Finanzstandort
Debatte über Immobilientrusts läuft heiß

Experten fordern die Einbeziehung von Wohngebäuden in Real Estate Investment Trusts (Reits), damit Deutschland als Finanzstandort nicht verliert. SPD-Politiker warnen dagegen vor Steuerausfällen und negativen Auswirkungen auf Mieter.

BERLIN. Deutschland wird als Finanzstandort verlieren, wenn es nicht zur Einführung von Reits kommt, den börsennotierten Immobilienunternehmen. Das war die einhellige Meinung von Experten, die gestern einer Einladung zur Sachverständigen-Anhörung der FDP-Bundestagsfraktion in Berlin folgten.

Die Einführung von Real Estate Investment Trusts (Reits) nach ausländischem Vorbild ist seit Monaten umstritten. Sie werden auf Unternehmensebene nicht besteuert, da sie ihre Gewinne nahezu vollständig an ihre Anteilseigner ausschütten. Die Anleger müssen die Gewinne voll versteuern.

Nüchtern beurteilte Detlev Diez, Geschäftsführer der Commerzbank Grundbesitz Investmentgesellschaft, die Lage: „Weltweit suchen institutionelle Anleger Investitionsmöglichkeiten für 3 300 Mrd. Dollar in Immobilien.“ Deutschland biete ohne die Reits keine geeigneten Investitionsmöglichkeiten für diese Anleger, so Diez. Selbstverständlich könne auf Reits verzichtet werden, doch dann verzichte man auch auf milliardenschwere Investitionen, Steuereinnahmen und hochqualifizierte Arbeitsplätze. Die Commerzbank-Tochter selbst hat bereits Fakten geschaffen und eine Immobiliengesellschaft an die Börse Paris gebracht.

Auf politischer Ebene besteht derzeit eine Pattsituation. Zwar hat sich die Koalition prinzipiell für die Einführung von Reits ausgesprochen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) ist auch ein Verfechter dieser neuen Vermögensklasse. Doch Teile der SPD haben Bedenken, sie befürchten Steuerausfälle und negative Auswirkungen auf Mieter.

„Es hakt erheblich“, stellte der stellvertretende FDP-Fraktionschef Carl-Ludwig Thiele fest. Er warb für eine „Entideologisierung“ der Debatte. Als „größtes Hindernis“ bei der Einführung von Reits sieht Bärbel Schomberg, Chefin der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds, die Haltung von SPD-Abgeordneten, Wohnimmobilien bei der Schaffung von Reits auszuklammern. Dafür hat sie kein Verständnis, denn „die sozialen Bindungen und der Mieterschutz werden durch Reits nicht außer Kraft gesetzt“, sagte Schomberg. Daher sei ein Sonderstatus für Wohnimmobilien bei der Einbringung von Reits auch nicht erforderlich. Zudem hätten Finanzinvestoren in Dresden ja gezeigt, dass es auch andere Möglichkeiten des Erwerbs gebe. Fortress hat von der Stadt Dresden für 1,7 Mrd. Euro 48 000 Wohnungen erworben.

Ohne Wohnimmobilien würden Reits erheblich an Bedeutung verlieren, sagte auch John Eckart von Freyend, Vorstandschef der IVG Immobilien AG. Den Gesamtwert des Gebäudebestandes in Deutschland bezifferte er auf 5,5 Bill. Euro, wobei 3,1 Bill. Euro auf Wohnimmobilien entfallen. Der IVG-Chef warb dafür, Unternehmen entgegenzukommen, wenn sie ihre stillen Immobilienreserven heben. Frankreich erhebe beispielsweise nur die Hälfte der Körperschaftssteuer, in Großbritannien werde an zwei Prozent des Verkehrswertes gedacht. Beide Modelle könnten Teil eines Reits-Gesetzes sein, sagte Freyend.

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