinsen der deutschen Banken über dem Durchschnitt des Euro-Raums. Die Zinsen, die sie für Einlagen zahlen, liegen dagegen tendenziell unter dem Durchschnitt.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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