Frankfurts große Chance
Brexit macht Makler glücklich

Mieten in Frankfurt sind sensationell günstig – zumindest, wenn man ein internationaler Großinvestor ist. In Erwartung des großen Banken-Exodus aus London, wittern deutsche Makler nun schon das noch größere Geschäft.

FrankfurtDie Commerzbank reibt sich bereits die Hände. Sie lotet gerade aus, wie sich ihre Frankfurter Konzernzentrale am besten verkaufen lässt. 600 bis 650 Millionen Euro sind bislang für den gelben Büroturm im Herzen der Stadt aufgerufen, mit 300 Metern der höchste in Deutschland. Der Mega-Deal könnte sogar noch mehr bringen, denn er kommt genau zur richtigen Zeit: Nach dem Brexit-Referendum rechnen viele mit einem Exodus der Banker aus London heraus, hin zu Finanzzentren in der Europäischen Union, etwa nach Frankfurt.

Branchenexperten erwarten deshalb steigende Immobilienpreise in der Mainmetropole. Das gilt vor allem für vollvermietete Hochhäuser in Bestlagen wie eben den Commerzbank-Tower. Um solche Anlageobjekte reißen sich renditehungrige Großinvestoren. Frankfurt mag schon jetzt der teuerste Bürostandort im Land sein – im internationalen Vergleich sind die Flächen noch ein Schnäppchen.

„Frankfurt wird in den nächsten zwei bis drei Jahren einer der Profiteure des Brexit sein“, ist sich Ulrich Höller, Chef der Immobiliengruppe GEG, sicher. „Die Preise waren schon bislang auf überdurchschnittlichem Niveau - jetzt dürfte es weiter nach oben gehen. Frankfurt ist die internationalste Stadt Deutschlands, die sich bereits durch eine gewachsene Infrastruktur für die Finanzbranche auszeichnet.“

Höller selbst dürfte eine Aufwärtsspirale bei den Einkaufspreisen nicht recht sein, zumindest nicht kurzfristig. Denn er ist mit der erst 2015 gegründeten German Estate Group (GEG), die den Finanzinvestor KKR im Rücken hat, gerade selbst auf großer Shopping-Tour in Sachen Gewerbeflächen. Schlagkräftige Pensionsfonds etwa aus Asien könnten ihm das Leben schwermachen, wenn sie ihre Milliarden aus London nach Frankfurt umleiten. Langfristig aber frohlocken viele heimische Immobilien-Manager. Sie spekulieren auf satte Gewinne beim Weiterverkauf von Gebäuden und auf rasant anziehende Mieten. Nicht umsonst werden gerade auch etliche Bürotürme komplett neu gebaut.

Schätzungen gehen davon aus, dass im besten Fall 10.000 Banker von London nach Frankfurt ziehen könnten. Sie bräuchten etwa 200.000 Quadratmeter Bürofläche, rechnet Oliver Barth vor, Frankfurter Niederlassungsleiter des Beratungshauses BNP Paribas Real Estate. Er hat keine Zweifel, dass die Stadt die Neuankömmlinge verdauen kann. Ein Vielfaches der benötigten Fläche steht derzeit leer, die Quote liegt bei über zehn Prozent.

Makler klagen seit Jahren, in Frankfurt gebe es einen „Sockel-Leerstand“, der sich einfach nicht abtragen lasse. Denn gefragt sind immer nur die schicksten Büros in der Innenstadt. Gebäude, die in die Jahre gekommen sind oder die falsche Adresse haben, interessieren die um ihr Image bedachten Finanzfirmen nicht. Alle drängen wie die Lemminge Richtung City.

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Finanzzentrum mit günstigen Mieten

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