Frankfurt
Zwei Türme für die EZB

Der Osten Frankfurts erhält einen neuen Blickpunkt. Auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle entsteht das künftige Domizil der Europäischen Zentralbank (EZB). Den unverwechselbaren Doppelturm hat das Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfen. In zwei Jahren soll mit dem Bau begonnen werden. Der Umzug von den drei alten Mietgebäuden in das neue, voraussichtlich 500 Mill. Euro teure Haus ist für das Jahr 2011 vorgesehen.

HB FRANKFURT. Momentan müssen die Wiener Architekten die Pläne für den Neubau noch optimieren. „Wir möchten beispielsweise die Großmarkthalle noch intensiver nutzen“, nennt Thomas Rinderspacher, Leiter der Bauabteilung der EZB, einen Punkt aus dem Lastenheft. Außerdem legt er Wert darauf, dass Türme und Großmarkthalle gestalterisch miteinander verbunden sind. In spätestens zwei Monaten soll dann mit der Detailplanung begonnen und das Projekt ausgeschrieben werden. Zeitgleich wird die Stadt beginnen, einen Bebauungsplan zu erstellen.

Das markante Profil des Neubaus bilden die zwei 180 Meter hohen, in sich verdrehten Türme. Für den Wiener Architekten und Geschäftsführer von Coop Himmelb(l)au, Wolf D. Prix, stellt der Doppelturm mehr als nur ein Nutzobjekt dar: „Ein Turm gilt schon immer als Symbol für Stärke und Selbstbewusstsein.“ Durch seine Höhe ist das EZB-Gebäude künftig von allen wichtigen Punkten der Frankfurter Innenstadt zu sehen. Wie auch umgekehrt die Hüter des Geldwertes jederzeit ihren Blick auf das Bankenviertel richten können. „Außerdem verkörpert die Form der Doppeltürme die Werte der EZB, wie Transparenz, Effizienz, Kommunikation, und Stabilität“, erklärt Prix. Das Atrium, das die beiden Hochhausgebäude verbindet, spiegelt aus seiner Sicht die Werte Transparenz und Kommunikation wider. Durch zahlreiche Verbindungsebenen und zwei großen Plattformen entsteht eine „vertikale Stadt“. Ein Marktplatz mit hängenden Gärten und einer Cafeteria schafft Raum für Erholung. Aufzüge und Rampen, die das Atrium queren, bieten kurze und direkte Verbindungen zwischen den einzelnen Büroebenen. Sie verkörpern die Straßen und Passagen der „vertikalen Stadt“.

Die Großmarkthalle schafft als Eingangsbereich öffentlichen und halb öffentlich Raum mit Ausstellungsräumen, einem Besucherzentrum, einer Bibliothek und einem Auditorium für Pressekonferenzen. Ergänzt durch ein Konferenzzentrum mit eigener Lobby und eigenem Restaurant werden sich die Hauptnutzungsflächen voraussichtlich auf etwas weniger als 100 000 Quadratmeter (qm) addieren.

Die Büroräume befinden sich mehrheitlich in den Türmen. Den Platz hierfür hat Coop Himmelb(l)au zunächst etwas zu großzügig geplant. Deshalb könnten die Hochhäuser am Ende der Optimierungsphase auch zwei Stockwerke weniger besitzen, vermutet Rinderspacher.

Von den gesamten Neubaukosten von 500 Mill. Euro entfallen 61 Mill. Euro auf das Grundstück mit einer Fläche von ungefähr 120 000 qm im Osten der Mainmetropole.

Die EZB hat sich ganz bewusst für den Frankfurter Osten entschieden. „Die Großmarkthalle ist ein sehr reizvolles Objekt und besitzt eine sehr interessante Lage“, meint Rinderspacher. Darüber hinaus war der Preis für das Gelände günstiger als an anderen Standorten in der Innenstadt und es hat den Vorteil, Platz für Erweiterungen zu bieten. Auch Dierk Hausmann, stellvertretender Leiter des Stadtplanungsamtes Frankfurt, ist von der besonderen Lage überzeugt. „So einen Standort mit direkter Mainlage gibt es nicht noch einmal.“ Dabei gilt der Frankfurter Osten immer noch als Stiefkind der Stadt. Das Viertel ist nach wie vor in hochwertiges bis einfaches Wohnen sowie Industrie und Gewerbe zersplittert. „Dieses Problem wird auch die EZB nicht lösen“, meint Martin Drummer, Vorsitzender der Geschäftsführung des Immobilienberatungsunternehmens CB Richard Ellis. Die Stadt rechnet jedoch mit einem Auftrieb in diesem Bereich durch den Neubau der EZB. „Der Frankfurter Osten wird sich dadurch stark verändern“, sagt Hausmann. An der Infrastruktur arbeitet die Stadt bereits. Die stark befahrene Hanauer Landstraße, die den Osten mit der Innenstadt verbindet, soll durch Parallelstraßen entlastet werden und eine zusätzliche Mainbrücke den Standort nach Süden öffnen.

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