Fonds
Anleger flüchten in offene Immobilienfonds

Viele Privatanleger suchen nach Anlageformen, die von der Finanzkrise bisher verschont geblieben sind. Immer mehr entdecken deutsche offene Immobilienfonds. Die Branche verzeichnet stattliche Mittelzuflüsse. Deutsche Fondsmanager haben ihre ganz bestimmten Lieblingsziele.

DÜSSELDORF. Die globale Immobilienkrise schlägt sich bislang nur verhalten in der Performance der deutschen offenen Immobilienfonds wider. Obwohl weltweit die Preise und die Mieten fallen, ist die durchschnittliche Performance der offenen Fonds auf Sicht der vergangenen zwölf Monate von Ende Januar bis Anfang Juli dieses Jahres lediglich von 5,7 Prozent auf fünf Prozent zurückgegangen. Einzig der Euro Immoprofil der Hypovereinsbank-Tochter iii Investments wies zur Jahresmitte mit minus 0,4 Prozent eine negative Rendite aus.

Damit scheinen die deutschen offenen Fonds deutlich besser dazustehen als die britischen Produkte. Die Anteilspreise der offenen Fonds auf der Insel haben seit Beginn der internationalen Immobilienkrise zum Teil um mehr als 15 Prozent nachgegeben. Die Kursentwicklung spiegelt die Situation an den britischen Immobilienmärkten wider. "In einigen Teilmärkten Großbritanniens sind die Immobilienpreise seit Beginn der Krise um mehr als 20 Prozent gefallen", sagt Claus Thomas, Geschäftsführer von Lasalle Investment Management. Weil britische Anleger deshalb ihr Kapital aus den Fonds abziehen wollen, sind derzeit fast alle britischen Produkte eingefroren. Denn sie können in der gegenwärtigen Marktsituation die Immobilien nicht schnell genug verkaufen, um für die nötige Liquidität zu sorgen.

In Deutschland hingegen suchen Privatanleger ausgerechnet in offenen Immobilienfonds Zuflucht vor der Krise. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verzeichnete die Branche Mittelzuflüsse von stattlichen 4,07 Mrd. Euro. Hingegen verbuchten Aktienfonds nach Angaben der Fondsorganisation Bundesverband Investment und Assetmanagement (BVI) im selben Zeitraum unter dem Strich Abflüsse von 1,1 Mrd. Euro, Rentenfonds sogar von 1,3 Mrd. Euro.

"Das Verhalten der deutschen Fondsanleger erinnert frappierend an die Zeit nach dem Börsencrash von 2001", sagt Beatrix Boutonnet vom Branchendienst Fondstelegramm.de. Auch damals hatten die offenen Immobilienfonds milliardenschwere Mittelzuflüsse verzeichnet. Die Fondsmanager kauften mit dem frischen Kapital eifrig Bürotürme ein, während die Leerstandsraten stiegen und die Mietpreise fielen. Boutonnet: "Das brachte die Renditen der Fonds kräftig unter Druck und gipfelte Anfang 2006 in der bislang größten Branchenkrise." Zeitweise wurden drei Fonds vorübergehend eingefroren, weil Anleger mehr Geld abziehen wollten als an liquiden Mitteln vorhanden war. Am Ende ging alles glimpflich aus, weil angelsächsische Private Equity Funds auf dem Höhepunkt des internationalen Immobilienbooms den deutschen Fonds in milliardenschweren Deals ganze Gebäudepakete zu Toppreisen abnahmen.

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