Expo-Real
Investorenfang mit Fliegenklatsche

Eine Frage des Auftritts: Die Symapthie eines Messe-Standes hängt nicht nur von der jeweiligen Präsentation ab, auch das profane Reichen von Schnittchen soll Besucher zum Stehenbleiben animieren – wie Städte und Regionen auf der Immobilienmesse Expo Real um Aufmerksamkeit buhlen.

MÜNCHEN. Der Magische Wasserfall wirkt. Aus dreieinhalb Metern Höhe fallen Buchstaben aus purem Wasser herab und klatschen geräuschvoll in die Auffangwanne: „Herzlich willkommen. Kreis Mettmann – Invest in ME.“ Ein eleganter Nadelgestreifter tritt vor lauter Überraschung seinem Vordermann in die Hacken, der ebenfalls perplex stehen geblieben ist. „Klappt super, unser Blickfang“, freut sich Günter Scheib, Bürgermeister der Stadt Hilden. „Erstmal müssen wir die Leute zum Stehenbleiben bringen, dann können wir sie ansprechen und in die Diskussion einsteigen.“

Damit kennt sich der Kreis Mettmann aus. Seit sechs Jahren ist die Region dabei und nach eigener Auskunft einer der beiden einzigen Kreise in Deutschland, die sich bei der Immobilienmesse Expo Real auf einem Solo-Stand präsentieren. Dafür braucht es gute Ellenbogen: In der Vergangenheit gab es bei den Mettmannern auch schon mal eine Zaubershow oder als Regionalvertreter einen lebensechten, lendenbeschurzten Neandertaler. Die Idee „Armbrust-Zielschießen mit Saugnapfpfeilen“ wurde später sogar von anderen Ständen geklaut.

Andere Regionen werben mit Gimmicks wie der doppelköpfigen Fliegenklatsche (Motto: „Eine höhere Erfolgsquote mit nur einem Schlag“) oder Schauspielern in Lokaltracht. Die Sympathiequote ist aber auch buchstäblich eine Frage des Auftretens, sagt Günter Scheib: „Wenn man im Vorbeigehen an einem Stand zu viele Rücken sieht und kaum Gesichter, dann ist das schlecht für die Standortpräsenz. An solche Dinge muss man sich als Aussteller erst mal gewöhnen.“

Und auch daran, ständig Schnittchen gereicht zu bekommen. Denn der zweitwichtigste Faktor, um die Besucher zum Stehenbleiben zu bringen, ist: Essen. Nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern auch Standortpolitik, sagen sich die Aussteller und fahren tonnenweise Edles, Deftiges und Landestypisches auf: Leipziger Pralinen, Dresdener Stollen, das „Weinland Pfalz“ lockt mit Riesling, die Kohlenpottmetropole Bochum reicht schön selbstironisch das kulinarische Wahrzeichen Currywurst auf weißen Porzellan-Pommesschalen. „Die ist jetzt schon seit ein paar Jahren der Renner, Sie sollten mal zur Mittagszeit die Schlangen sehen“, grinst Heinz-Martin Dirks, Leiter der Bochumer Wirtschaftsförderung.

Zusammen mit Essen, Mülheim und anderen Ruhrgebietsorten hat seine Stadt den mit 730 Quadratmetern Fläche größten Stand der Expo auf die Beine gestellt und dabei auch alte Lokalrivalitäten begraben. „Das Ruhrgebiet als Region kennt man auch im Ausland, den Namen Bochum im Zweifel dagegen eher weniger“, haben Dirks und sein Team selbstkritisch erkannt. Deshalb gab man den Versuch, sich eigenständig zu präsentieren, auch schon nach dem ersten Jahr wieder auf und sortierte den gemeinsamen Ruhrpott-Auftritt statt dessen lieber nach Themenschwerpunkten: städtische Wasserlagen, Wohnräume, Biomedizin. Seitdem brummt das Geschäft wieder, die Tische am Stand sind ständig besetzt. „Wir hatten schon in den ersten zwei Stunden nach der Messeeröffnung zwei vielversprechende Investorengespräche, die über unsere gemeinsamen Ruhr-Projekte zu uns gefunden haben“, sagt Dirks.

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