Filmkulisse
Das Haus ist der Star

Ganz so leicht ist es zwar nicht immer, Zaungast bei einem Filmdreh im eigenen Haus zu sein – aber auch nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Zehntausende große und kleine Spielfilme, Fernsehserien, Musikvideos und Werbefilmchen werden jedes Jahr allein in den USA gedreht, und viele davon brauchen Originalschauplätze.

HOUSTON. Ramona Hennesy war im Wohnzimmer, als der Agent aus Hollywood anklopfte: „Würden Sie Ihr Haus als Drehort für einen Film zur Verfügung stellen?“, fragte sie der unbekannte Mann an der Eingangstür. Hennesy überlegte nicht lange und sagte zu. „Wann bekommt man schon mal die Chance, eine Filmcrew zu Besuch zu haben und ihr bei der Arbeit zuzusehen?“ Einige Zeit später zogen die Nachwuchs-Hollywoodstars Ashton Kutcher und Amanda Peet in Hennesys Haus ein und filmten einige Szenen für die romantische Komödie „Sowas wie Liebe“.

Ganz so leicht ist es zwar nicht immer, Zaungast bei einem Filmdreh im eigenen Haus zu sein – aber auch nicht so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Zehntausende große und kleine Spielfilme, Fernsehserien, Musikvideos und Werbefilmchen werden jedes Jahr allein in den USA gedreht, und viele davon brauchen Originalschauplätze. In Hollywoods Stammterritorium Südkalifornien etwa finden 70 bis 80 Prozent der Aufnahmen in Privathäusern statt, schätzen Branchenexperten.

Zahllose spezialisierte Maklerfirmen vermitteln zwischen Hausbesitzern und der Filmindustrie. Und der Bedarf reißt nicht ab: „Der Zeitpunkt ist perfekt für alle Leute, die ihr Haus für Dreharbeiten zur Verfügung stellen wollen. Allein in den USA gilt es 700 Fernsehkanäle zu füllen, und der bisherige Bestand an filmbaren Immobilien ist so gut wie ausgeschöpft“, sagt James Perry von der Firma West Adams Locations. „Und auch überall sonst in der Welt wird ständig gesucht, auch in Deutschland.“ Er rät Interessenten, für die Filmstiftung des jeweiligen Landes eine Art Bewerbungsbroschüre zusammenzustellen und darin die Schokoladenseiten des Anwesens zu präsentieren.

Perry gilt als einer der Branchengurus: Seit mehr als zehn Jahren vermittelt er Filmauftritte für sämtliche Anwesen von Durchschnitts-Reihenhäusern bis zu kalifornischen Nobelvillen. Im April erscheint sein Ratgeber „Öffne deine Tür für Hollywood – Wie man ein Vermögen macht, indem man sein Haus in ein Filmset verwandelt“.

Tatsächlich winkt neben dem Glamour-Faktor auch eine beträchtliche Menge Geld. Einige tausend Dollar sind nicht außergewöhnlich, bei großen Produktionen sogar bis zu 20 000 Dollar pro Tag, ermittelte die Tageszeitung Los Angeles Times. Dazu kommen Hotelzimmer für die Familie und gegebenenfalls auch für Haustiere. Hin und wieder lassen sich die Filmstudios auch auf Sonderdeals ein: Eine Frau überließ den Produzenten eines Tom-Cruise-Films ihre Villa kostenlos. Lohn genug war ihr die V.I.P.-Einladung zur Filmpremiere.

Dabei suchen Produzenten einerseits nach Durchschnittsimmobilien, wie sie zu Hunderttausenden überall im Land zu finden sind, sagen Makler. Andererseits zählt das Außergewöhnliche: beeindruckende Außenfassaden, üppige Gärten, verschwiegene Winkel und murmelnde Bäche. „Vielleicht haben Sie ja die perfekte Gartenlaube oder genau den Swimmingpool, nach dem wir suchen“, erklärt die Internetseite des Filmbüros im kanadischen Burnaby, in dem in den vergangenen Jahren mehrere Hollywoodfilme gedreht wurden.

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