Expo Real
Immobilienmakler sehen nur, was sie sehen wollen

Keine vollmundigen Versprechungen mehr: Auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real diese Woche in München hat sich die Branche in Bescheidenheit geübt. Eine "ehrliche Messe" sei es gewesen, sagt Bertrand Ehm, Investmentexperte beim Immobilienberater Savills. Bei genauerem Hinsehen allerdings zeigt sich: Wer welche Wahrheit sieht, hängt ganz von der Brille ab, durch die er schaut.
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MÜNCHEN. Rosarot gefärbt ist die - immer noch oder schon wieder - bei so manchem Makler. So nimmt Peter Rösler, Chef von BNP Paribas Real Estate Deutschland (früher Atisreal) die Tatsache, dass im dritten Quartal 2009 mit 600 000 Quadratmetern in etwa soviel wie ein Quartal zuvor vermietet wurde, als Indiz dafür, dass sich der Markt auf diesem Niveau stabilisiert. Zumal die Arbeitslosigkeit weniger wachse als angenommen.

Dagegen ist es gerade die Sorge vor einer steigenden Arbeitslosigkeit, die in vielen Diskussionsrunden auf der Messe zu hören war. So mancher glaubt, dass die Politik die Unternehmen vor der Bundestagswahl zu Kurzarbeit gedrängt hat statt zu entlassen und nun die Entlassungen folgen. Konsequenz einer deutlich höheren Arbeitslosigkeit: Die Nachfrage nach Büroflächen sinkt weiter, und den Deutschen vergeht die Konsumlaune. Letzters spüren Vermieter von Einzelhandelsflächen, weil der umsatzabhängige Teil der Miete sinkt. "Der kurzfristige Ausblick ist fade", hörten die Ladenvermieter von Karsten Junius, dem Immobilienmarktanalysten der Deka Bank.

Und wer etwas zu verkaufen hat, wie IVG-Chef Gerhard Niesslein, freut sich mit den großen Maklern darüber, dass im dritten Quartal mehr Gebäude verkauft wurden als in den drei Monaten zuvor. Dennoch werden in Deutschland in diesem Jahr Gebäude für nur zehn Mrd. Euro den Besitzer wechseln, halb soviel wie im ersten Krisenjahr 2008.

Überraschend hell getönt schienen auch die Brillengläser der Immobilienbanker. "Die Situation ist deutlich besser als vor einem Jahr und besser als vor sechs Monaten", sagte Claus-Jürgen Cohausz, Vorstandsmitglied der Westdeutschen Immobilienbank in einer Diskussionsrunde zum Kreditmarkt. Auch Edgar Zoller, Kollege im Vorstand der Bayern LB, spricht nur von einer "gefühlten Kreditklemme". Für das "normale Immobiliengeschäft" sei ausreichend Liquidität bei Banken vorhanden.

Das sieht durch die Brille von Christian Schulz-Wulkow, Partner im Beratungshaus Ernst & Young Real Estate (E&Y RE), deutlich trüber aus. "Das Finanzierungsvolumen ist nach wie vor erheblich eingeschränkt", sagt er und beobachtet, dass sich die Lage "von schwierig zu bedrohlich" wandele. "Die ganze Wahrheit liegt längst noch nicht auf dem Tisch", gibt er zu bedenken. Entsprechend düster ist seine Sicht der Dinge: "Der Höhepunkt der Immobilienkrise ist noch nicht erreicht."

Dieser Ansicht sind offenbar auch institutionelle Investoren. "Im Frühjahr kündigten Versicherungen und Pensionskassen an, ab dem Herbst wieder verstärkt in Immobilien zu investieren", erinnert sich E&Y RE-Parnter Dietmar Fischer. "Wir sehen bislang nicht, dass dies geschehen wäre." Den Grund nennt Olivier Piani, Chef von Allianz Real Estate: "Bislang haben die Preise den Boden noch nicht erreicht." Bis der Plan erfüllt ist, den Immobilienanteil im Anlageportfolio des Versicherungsriesen von derzeit vier auf sechs bis acht Prozent zu erhöhen, wird es also noch dauern. Wie lange, wagt niemand zu prognostizieren. Bevor es aber wieder aufwärts gehe, sagt E&Y-Partner Schulz-Wulkow, "muss irgendjemand die Verluste übernommen haben".

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