Factory Outlet Center
Bewegung im Schnäppchenmarkt

Vor einigen Jahren ging ein Gespenst um in Deutschland. Sein Name: „Factory Outlet Center“. Tatsächlich aber besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen medialer Aufregung und tatsächlicher Bedeutung. Gerade einmal sechs echte solcher Fabrikverkaufszentren haben sich bis heute in Deutschland etabliert. Doch jetzt kommt Bewegung in den Markt.

BERLIN. Unter einem „Factory Outlet Center“ (FOC) versteht man große, außerhalb der Städte gelegene Schnäppchenparadiese, die Kleidung aus Überschussproduktionen zu deutlich ermäßFigten Preisen an Mann und Frau bringen. Politiker und Lobbyisten befürchteten durch diese damals für Deutschland neuartige Vertriebsform katastrophale Auswirkungen auf die etablierten Facheinzelhändler, und die Innenstädte und wehrten sich mit aller Macht gegen die Etablierung der Center.

Jetzt aber kommt Bewegung in den Markt: Am Donnerstag eröffnete das Designer Outlet Berlin. Es befindet sich unweit der westlichen Berliner Stadtgrenze in der Gemeinde Wustermark und ersetzt das B5-Designer Outlet Center, das im Jahr 2000 seine Tore öffnete. Das alte Center kam Beobachtern zufolge nie wirklich auf Touren. „Es wurden viele Fehler begangen“, konstatiert Andreas Malich, Einzelhandelsexperte bei Immobilienberater CB Richard Ellis (CBRE) – bei der Aufenthaltsqualität genau so wie bei der Auswahl der Marken.

Das neue Center ist dagegen als so genanntes Village konzipiert. Architektonisch versucht es, eine brandenburgische Kleinstadt zu imitieren, die vorhandenen Läden betreiben zahlreiche namhafte Modehersteller – von Adidas über Strenesse bis zu Marc O´Polo. Binnen fünf Jahren will der Betreiber, der britische Entwickler und europäische Marktführer unter den FOC-Betreibern McArthur Glen, jährlich 2,5 Millionen Kunden anlocken. Dabei setzt Centermanager Christian Trapmann auf das Potenzial von 5,6 Millionen Menschen, die innerhalb eines Einzugsgebiets von 90 Minuten Fahrzeit wohnen, aber auch auf Touristen.

Gut 80 Mio. Euro investiert der Eigentümer des Designer Outlets, die britische Investmentgesellschaft Henderson Global Investors, in die 16 500 Quadratmeter (qm) Verkaufsfläche in Wustermark. Henderson erwarb das alte Center 2006 vom ebenfalls britischen Unternehmen Hammerson. „Der deutsche Markt ist von herausragender Bedeutung für die Zukunft des Outlet-Sektors in Kontinentaleuropa“, sagt David Williams, Fondsmanager von Hendersons European Outlet Mall Fund. Die Kommunen hätten erkannt, dass der lokale Einzelhandel von den zusätzlichen Kunden profitiere, und seien mittlerweile offener gegenüber FOC-Ansiedlungen.

Als Paradebeispiel für diesen neuen Umgang mit dem Thema sieht Joachim Will, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ecostra, das Auswahlverfahren, mit dem das Land Niedersachsen die Entscheidung für einen FOC-Standort traf. Das Kabinett in Hannover nahm dafür eine Ausnahme vom geltenden Raumordnungsprogramm vor, wonach FOC eigentlich nur in Innenstädten entstehen dürfen – mit dem Ziel, den Tourismus in der Lüneburger Heide durch das Center zu fördern. Unter drei Bewerberkommunen ging im Februar Soltau als Sieger hervor. Außerdem übernahm vor kurzem die spanische Neinver Gruppe das FOC Zweibrücken von der Kenmore Property Group. Und die bereits in Wustermark aktive McArthur Glen-Gruppe erhielt von der schleswig-holsteinischen Stadt Neumünster den Zuschlag für den Bau eines FOC mit 20 000 qm Verkaufsfläche.

Vollständig erlahmt ist der Widerstand des Facheinzelhandels allerdings keineswegs. Negative Folgen der FOC, heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), seien „eine Verringerung der Zahl der selbständig geführten Fachbetriebe, die Verdrängung kleinerer Handelsketten und wachsende Leerstände an den traditionellen Handelsstandorten“. „Diese Befürchtungen haben sich nicht erfüllt“, entgegnet Berater Will. Richtig sei allerdings, dass FOC tatsächlich zum größten Teil ein zentrenrelevantes Sortiment führten. Deshalb sei es entscheidend, dass sie attraktiv genug seien, um Kunden von weit her anzulocken; nur wenn sie zu klein dimensioniert seien, drohe Gefahr für die benachbarten Innenstädte. Dennoch, betont CBRE-Experte Buchsteiner, werden FOC „ein Nischenmarkt“ bleiben: Mehr als 15 bis 20 Center vertrage Deutschland nicht.

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