Eurohypo-Chef Knobloch zu 50 Jahre Europa
„Trotz europäischer Integration bleiben Immobilienmärkte heterogen“

Mit den römischen Verträgen ist vor 50 Jahren der Grundstein für die wirtschaftliche Einigung Europas gelegt worden. Aus der kleinen Wirtschaftsgemeinschaft von sechs europäischen Staaten hat sich bis heute eine Union von 27 Mitgliedern und in ihrem Zentrum ein einheitlicher Währungsraum entwickelt.

Die Themen - und die Probleme - mit denen sich die EU heute beschäftigt, reichen weit über das hinaus, was sich die Gründerväter der EWG 1957 auf die Agenda geschrieben hatten. Die wirtschaftliche Integration Europas ist längst nicht mehr auf bestimmte Wirtschaftszweige beschränkt, sondern sie hat alle Branchen und Märkte erreicht.

Für die europäische Immobilienwirtschaft markierte die Einführung des Euro ein wichtiges Datum. Die einheitliche Währung hat die Position der europäischen Immobilienwirtschaft im internationalen Vergleich nachhaltig gestärkt. Durch die Währungsunion mit ihren aktuell 13 Mitgliedsländern ist in Europa ein Markt entstanden, in dem mit rund vier Billionen US-Dollar rund zwei Drittel des für Investitionszwecke zur Verfügung stehenden Immobilienbestandes Europas liegen. Der Wegfall des Wechselkursrisikos für Investoren aus der Euro-Zone ist überdies ein wesentlicher Treiber der Entwicklung, die in den vergangenen Jahren zu einem massiven Anstieg der grenzüberschreitenden Immobilieninvestitionen geführt hat.

Trotz der weiter voranschreitenden europäischen Integration ist aber bei den Immobilien-Zyklen keine generelle Angleichung zu beobachten. Vielmehr sind Europas Immobilienmärkte nach wie vor heterogen - sogar in der Euro-Zone. Die Zyklen der einzelnen Immobilienmärkte werden primär von den lokalen wirtschaftlichen Gegebenheiten beeinflusst und können dementsprechend recht unterschiedlich verlaufen. So haben sich beispielsweise die Bürospitzenmieten europäischer Metropolen wie Paris oder Madrid im Vergleich zum Markt Frankfurt in den vergangenen vier Jahren im Zuge nationaler Immobilienzyklen deutlich auseinanderentwickelt.

Meiner Auffassung nach wird sich daran auf absehbare Zeit nichts ändern. Die weiter fortschreitende europäische Integration wird auch in Zukunft nicht dazu führen, dass es innerhalb der EU oder auch nur innerhalb der Euro-Zone zu einem Gleichlauf der Immobilienmärkte kommen wird.

Zum Geburtstag der EU würde ich mir vor allem einheitliche europäische Rahmenbedingungen wünschen bei so wichtigen Themen wie REITs oder eine europäische Pfandbriefrichtlinie. Anspruchsvolle Wünsche, gewiss, aber Europa ist ja trotz seiner 50 Jahre noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen.

Bernd Knobloch ist Vorstandsvorsitzender der Eurohypo AG und Mitglied des Vorstands der Commerzbank AG

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