Fertighäuser
Energiesparen als Verkaufsargument

Fertighaushersteller gehen mit der Zeit. Die Anbieter der Einfamilienhäuser aus der Fabrik setzen auf hoch wärmegedämmte Außenwände und eine Heiztechnik, die Sonne und Erdwärme nutzt. Der letzte Schrei aber sind Eigenheime, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.
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HB DÜSSELDORF. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Staatssekretär aus dem Bundesbauministerium einen Fertighaushersteller besucht. Vergangene Woche aber war es soweit: Rainer Bomba begab sich zur Bien-Zenker AG nach Schlüchtern in Osthessen und forderte dort die Fertighausbranche auf, verstärkt auf Energieeffizienz zu achten. "Fertighäuser haben vor allem bei Ein- und Zweifamilienhäusern einen immer größeren Marktanteil", sagte der Staatssekretär. "Es ist deshalb wichtig, dass auch hier verstärkt auf Null- oder gar Plus-Energie-Häuser hingearbeitet wird."

Mit seinem Appell rennt Bomba offene Türen ein - jedenfalls überbieten sich in letzter Zeit die Marktteilnehmer mit immer energieeffizienteren Neuheiten. Im April dieses Jahres zum Beispiel ließ das Unternehmen Finger-Haus aus Frankenberg sein Fertighaus "Medley" mit dem Gütesiegel "Effizienzhaus 55" der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zertifizieren - als nach eigenen Angaben erster Fertighausanbieter. "Das Dena-Zertifikat", sagt eine Finger-Haus-Sprecherin, "ist für uns eine gute Möglichkeit, die Energieeffizienz von unabhängiger Seite prüfen zu lassen."

Mittlerweile stehen die Frankenberger nicht mehr alleine da. Schwörer-Haus ließ vom Architekten Jürgen Lohmann ein Musterhaus entwerfen, das ebenfalls mit dem Dena-Gütesiegel als "Effizienzhaus 55" ausgezeichnet wurde. Mit hoch wärmegedämmter Gebäudehülle, Wärmepumpe und in der Fassade integrierter Fotovoltaikanlage reizt das Haus viele der heutigen technischen Möglichkeiten aus. Sogar ein Haus, das mit gerade einmal 40 Prozent der nach Energieeinsparverordnung (EnEv) zulässigen Primärenergie auskommt, präsentiert Wettbewerber Hanse Haus seit Juni dieses Jahres im Ausstellungspark in Bad Vilbel. Und sogar Passivhäuser, Gebäude also, die ganz ohne Heizung auskommen und Energie nur noch zur Belüftung und Warmwasserbereitung benötigen, finden sich bereits in den Prospekten der Fertighausanbieter.

Der letzte Schrei aber sind Eigenheime, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Das bereits erwähnte Haus von Schwörer beispielsweise benötigt bei 148 Quadratmetern Wohnfläche jährlich eine Energiemenge von 4 200 Kilowattstunden (kWh). Wärmepumpe und Fotovoltaikanlage aber produzieren jährlich 4 600 kWh. Einen rechnerischen Überschuss von sogar knapp 6 000 kWh im Jahr erzeugt das Musterhaus "Generation 5.0", welches das Unternehmen Weberhaus im badischen Rheinau-Linx ausstellt. Der überschüssige Strom, so der Vorschlag der Marketingleute, lässt sich dazu verwenden, ein Elektroauto vollzutanken.

Käufer von Fertighäusern achten vor allem auf den Energieverbrauch

Grundsätzlich rät Mario Jaksic, Produktmanager bei Weberhaus, umweltbewussten Interessenten vor allem eines: "Sich für ein Haus entscheiden, das möglichst wenig Heizenergie verbraucht." Auf diesen Rat gehen die Bauherren gern ein: Bei den meisten Anbietern verkaufen sich die energetischen Musterknaben glänzend. Die drei am besten laufenden Modelle von Schwörer Haus entsprechen alle dem KfW-70-Standard, und bei Finger-Haus ist der Anteil der Eigenheime, die mit regenerativen Energien beheizt werden, auf mehr als 80 Prozent gestiegen.

Dabei dürften nicht nur das ökologische Bewusstsein und die Energiekostenersparnis eine Rolle spielen, sondern auch die Aussicht auf günstige KfW-Kredite. Die höheren Baukosten schreckten jedenfalls nicht ab, sagt Mario Jaksic von Weberhaus: "Wenn man von der Entwicklung der Energiepreise in den vergangenen zehn Jahren ausgeht, werden sich die Mehrkosten nach 20 Jahren amortisiert haben."

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