Experten streiten über die Frage, ob sich alle zusätzlichen Betten füllen lassen
In der Bankenstadt entstehen Hotelprojekte im Überfluss

Frankfurts Hoteliers müssen sich auf einen härteren Wettbewerb einstellen: Das am Opelkreisel in der City-West in den Himmel strebende Radisson SAS „Blue Heaven“ wird von Oktober an die Übernachtungskapazität in der Bankenmetropole um 428 Zimmer erweitern. Ein weiteres Vier-Sterne-Hotel, das Inn-Side in Niederrad mit 146 Zimmern, soll schon im kommenden August seine Pforten öffnen.

HB DÜSSELDORF.Und bis Ende 2007 sollen weitere vier Hotels mit insgesamt 993 Zimmern hinzukommen, darunter ein neues Luxushaus der Fünf-Sterne-Plus-Kategorie am Opernplatz.

Die Neueröffnungen erfolgen zu einem scheinbar günstigen Zeitpunkt. Erstmals seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verzeichnete die deutsche Hotellerie im vergangenen Jahr wieder Zuwächse. „Die Talsohle ist durch-schritten“, meint Stephan Gerhard, Geschäftsführer der auf die Hotelbranche spezialisierten Unternehmensberatung Treugast. Heike Piasecki, Hotel-Analystin beim Immobilienforschungs-Unternehmen Bulwien-Gesa AG, ist überzeugt, dass der Frankfurter Hotelmarkt die zusätzlichen Kapazitäten verkraften kann. Auch wenn die Zahl der Betten von derzeit 26 000 bis Ende 2007 auf mehr als 29 000 steigen wird. Piasecki: „In 2006 wird die Fußball-WM ein Umsatzplus bringen.“ In den folgenden Jahren dürfte die Mainmetropole als Messe-, Handels- und Kongressstandort wieder größere Besucherzahlen anziehen, sollte sich die wirtschaftliche Lage wie erwartet bessern. Darüber hinaus werde der Markt von einer Erholung der Tourismusbranche profitieren. Piasecki: „Frankfurt ist das Drehkreuz in Deutschland und damit das Einfallstor für viele ausländische Besucher.“

Weniger optimistisch gestimmt ist Christoph Härle, Leiter Hotels Deutschland bei Jones Lang Lasalle (JLL). Nach der jüngsten Studie des internationalen Immobiliendienstleisters fiel die Erholung am Frankfurter Hotelmarkt im vergangenen Jahr zwar stattlich aus. JLL registrierte ein Plus von 10,1 Prozent auf 4,3 Millionen Übernachtungen. Bei den Vier- und Fünf-Sterne-Hotels stiegen die Übernachtungszahlen allerdings nur um drei Prozent. Doch rund 2 400 der bis 2007 entstehenden mehr als 3 100 zusätzlichen Betten entfallen auf das Top-Segment.

Hinzu kommt: Das Wachstum in 2004 wurde mit deutlichen Preisabschlägen erkauft. „Der durchschnittliche Zimmerpreis fiel bei den Vier- und Fünf-Sterne-Hotels im vergangenen Jahr um 8,3 Prozent von 128,67 Euro auf 118,92 Euro“, sagt Härle. Trotz der internationalen Anbindung durch den Flughafen landete Frankfurt damit hinter Berlin (125,96 Euro) und Düsseldorf (121,02 Euro). „Inflationsbereinigt liegen die heutigen Zimmerpreise in Frankfurt nur 0,2 Prozent höher als 1994“, so Härles Langzeitvergleich.

Bedenklich stimmt auch die Auslastung. Mit einer Rate von nur 63,1 Prozent kamen die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels der Finanzmetropole in 2004 gerade auf den vorletzten Rang im Vergleich der sechs größten deutschen Metropolen. Lediglich in Köln registrierte JLL mit 61,7 Prozent eine noch geringere Belegung. Beim Room Yield – berechnet aus Belegung und durchschnittlichem Zimmerpreis – landete Frankfurt im vergangenen Jahr mit 74,47 Euro im europäischen Ranking von 25 Städten auf Platz 18. Zum Vergleich: Beim Top-Performer London beträgt der Yield 190,68 Euro.

Härle bezweifelt, dass der Frankfurter Markt das wachsende Angebot wird verkraften können: „Allein zur Auslastung der zusätzlichen Bettenkapazitäten müsste die Zahl der Übernachtungen im Jahr um 800 000 steigen.“ Bedenklich sei zudem, dass die neuen Top-Hotels auf internationale Businessnachfrage zielen. Härle: „Dadurch entsteht eine nicht zu unterschätzende Abhängigkeit von der globalen Wirtschaftslage.“ Die Erweiterung der Messe und eine Belebung des Finanzmarkts würde zwar das Hotelgeschäft in Frankfurt fördern, meint der Marktkenner. „Solange nur das Angebot wächst, sich die Nachfrage aber nicht nachhaltig belebt, werden Wettbewerb und Preisdruck es den Hoteliers schwer machen, die Performance zu steigern.“

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