EZB-Neubau
Mona Lisa mit Schnurrbart

Alles schien in trockenen Tüchern: Die EZB hat in Frankfurt die alte Großmarkthalle gekauft und will diese nach eigenen Vorstellungen an den Neubau der Zentrale anbinden. Doch die Verwirklichung des Vorzeigebaus ist ins Stocken geraten. Warum ein Betonriegel das Projekt der Notenbank aufhält.

FRANKFURT. Es steht viel auf dem Spiel. Am Mittwoch um 11 Uhr ist im Frankfurter Landgericht der Termin „Erben Martin Elsässers gegen die Europäische Zentralbank (EZB)“ anberaumt. Das Gericht soll klären, ob die EZB mit den geplanten Veränderungen der Großmarkthalle die Urheberrechte des Erbauers verletzt. Die Elsässer-Erben halten den Eingriff für unzulässig und haben auf Unterlassung geklagt. Aus der EZB verlautet, dass man allmählich die Lust an dem ganzen Neubauprojekt verliere.

Die EZB hat die 1928 eingeweihte, denkmalgeschützte Großmarkthalle nebst Grundstück für ihren Neubau von der Stadt Frankfurt erworben – frei von Rechten Dritter, wie der Kaufvertrag sagt. Die Baupläne der EZB sehen vor, zwei 185 Meter hohe Türme mit der Halle zu verbinden. Dazu wird das Dach des 220 Meter langen und 50 Meter breiten Gebäudes mit einem Riegel durchstoßen, der die vordere Fassade der Halle durchbricht. Die Erben des Architekten Elsässer sind entsetzt. Man habe der Mona Lisa einen Schnurrbart angemalt, stellt die Klageschrift fest.

Ob am Mittwoch schon in der Sache verhandelt wird, ist noch offen. Zunächst werde geklärt, erläutert ein Sprecher des Landgerichts, wer überhaupt zuständig sei – das Landgericht Frankfurt, wo die Elsässers ihre Klage eingereicht haben oder ein europäisches Gericht. Wenn Frankfurt zuständig ist, wird voraussichtlich schon über die Sache verhandelt. Andernfalls muss entschieden werden, ob die Klage an ein anderes Gericht verwiesen oder ob sie in Frankfurt abgewiesen wird. Im zweiten Fall müssten die Elsässers neu klagen.

Insider deuten den Wortlaut der Ladung zu dem Termin so, dass der vorsitzende Richter wenig Neigung verspürt, in der Sache zu entscheiden. Los wird Frankfurt den Fall aber dennoch nicht. Denn die Elsässer-Erben haben die Klage auf die Architekten, das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au, erweitert. Die wird in jedem Fall in Frankfurt verhandelt.

Die Stadt Frankfurt sieht einer gerichtlichen Auseinandersetzung gelassen entgegen. Der Riegel sei ein Detail, eine untergeordnete Baumasse, erläutert Dierk Hausmann, stellvertretender Amtsleiter des Planungsamts und Verbindungsmann zur EZB. Das Gesamtprojekt sei auf gutem Weg. Die Stadt sei daran mindestens ebenso interessiert wie die EZB. Hausmann bezweifelt, „dass jemand mit der Klage durchkommen kann“.

Die Stadt beruft sich auf eine Vereinbarung mit Elsässer vom 3. Februar 1932 und das damals geltende Recht. Der 1884 in Tübingen geborene Architekt war von 1925 bis 1932 Leiter des Hochbauamtes. Drei Tage nach seinem Ausscheiden aus den Diensten der Stadt überträgt er ihr „alle Urheber- und sonstigen Rechte, insbesondere das Eigentum an den von ihm ... gefertigten Skizzen, Entwürfen, Plänen, ... und dergleichen für Bauwerke“. In dem gleichen Schriftstück behält sich Elsässer zwar vor, dass ihm Änderungen an von ihm ausgeführten Bauten, die „in baukünstlerischer Hinsicht von wesentlicher Bedeutung sind, zur Stellungnahme vorgelegt werden“. Im Übrigen stehe aber „die Änderung der Bauten im freien Ermessen der Stadtgemeinde Frankfurt“.

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