Europas Immobilienmärkte
Investoren lauern auf Gelegenheiten

Die Preise für Häuser und Wohnungen sind in Irland, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und Irland stark gesunken. Manche Immobilie kostet nur noch die Hälfte von dem, was sie einmal wert war. Doch wo lohnt sich ein Investment? Wo sind die Preise bereits wieder gestiegen? Ein Überblick.
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Irland: Käufer aus Großbritannien kehren zurück

LONDON. Die irischen Häusermakler sind sich einig: Auf der grünen Insel bieten sich Immobilienkäufern Schnäppchen wie schon lange nicht mehr. "Alles kostet nur noch die Hälfte oder gar ein Drittel von dem, was es einmal wert war", sagt Makler Philip Sherry von Sherry Fitzgerald in Dublin. Wie sein Kollege Robert Ganly, Direktor für "Country Properties" bei Knight Frank in Dublin, rechnet mit einem deutlich steigenden Interesse ausländischer Käufer. Für sie werden Ferienhäuser und "Country Homes" in einem der bis vor kurzem teuersten Immobilienmärkte Europas wieder zunehmend attraktiv. "Zehn Jahre lang waren am irischen Immobilienmarkt fast ausschließlich Iren aktiv. Nun steigen die Transaktionen mit Ausländern", sagt Ganly.

Ganly und Sherry haben keinen Zweifel, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch die Deutschen Irland wieder entdecken. Sie spielten im irischen Markt in den vergangenen zehn Jahren keine Rolle, sagt Ganly. Die ersten von ihnen kamen in den 1960er Jahren, weil sie Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch" gelesen hatten und auf der Suche nach romantischen - und billigen - Häusern im irischen Ferienparadies waren. "Deutsche kamen wegen des Fischens und des Jagens, und sie liebten die Abgeschiedenheit. Und genau das findet man hier auch heute noch", sagt Philip Sherry. Auf der Suche nach dem einfachen Leben, berichtet Pat O?Hagan von der Maklerkette Savills, habe es vor 30 Jahren viele deutsche und holländische Aussteiger nach Irland verschlagen. Inzwischen seien viele von ihnen gen Süden weiter gezogen - und hätten mit den saftigen Gewinnen aus dem Verkauf ihrer irischen Cottages den Umzug in die wärmeren Gefilde finanziert.

Als erste kehrten die Briten zurück auf den irischen Immobilienmarkt. Viele haben irische Wurzeln, meist sind es Ruheständler, die aus dem überfüllten Großbritannien weg wollen und auf Irlands immer noch sehr viel niedrigere Einkommenssteuer setzen. Auch Amerikaner zeigen wieder Interesse, seit der Dollar wieder etwas Kraft gegenüber dem Euro zeigt. Ganly und Sherry haben keinen Zweifel, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch die Deutschen Irland wieder entdecken.

Die Frage ist jedoch, was günstig wirklich heißt: Das Vermittlerbüro Sherry Fitzgerald vertritt den Spitzenmakler Christie?s Real Estate in Irland und vermittelt exklusive Millionenobjekte, von denen es Irland immer noch genug gibt. Irlands teuerster Hausverkauf in diesem Jahr war Newberry Hall, ein 1760 gebautes Herrenhaus mit 180 Hektar Parklandschaft in County Kildare, 50 Kilometer westlich von Dublin. Der Preis: stattliche 7,5 Millionen Euro.

Auch sechs Millionen Euro für eine Villa in bester Dubliner Lage klingt nicht wirklich günstig. Gemessen an dem, was Makler 2006 aufgerufenen hätte, ist dies allerdings ein Klacks: 18 bis 20 Millionen Euro kosteten solche Objekte damals, sagt Sherry. Ryan Air-Boss Michael O?Leary griff bereits beherzt zu: Er kauft kürzlich für 5,9 Millionen Euro eine Backsteinvilla in der Raglan Road im Dubliner Vorort Ballsbridge, wo er bereits andere Häuser besitzt. Vielleicht findet sich ja sogar ein Käufer für das Pferdegestüt mit Golfplatz, das Sherry demnächst auf den Markt bringt: Auf dem Höhepunkt des Marktes 2006 hätte er es für 80 Millionen Euro angeboten. Nun soll es 15 bis 20 Millionen Euro kosten, "weil wir fürs erste genug Golfplätze und Hotels haben".

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