Europas Büromieten
Moskau ist so teuer wie London

Die russische Hauptstadt boomt: Seit 2001 haben sich die Büromieten in den Moskauer Geschäftsvierteln vervierfacht. Doch auch in anderen europäischen Metropolen ist kräftig Bewegung in den Mietmarkt für Büroimmobilien gekommen. Insbesondere die Kreditkrise zeigt erste Folgen.

MOSKAU. In vielen Städten Europas fallen oder stagnieren die Mieten für Büroimmobilien. Anders in Moskau: Hier gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass sich der rasche Anstieg der Mieten verlangsamt. Die Nachfrage nach modernen Büroräumen ist noch immer größer als das Angebot. Laut einer Studie des Immobiliendienstleisters CB Richard Ellis (CBRE) stieg die Miete für gut ausgestattete Büros in bevorzugter Lage im ersten Quartal 2008 auf 2509 Dollar pro Quadratmeter (qm) und Jahr. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatten die Mieten noch bei 1 302 Dollar pro Quadratmeter gelegen. Betrachtet man die längerfristige Preisentwicklung, so ergibt sich ein noch beeindruckenderes Bild. 2001 war ein Quadratmeter Büroraum in Top-Lage noch für 659 Dollar zu haben.

Unter Einbeziehung von Steuern und Abgaben sowie Währungsschwankungen sind die Mieten damit heute im Vergleich zu 2001 um das Vierfache gestiegen. Damit liegen die Preise laut CBRE nur noch knapp unter den Mieten, die im Londoner Westend für gleichwertige Immobilien verlangt werden. Für die begehrtesten Standorte werden sogar noch weitere Preissteigerungen erwartet. In mindestens einem Bürogebäude im zentralen Geschäftsviertel von Moskau würden schon jetzt Mieten um die 3 240 Dollar pro qm verlangt, sagt Adam Sherriff-Scott, Leiter des Geschäftsbereichs Büroimmobilien von CBRE in Russland.

Doch was bekommen die Mieter für so viel Geld? Abgesehen von hohen Decken und viel Glas ist es hauptsächlich die Nähe zum Kreml, die den Preis hochtreibt. "Die Mieten in Moskau sind einfach lächerlich", sagt Richard McKenna, Verwaltungschef der Rechtsanwaltskanzlei White & Case mit Sitz in New York. Die Kanzlei hat bereits 2006 einen Mietvertrag für größere Büros in einem neuen Gebäude unterzeichnet. Es wird derzeit auf dem Gelände des früheren Hotel Moskwa gebaut, das nicht nur den begehrten Blick auf den Kreml, sondern auch das erste Four Seasons Hotel in Moskau bieten wird. Was die Kanzlei für die Büroräume zahlen muss, will McKenna nicht sagen. Allerdings werde seine Firma im Vergleich zu den derzeitigen Mieten Geld sparen.

Tatsächlich könnte sich die Lage auf dem Moskauer Büroimmobilienmarkt etwas entspannen. Denn Schätzungen zufolge sollen bis 2010 insgesamt etwa zwei Mill. qm Bürofläche in Moskau neu entstehen, was den Bestand nach Angaben von Sherriff-Scott um ein Viertel erweitern würde. Ob auf den Immobilienboom indes auch ein Verfall von Mieten und Kaufpreisen folgen wird, ist noch ungewiss. Allerdings gibt es erste Hinweise, dass sich das Immobilienklima abkühlen könnte: So rechnen Experten damit, dass die Wirtschaft in diesem Jahr langsamer wachsen wird als im vergangenen, als das Bruttoinlandsprodukt um 8,1 Prozent zulegte. Auch bleibt die Inflationsrate, die inzwischen den zweistelligen Bereich erreichte, ein Anlass zur Sorge, wie Moody's Investors Service feststellt. Zudem könnten kleinere Investoren durch die weltweit härteren Bedingungen auf dem Kreditmarkt aus dem Rennen geworfen werden und sich die Bautätigkeit in der Folge verlangsamen.

Erste Folgen der Krise sind sichtbar: Vereinzelt schließen Projektentwickler auch vor der Fertigstellung eines Gebäudes bereits Verträge mit künftigen Mietern. Das verringert das Vermarktungsrisiko und verbessert die Position in der Kreditverhandlung. Die meisten Projektentwickler aber warten mit der Vermietung weiter so lange wie möglich ab. Angesichts steigender Mieten für CBRE-Berater Sherriff-Scott nur logisch: "Die wollen schließlich kein Geld auf dem Tisch liegen lassen."

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