Firmen der Millionenstadt finanzieren das Projekt
Albert Speer entwickelt Masterplan für Köln

Köln habe auf ihn immer wie eine „Chaos-City“ gewirkt, sagt der Frankfurter Architekt Albert Speer. Nun soll der Planer, der in China ganze Städte am Reißbrett entwirft, auch am Rhein Ordnung ins Durcheinander bringen.

HB KÖLN. Vor zwei Wochen wurde er beauftragt, für Kölns linksrheinische Innenstadt sowie den rechtsrheinischen Stadtteil Deutz einen städtebaulichen Masterplan zu entwickeln. Das Besondere: Auftraggeber ist nicht die Stadt, sondern die Kölner Wirtschaft – eine Konstruktion, die in dieser Form in Deutschland bisher einmalig ist. Auf Initiative des Kölner Bauunternehmers und Präsidenten der Kölner Industrie- und Handelskammer (IHK), Paul Bauwens-Adenauer, wurde im Dezember 2006 der Verein „Unternehmer für die Region Köln e.V.“ gegründet. Sein Ziel: der Stadt ein städtebauliches Konzept zu ihrer „strategischen Weiterentwicklung“ zu schenken.

Finanziert wird das Vorhaben durch einmalige Sponsorenbeiträge der heute 33 Mitgliedsunternehmen. „Jeder kann selbst bestimmen, mit welcher Summe er sich beteiligt“, sagt Vereinsvorsitzender Bauwens-Adenauer – und schweigt diskret zur Frage, wer wie viel spendete. Immerhin eine halbe Million Euro machten die Mitglieder insgesamt locker, darunter die beiden Kölner Sparkassen, die Versicherungskonzerne AMB Generali, Axa, DKV, Gothaer und HDI Gerling, die Handelsriesen Rewe und Kaufhof, aber auch Mittelständler wie Felix Böttcher, Weltmarktführer für technische und grafische Walzen.

Mit unverstelltem Blick soll der Frankfurter Architekt auf Köln schauen. „Es geht um Beratung, und wie in einem Unternehmen hat sie nur dann Erfolg, wenn sie von außen kommt“, sagt Bauwens-Adenauer. Auch Kölns oberster Stadtplaner, Baudezernent Bernd Streitberger, lobt die Initiative. „Albert Speer ist extrem qualifiziert und respektiert. Überdies verfolgt er eine pragmatische Stadtplanung, bei der es nicht nur um Visionen, sondern vor allem um die konkrete Umsetzbarkeit bestimmter Maßnahmen geht.“

Im Herbst 2008 soll das Büro Speer erste Ergebnisse vorlegen: Nach einer umfassenden Bestandsaufnahme und der Festlegung von Zielen sollen dann verschiedene „Interventionspunkte“ definiert werden, bei denen die Stadt als „Herr des Verfahrens“ ins Geschehen eingreifen kann, wie Streiberger erläutert: durch Umgestaltung des öffentlichen Raums etwa, Neuordnung der Verkehrsführung oder auch die Einrichtung von Sanierungsgebieten.

Furcht davor, dass der Auftragge-ber über die Maßen Einfluss auf das Ergebnis nehmen könnte, hat man bei der Stadt nicht: „Es geht nicht um ökonomische Interessen, sondern um die Festlegung verlässlicher Leitlinien für eine kontinuierliche Stadtentwicklung“, sagt Streitberger. Bauwens-Adenauer bestätigt: „Die Sponsoren sind sich einig, dass auf Inhalt und Entwicklung des Masterplans kein Einfluss genommen wird.“

So viel Harmonie indes kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schenker und Beschenkte im Detail durchaus unterschiedliche Erwartungen haben. So setzt man bei den Sponsoren besondere Hoffnungen auf Vor-schläge zur Neugestaltung der Nord-Süd-Fahrt. Am liebsten sähe man, wenn die vierspurige, vielbefahrene Verkehrsachse, die Köln an vielen Stellen durchtrennt, unter die Erde verlegt würde. „Es muss wieder eine Verbindung zwischen den wichtigen Einkaufslagen Schildergasse und Breite Straße geben“, sagt Bauwens-Adenauer. Streitberger hält die kostspielige Tieferlegung für verzichtbar, will sich aber dafür einsetzen, „wenn sich dies als sinnvollste und vor allem realisierbare Alternative erweisen sollte“.

Das letzte Wort indes hat ohnehin der Rat der Stadt. Immerhin, Bauwens-Adenauer, Enkel des ersten deutschen Bundeskanzlers und langjährigen Kölner Oberbürgermeisters, hat das mündliche Versprechen aller Fraktionsspitzen, „am Ende des Prozesses auch zu verbindlichen Beschlüssen zu kommen“. Bleiben sie aus, bleibt das Sponsorenmodell eine Eintagsfliege – und Köln die deutsche „Chaos-Stadt“.

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