Finanzierung
Steinbrücks Pläne für börsennotierte Immobilien-AG Reits werden konkreter

Die Pläne von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) für die Einführung börsennotierter Immobilienfonds nehmen trotz massiver Bedenken aus der SPD konkrete Formen an.

dpa-afx BERLIN. Ein entsprechender Entwurf für die Auflage solcher Real Estate Investment Trusts (Reits) bereits im kommenden Jahr wurde nach dpa-Informationen vom Dienstag an weitere Ministerien zur Ressortabstimmung verschickt. Bei den in mehr als 20 anderen Ländern eingeführten Reits werden nicht die Gewinne auf Gesellschaftsebene besteuert, sondern die Gewinnausschüttungen beim Anleger. Nach den der dpa vorliegenden Plänen sollen der Reit-Status und die Befreiung von der Körperschaftsteuerpflicht nur dann gewährt werden, wenn mindestens 90 Prozent der Erträge an den Anleger ausgeschüttet werden. Zudem müssten mindestens 75 Prozent der Einkünfte aus Immobilien erzielt und mindestens 75 Prozent des Vermögens in Immobilien angelegt werden. Zur Sicherung des deutschen Steueraufkommens dürfen Anleger nicht mit zehn oder mehr Prozent direkt beteiligt sein.

Der deutsche Reit soll auch für Kleinanleger geöffnet werden. "Um dieses Ziel dauerhaft zu garantieren, wird eine Streubesitzregelung eingeführt.", heißt es in dem fast 50seitigen Entwurf. Dauerhaft müssten sich mindestens 15 Prozent der Aktien in den Händen von Anteilseignern befinden, die jeweils nicht mehr als drei Prozent der Aktien halten. Zudem erhalte die Reit-Aktiengesellschaft ihre Steuerbefreiung erst nach erfolgter Börsennotierung.

Reits könnten in Deutschland aber nur entstehen, wenn ausreichend adäquate Immobilien zur Verfügung stehen, wird in dem Entwurf betont. "Damit sich deutsche Reits an den Kapitalmärkten etablieren, muss rasch eine hinreichende Marktbreite entstehen." Steinbrück plant dazu einen Steuernachlass. Mit einer auf vier Jahre befristeten Begünstigung durch den halben Wertansatz soll ein Anreiz für Reits sowie zur Hebung stiller Reserven geschaffen werden.

Aus Sicht des Finanzministeriums ist es nicht sinnvoll, eine Reit-AG gesetzlich auf die Vermietung und Verpachtung zu beschränken und keinen Verkauf von Immobilien zuzulassen. Zur Vermeidung des "Durchhandelns" ist eine Haltefrist vorgesehen, wonach innerhalb von fünf Jahren maximal die Hälfte des Bestandes veräußert werden darf. Davon unberührt besteht ein Haltefrist von vier Jahren für Immobilien, die zu einer begünstigten Besteuerung der stillen Reserven eingebracht werden, um Mitnahmeeffekte zu verhindern.

Neben Gewerbeimmobilien können auch Wohnimmobilien in "Wohnungs-Reit" aufgelegt werden. Befürchtungen über Verwerfungen auf dem Wohnungsmarkt zum Nachteil der Mieter könnten nicht bestätigt werden. "Insbesondere bleibt die rechtliche Situation von Verbrauchern als Mieter durch den Gesetzentwurf gegenüber der aktuellen Rechtslage unberührt, der Schutz des deutschen Mietrechts besteht auch bei Reits unverändert fort", heißt es. Die Einführung deutscher Reits werde eher positive Auswirkungen haben.

Nach Angaben des Finanzministeriums wird der größte Teil (ca. 75 Prozent) der insgesamt etwa 39 Mill. Wohneinheiten in Deutschland in Form der direkten Immobilienanlage vom Eigentümer selbst genutzt oder von Privatpersonen vermietet. Diese Bestände und auch die genossenschaftlichen Wohnungen (zusammen etwa 80 Prozent stellten für Reits keine Investmentoption dar. Insbesondere für große öffentliche oder auch private Wohnungsbaugesellschaften dürfte die Gesellschaftsform Reit interessant sein. In öffentlichem oder kommunalen Eigentum befänden sich nur acht Prozent der Wohneinheiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%