Freiwillige Flächenumlegung
Investoren erschließen neue Baugebiete

Um aus Äckern Bauland zu machen, setzen klamme Kommunen auf das Instrument der freiwilligen Flächenumlegung.

HB DÜSSELDORF. Ein idyllischer Altstadtkern mit Fachwerkbauten, ein großes Gesundheitszentrum, ein modernes Rathaus, Einfamilienhaussiedlungen und eine gute Bahnverbindung ins rund 30 Kilometer entfernte Stuttgart - so stellt sich die schwäbische Gemeinde Sersheim bei Vaihingen an der Enz interessierten Grundstückskäufern vor. Wenn alles so läuft, wie die von der Gemeinde beauftragte Bietigheimer Wohnbau sich das vorstellt, wird bald neues Bauland in Sersheim zum Verkauf stehen. Zwischen Dammstraße und Brunnenstraße sollen Grundstücke für Ein- und Mehrfamilienhäuser entstehen.

"Eine Erschließung erfolgt nur, wenn sich die heutigen Eigentümer der beteiligten Grundstücke zur Übernahme der bei der Entwicklung und Erschließung anfallenden Kosten der städtebaulichen Planung, der Bodenordnung, der Erschließung und der naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen verpflichten", schreibt die Bietigheimer Wohnbau schon im ersten Brief an die Eigentümer jener Äcker, auf denen in ein paar Jahren ein neues Wohnquartier entstanden sein soll, und erbittet ihre Zustimmung zur "freiwilligen Baulandumlegung".

Flächenabzug bis zu 50 Prozent

Das heißt für die Eigentümer zweierlei: Erstens, unentgeltlich Fläche zur Erschließung des neues Baugebiets mit Straßen, aber auch für den Bau von Lärmschutzanlagen, Schulen oder Kindergärten an die Gemeinde abzutreten; zweitens, die anfallenden Erschließungskosten zu übernehmen." Die erste Gesprächsrunde ist positiv verlaufen, nahezu alle der rund 45 Grundstückseigentümer haben zugestimmt", zieht Wolfgang D. Heckeler eine erste Bilanz. Der Geschäftsführer der Bietigheimer Wohnbau ist zuversichtlich, "auch die noch fehlenden Zustimmungen demnächst zu erhalten."

Für die heutigen Grundstückseigentümer geht es dabei um viel Geld: "In unserer Region ist ein Flächenabzug von bis zu 50 Prozent üblich", räumt Heckeler ein. Dieser im Amtsdeutsch auch als Flächenbeitrag bezeichnete Teil des Grundstücks wird entschädigungslos auf die Gemeinde Sersheim übertragen. Was die Gemeinde von dieser Fläche nicht für Straßen, Plätze und andere öffentliche Flächen benötigt, kann sie selbst als Bauplatz verkaufen. Zusätzlich zur Übertragung von Grund und Boden schultern Eigentümer auch die Erschließungskosten. Geschäftsführer Heckeler: "Nach unseren bisherigen Kalkulationen liegen sie bei 75 bis 95 Euro pro Quadratmeter."

»  Glossar: Die wichtigsten Begriffe im Verfahren

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