Folge der EZB-Geldpolitik
Schäuble warnt vor Immobilienblase

Als Reaktion auf die lockere Geldpolitik der EZB warnt Bundesfinanzminister Schäuble vor dem erhöhten Risiko einer Immobilienblase in Deutschland. Das Zinsniveau und die Inflationsrate bieten Grund zur Sorge.
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht in Deutschland angesichts der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank die Gefahr von Preisblasen am Immobilienmarkt.

„Natürlich haben wir in Deutschland als Folge des sehr niedrigen Zinsniveaus und einer sehr niedrigen Inflationsrate Anzeichen für eine Preisentwicklung, die gefährlich sind und die wir sehr ernst nehmen müssen", sagte Schäuble nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Jack Lew am Donnerstag in Berlin. Insgesamt gelte: „Auf Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig."

Dagegen ist der US-Immobilienmarkt nach den Worten von Lew aus der Phase überhöhter Preise herausgekommen. Die Preise seien inzwischen weithin auf das Vorkrisenniveau gesunken. Die US-Regierung sehe es als wünschenswert an, wenn sich nun auf der Seite der Neubauaktivitäten mehr tun würde. Insgesamt habe die US-Wirtschaft nach dem schwachen ersten Quartal wieder Fahrt aufgenommen. Weltweit sieht Lew ein Nachfrageproblem. Von daher sei alles gut, was die globale Nachfrage stärke. Dabei müsse aber eine Balance zwischen solider Finanzpolitik und nachhaltiger Wachstumsförderung gefunden werden.

Der US-Immobilienmarkt steht solide da, dem deutschen Markt droht eine Blase? Solche Interpretationen kommen für Kenner des Immobilienmarktes überraschend. Erst vor einigen Tagen warnte Bundesbank-Chef Jens Weidmann: „In einigen Ländern - auch in Deutschland - sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase.“ Schäuble erklärte, dass er die Warnungen der Bundesbank sehr ernst nehme.

Der Vorstoß von Schäuble kommt vor allem deshalb überraschend, weil der Ausschuss für Finanzstabilität erst gestern erklärte, dass es keine Anzeichen für eine Immobilienblase in Deutschland gäbe. Dem Gremium gehören die Spitzen des Finanzministeriums, der Bundesbank sowie der Finanzaufsicht Bafin, die vom Bundesfinanzmisterium beaufsichtigt wird, an.

Bisher sei noch keine Spirale aus Preiserhöhungen, steigender Verschuldung und Lockerung der Kreditbedingungen festzustellen, schreiben die Stabilitätswächter in ihrem ersten Bericht an den Bundestag. Der Ausschuss werde die Entwicklung des Wohnimmobilienmarktes jedoch weiterhin sorgfältig beobachten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Folge der EZB-Geldpolitik: Schäuble warnt vor Immobilienblase"

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  • Ich vergas : Die Wärhungsreform trifft nur den dummen Wähler
    denn die sogenannten POLITIKER , also die Verursacher , sorgen schon gut vor für sich. Das Land ,mit den Leuten, ist denen völlig gleichgültig.

  • Wie wäre es denn mal mit einer Warnung in Sachen : Staatsverschuldung ???? Neueste Berechnungen ergeben über 6,5 Billionen ( ein Freiburger Institut ) deutsch Staatsschulden. Das sind dann 1440 Jahre Tilgungszeit. Hier wäre mal eine Warnung angebracht bevor es zur Währungsreform kommt. Denn der Staat kann sich NUR mit einer Währungreform entschulden.

  • Ich warne vor Warnungen!

    Warnt ure Kinder, Frauen, Nachbarn! Auch wegen Klimaerwärmung, Umwelt, Klimalüge, Sonnebrand, Angina-Pectoris, Polit-Kaspern, Schienbeinbruch, verdorbener Butter, Vogelgrippe, ungesichertem Sex, der Macht der Presse und den Freistößen von Neymar öchte ich edringlich warnen. Und vor Politikern.

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