Fassade, Heizung & Co.: Die Deutschen sind Sanierungsmuffel

Fassade, Heizung & Co.
Die Deutschen sind Sanierungsmuffel

Wer eine Ölheizung besitzt, braucht sich angesichts der niedrigen Preise um die Rechnung keine Sorgen zu machen. Daher bleiben energetische Sanierungen out. Sinnvoll sind sie allemal – auf eine bestimmte Art und Weise.

FrankfurtBeim Blick auf die Heizkostenabrechnung machten Verbraucher zuletzt öfter große Augen. Doch die Zeit der teuren Wärme ist vorerst vorbei: Der Preisverfall macht auch vor Heizöl keinen Halt. Mit rund 36 Euro pro 100 Liter ist Heizöl so günstig wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Für die Verbraucher eine deutliche Entlastung – bei einem Bestand von über fünf Millionen Heizöl-Kessel.

Nicht nur auf dem Heizungsmarkt hat sich zuletzt einiges getan: Auch in der Immobilienbranche herrscht mächtig Bewegung. Immobilien haben sich als renditestarkes Anlageobjekt empfohlen – allen voran der Neubau boomt. Zwischen 2010 und 2014 stieg einer DIW-Studie zufolge das Neubauvolumen um rund 60 Prozent. Besonders in den umkämpften Metropolen entstanden teils hochmoderne, nachhaltige vier Wände.

Viele Bestandsgebäude allerdings hätten ebenfalls ein neues Gesicht nötig. Eine ähnliche Dynamik wie im Neubau wäre auch für die Baumaßnahmen an Bestandsgebäuden wünschenswert. Dort hingegen gerät der Motor ins Stocken: Die Bauleistung an bestehenden Gebäuden stieg laut DIW im gleichen Zeitraum nur um knapp 10 Prozent.

Mit ausschlaggebend dafür: Die Unbeliebtheit energetischer Sanierungen. Die Deutschen können sich für die energetische Instandsetzung ihrer Wohnimmobilie schlichtweg nicht begeistern – und der Trend ist weiter negativ. 

Dort greift dann ein Rad ins Andere: Ist eine energetische Sanierung, sprich die Modernisierung des Eigenheims zur Reduktion des Energieverbrauchs für Heizung, Warmwasser und Lüftung, angesichts des niedrigen Heizölpreises überhaupt noch rentabel? Definitiv, sagen Experten. Schließlich sei der Austausch von Fenstern und Türen, die Dämmung von Außen- und Innenwänden sowie die Erneuerung der Heizung Geld und Gold wert – im wahrsten Sinne des Wortes.

Der kurzfristige Zeithorizont spielt in diesem Zusammenhang die entscheidende Rolle. „Gebäudeeigentümer denken zu kurz, wenn sie wegen der aktuell geringen Öl- und Gaspreise bei einer Sanierungsmaßnahme keine gute Wärmedämmung umsetzen und ihnen in Zukunft die Hände gebunden sind“, sagt Karsten Neuhoff, Klimaexperte beim DIW.

Bei einer umfassenden energetischen Sanierung müssen sich die Eigentümer auf eine Amortisationszeit von rund 20 Jahren einstellen – die Energieeinsparungen sind folglich erst langfristig lohnenswert. Neben dem ökonomischen Aspekt rückt auch der Umweltschutz in den Fokus: Angesichts der Klimaziele der Bundesregierung ist eine Erhöhung des energetischen Sanierungsvolumens unumgänglich.

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