Experten über Entwicklung besorgt
Boom bei Vergabe von Immobilienkrediten hält an

Der Immobilienboom im Euro-Raum setzt sich im Kreditgeschäft ungebremst fort, obwohl auf einigen der besonders heiß gelaufenen nationalen Märkten die Preissteigerungsraten bereits merklich zurückgehen.

FRANKFURT. Nach Berechnungen des Handelsblatts auf Grundlage der Zins- und Kreditstatistik der EZB lag das Volumen der ausstehenden Immobilienkredite im Euro-Raum ohne Deutschland im April um 19,2 Prozent höher als im Vorjahr. Das war nur minimal weniger als die im Januar registrierte Rekordsteigerung von 19,4 Prozent.

In Deutschland war die Zunahme des Kreditvolumens mit 2,3 Prozent deutlich geringer. Zwar stieg das Kreditvolumen im Monatsvergleich seit Januar kaum noch an, doch blieb immerhin die nach Wegfall der Eigenheimzulage zu Jahresanfang zu befürchtende Abwärtskorrektur aus. Im halben Jahr bis einschließlich Januar war das Immobilienkreditvolumen um knapp zwei Prozent gestiegen.

Die Analysten der Investmentbank Barclays Capital prognostizieren, dass die deutschen Immobilienpreise in diesem Jahr trotz des Wegfalls der Zulage erstmals seit langem wieder einen leichten Anstieg verzeichnen werden. Für den Euro-Raum insgesamt (einschließlich Deutschland) erwarten sie einen Anstieg von 7,4 Prozent. Das wäre ein Rückgang der Dynamik um gut einen Prozentpunkt gegenüber 2005. In Spanien, das unter den größeren Euro-Ländern die stärkste Dynamik aufweist, hat sich den Schätzungen zufolge der Preisanstieg von 17,4 im letzten Jahr auf 14 Prozent ermäßigt und wird in diesem Jahr weiter auf elf Prozent sinken. Für Frankreich prognostizieren die Experten einen Rückgang von 15 auf neun Prozent.

Die EZB und viele Volkswirte vermuten, dass die Immobilenpreise durch die seit langem sehr niedrigen Leitzinsen übermäßig in die Höhe getrieben werden könnten, und sind über die Möglichkeit einer Immobilienkrise besorgt.

Julian Callow, Europa-Chefvolkswirt von Barclays Capital weist jedoch darauf hin, dass der Preisanstieg durch einen besonders starken Rückgang der Finanzierungskosten gerechtfertigt ist. Das Verhältnis von Häuserpreisen zu verfügbaren Jahreseinkommen ist nach den Berechnungen der Bank in Spanien mit etwa dem 13-fachen nur moderat höher als im Durchschnitt des Euro-Raums, wo der Faktor knapp elf beträgt. Allein in den Niederlanden und Irland fällt die Bewertung mit etwa dem 18-fachen des verfügbaren Einkommens aus dem Rahmen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%