FIABCI-Experten geben Entwarnung
Keine Angst vor Immobiliencrash in USA und Großbritannien

Der für die USA und Großbritannien befürchtete Immobiliencrash mit weltweiten Auswirkungen bleibt aus Sicht von Branchenexperten aus. Doch der Markt entwickelt sich noch nicht so wie gewünscht und längst nicht alle Branchenkenner sind der gleichen Meinung.

dpa BERLIN/LONDON. Der für die USA und Großbritannien befürchtete Immobiliencrash mit weltweiten Auswirkungen bleibt aus Sicht von Branchenexperten aus. Sorgen über einen bevorstehenden Zusammenbruch hätten sich als überzogen erwiesen, teilte der Internationale Verband der Immobilienberufe FIABCI am Donnerstag am Rande des Immobilien-Weltkongresses in Berlin mit. Die Ängste über negative gesamtwirtschaftliche Auswirkungen auf Grund der langsameren Marktentwicklung seien aber noch nicht gänzlich ausgeräumt.

Deutlicher Preisrückgang zu Jahresbeginn

Auslöser der Crashängste war ein deutlicher Preisrückgang zu Jahresbeginn, nachdem zuvor die Immobilienpreise in Großbritannien und in den USA explodiert waren. Selbst Kleinstobjekte waren extrem teuer. Innerhalb der vergangenen drei Jahre wurden Wohnimmobilien laut FIABCI in den USA um 25 und in Großbritannien um 55 Prozent teurer. So kosteten kleine, einfach ausgestattete Eigentumswohnungen in London rund 490 000 Euro und normale Reihenhäuser knapp 700 000 Euro. In westdeutschen Großstädten kosten dagegen durchschnittliche Eigentumswohnungen knapp 100 000 und Reihenhäuser 184 000 Euro.

Preiszuwächse erwartet

Hinzu kommt, dass in beiden Ländern die Objekte mit erheblichen Hypothekenkrediten für Konsumausgaben belastet wurden. Damit hatte der Immobilienmarkt dort zugleich die Binnennachfrage und die gesamte Konjunktur beeinflusst. Die zu Jahresbeginn verlangsamte Marktentwicklung könnte daher auch für internationale Anleger negative Folgen haben, heißt es. Inzwischen würden neben andauernden Warnungen sowohl für die USA als auch Großbritannien wieder Preiszuwächse zwischen etwa vier bis sechs Prozent erwartet.

Rückläufige Mieten in Europa

Auf den europäischen Bürovermietungsmärkten werden laut FIABCI rückläufige Mieten von neun Prozent und sinkende Leerstände von sechs Prozent beobachtet. Stärkere Mietrückgänge verzeichneten Berlin (15 Prozent), Hamburg und London (20) sowie Madrid (bis zu 22). Stabile Büromieten gebe es nur vereinzelt. Bevorzugte Standorte von Investoren seien nach wie vor US-Metropolen und in Westeuropa London, Paris und Brüssel. In Hongkong sei seit 1997 ein dramatischer Preisverfall von mehr als 60 Prozent beobachtet worden: „Der ehemals weltweite Top-Standort rangiert daher zur Zeit hinter London und New York.“

Nicht alle Experten der gleichen Meinung

Unterdessen warnt die Zeitschrift „The Economist“ in ihrer an diesem Freitag erscheinenden Ausgabe davor, ein Zusammenbruch des Immobilienmarktes könne weltweit zu Rezessionen führen. „Das Platzen der Immobilienblase wird mehr Schaden anrichten als das Platzen der Aktienblase“, wird in der 16-seitigen Analyse des weltweiten Immobilienmarktes vorausgesagt. Immobilien seien weltweit die bedeutendste Form der Einzelanlage. Investoren hätten mehr Geld in Immobilien angelegt als in Aktien oder Anleihen.

Die Erträge aus Hauskäufen hätten in den vergangenen zehn Jahren in den meisten Ländern die Erträge aus Aktien deutlich überstiegen, hieß es weiter. Für Immobilien müsse die gleiche Wertanalyse wie für Aktien vorgenommen werden, forderte „The Economist“ unter Hinweis darauf, dass sich Blasen bildeten, wenn der Preis für eine Anlage in keinem Verhältnis mehr zu seinem eigentlichen Wert stehe. Deshalb sollten die Kosten für den Erwerb von Eigenbesitz die zukünftigen Mieteinnahmen widerspiegeln. Die Tatsache, dass in zahlreichen Ländern die Preise für Eigenheime und Bürogebäude viel schneller gewachsen seien als die Mietpreise, sei alarmierend.

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