Fairer Hauspreis
Minuspunkt fürs kleine Bad

Der Immobilienpreisverfall an vielen europäischen Märkten verunsichert derzeit auch deutsche Hausbesitzer: Wie viel ist meine Immobilie tatsächlich noch wert? Was verkauft sich überhaupt noch, oder ist der Markt schon weitgehend zum Erliegen gekommen? Zu beachten ist hierbei allerdings, dass nicht bloß Lage und Zustand über den fairen Preis fürs Haus entscheiden.

STUTTGART. „Wir sehen keinen Preisverfall“, sagt Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbandes IVD. „Wer aus undurchsichtigen Investments aussteigen will, entscheidet sich zunehmend für Immobilien als transparenter Anlageform.“ Auch das Marktforschungsunternehmen Bulwien Gesa hat für 2008 noch einen leichten Anstieg der Wohnimmobilienpreise verzeichnet.

Doch ob sich ein Haus auch in Zeiten der Finanzkrise gut verkaufen lässt oder nicht, darüber entscheidet eine Vielzahl von Faktoren. Generell sind weiterhin Objekte in Großstädten gefragt und, so Michael Schick: „Sanierter Altbau geht immer.“ Darüber hinaus haben Makler und andere Sachverständige eine lange Checkliste, mit der sie den fairen Preis für ein Haus errechnen: „Alter, Ausstattung, Erhaltungszustand, und der Energieverbrauch wird natürlich auch zunehmend wichtiger“, zählt Hubertus Brauer auf, der als freiberuflicher Sachverständiger den Wert von Immobilien ermittelt. Alte Heizungsanlagen, Aufputzsteckdosen und -kabel sowie nur notdürftig übertünchte Schadstellen geben Minuspunkte. „Einen entscheidenden Einfluss hat auch der Grundriss: Kleine Küchen und kleine Bäder stammen aus einer anderen Zeit und werten das Gebäude ebenso ab wie fehlende Gästetoiletten. Die Käufer suchen heute eher nach großzügigen, offenen Räumen.“

Oft wird die Hausbegehung für die Sachverständigen zur Reise in die Vergangenheit: „Manchmal sind nach 30 oder 40 Jahre noch die gleichen Türzargen und die olivgrünen Fliesen an der Wand wie am Tag des Einzugs“, erzählt Hubertus Brauer. Das drückt den Preis gewaltig – und zwar nicht nur, weil der Käufer noch einen großen Betrag für Renovierungen aufbringen muss.

Denn anders als früher „können heute viele Interessenten nichts mehr selbst machen. Höchstens Wände streichen geht so eben noch“, hat Maklerin Tina Denk-Dominik beobachtet. Sie leitet ein Immobilienbüro im Rhein-Main-Gebiet und hat früher Seminare für Privatleute angeboten, die ihr Haus ohne Hilfe eines Maklers verkaufen wollen. „Deshalb sind die Leute richtiggehend darauf angewiesen, dass die Innenausstattung auf dem heutigen Stand und nach modernem Geschmack eingerichtet ist.“

Weiche Faktoren werden den Käufern zunehmend wichtiger. Um sie besser kategorisieren zu können, haben Forscher an der Technischen Uni Darmstadt ein „Wohnwert-Barometer“ entwickelt: „Der Standort wird bei der Wahl des richtigen Hauses oft ein wenig stiefmütterlich behandelt“, sagt Sebastian El khouli, einer der beiden Projektleiter. Dabei habe die Lage großen Einfluss auf den Wohnwert: Wie weit ist die nächste Bushaltestelle entfernt? Das nächste Ortszentrum?

Doch selbst ein rundum perfektes Haus garantiert noch keinen reibungslosen Verkauf. Die Finanzkrise und der eventuell drohende Arbeitsplatzverlust haben viele Käufer verunsichert, sagen Sachverständige. „Die Nachfrage stagniert“, sagt Hubertus Brauer, und auch die Experten der Bulwien Gesa erwarten für das laufende Jahr einen leichten Rückgang bei den Kaufpreisen für Privathäuser.

„Der Großteil der notgedrungenen Hausverkäufe kommt erst noch“, schätzt auch Winfried Aufterbeck. Der Argetra-Geschäftsführer, eine der größten Online-Plattformen für Immobilien-Zwangsversteigerungen, weiß: „Zwangsversteigerungen folgen auf Konjunkturprobleme wie der Donner auf den Blitz.“

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