Experten erwarten boomende Immobilienmärkte in den Städten Houston, Dallas und Fort Worth
New Orleans zieht um nach Texas

Das imposante Gebäude der Whitney National Bank im Finanzdistrikt von New Orleans ist vom Hurrikan „Katrina“ nahezu unversehrt geblieben. Trotzdem agiert „The Whitney“, die älteste amtlich zugelassene Bank von Louisiana, zum ersten Mal in ihrer fast 125-jährigen Geschichte von einer neuen Hauptzentrale in Texas aus. Finanzchef Thomas Callicutt rechnet damit, dass der vorläufige Standort im 560 Kilometer entfernten Houston „mindestens einige Monate, wahrscheinlich länger“ beibehalten wird.

HB HOUSTON. Der Massenauszug aus New Orleans heizt zurzeit in einer Reihe von regionalen Märkten die Immobilienpreise an. Wie die Whitney-Bank mussten nahezu alle großen Firmen vorübergehend in anderen Städten unterkommen. Begehrt seien vor allem kurzfristige Mietverträge für Gewerbeflächen, in vielen Fällen für Büros von mehr als 4 500 Quadratmetern, sagt John Ferruzzo vom Maklerbüro NAI Houston.

Auch für jede andere denkbare Immobilienform steigt der Bedarf: Zwei- und Dreizimmer-Apartments werden von evakuierten Großfamilien, Hotelzimmer von den Helfern im Hurrikangebiet gesucht. Firmen wollen mittelfristig Büros und andere Gewerbeflächen pachten; Privatleute suchen Eigentumswohnungen und Häuser. Dadurch könnten auch lokale Supermärkte, Arztpraxen, Versicherungen und unzählige andere Firmen expandieren und zusätzliche Flächen nachfragen.

Vor allem zwei Ballungsgebiete sind in diesen Tagen die Gewinner: Houston und Louisianas Hauptstadt Baton Rouge. Hier verkauften einige Makler innerhalb von wenigen Tagen ihr gesamtes Angebot. Buchstäblich über Nacht verdoppelte sich die Einwohnerzahl in der Gemeinde auf 850 000, die Preise für Häuser stiegen im Schnitt um ein Fünftel. Ohnehin hatte der Wert von US-Eigenheimen in den vergangenen zwölf Monaten um 13 Prozent zugelegt, ein 25-Jahres-Rekord.

Selbst ehemalige Ladenhüter und Anwesen mit leichten Sturmschäden – zerbrochene Fenster, umgeknickte Bäume – gingen in Baton Rouge zu Preisen weit über dem Marktwert weg, berichten Wohnungssuchende. Ähnlich wie auf dem südkalifornischen Häusermarkt schießen die Preise nicht so sehr wegen wucherischen Verkäufern in die Höhe, sondern weil die Käufer wegen des knappen Angebots anspruchsloser sind. Oft zahlen sie weit über Wert und in bar, um ein Dach über dem Kopf zu haben.

Zurzeit sind viele Evakuierte noch bei Familie, Freunden oder in Hotels untergebracht. Doch jetzt, da ein längerer Aufenthalt abzusehen ist, machen sich die meisten auf Wohnungssuche. Die Stadtväter von Baton Rouge schätzen, dass etwa jeder zweite Neuankömmling in der nächsten Zeit ein eigenes Haus oder Apartment in der Gegend finden muss. „Wenn die Leute erst einmal ein Haus gekauft haben, werden sie wahrscheinlich auch in Baton Rouge wohnen bleiben“, erwartet Teresa White, Maklerin bei Prudential Gary Greene.

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