Fünf Fragen an Andreas Pörschke
„Weitere Schwierigkeiten in näherer Zukunft“

Frank Pörschke ist Chef des Immobilienfinanzierers Eurohypo. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, wie er die Zukunft auf den Immobilienmärkten sieht.

Herr Pörschke, die größte US-Immobilienpleite von General Growth Properties trifft auch die Eurohypo. Wie groß sind die Belastungen?

Frank Pörschke: Wir gehören zu den Gläubigern des amerikanischen Einkaufszentrums-Betreibers General Growth Properties (GGP). Presseberichte, nach denen unser Exposure dort insgesamt 2,6 Mrd. Dollar betragen soll, sind so nicht korrekt. Tatsache ist, dass die Eurohypo zu den größeren Kreditgebern von GGP gehört. Auf die Eurohypo selbst entfallen aber lediglich rund 10 Prozent des Kredites. In den offiziellen Dokumenten zum Gläubigerschutz gemäß Chapter 11 wurde unsere Bank nur als "Administrative Agent" aufgeführt, also als Syndizierer für eine Gruppe von 175 Gläubigern. Wir haben für den auf uns entfallenden Anteil bereits Rückstellungen gebildet bzw. ist die restliche Vorsorge noch Bestandteil unserer Planung für 2009. Im Übrigen hat uns die Insolvenz von General Growth nicht unvorbereitet betroffen. Die Bemühungen, die GGP-Gruppe im Rahmen des Chapter-11-Insolvenzverfahrens zu sanieren, werden wir weiterhin unterstützen.

Sehen wir die Spitze des Eisbergs - auch für die Eurohypo?

Angesichts der erheblichen Verschlechterung der Konjunktur nicht nur bei uns in Deutschland und des eng damit verbundenen Einbruchs auf den Immobilienmärkten werden wir in der näheren Zukunft weitere Schwierigkeiten sehen. Auch für die Eurohypo werden die Jahre 2009 und 2010 herausfordernd. Mittelfristig werden sich jedoch auch die Immobilienmärkte wieder erholen und ein entsprechendes Potenzial für Investoren und Finanzierer bieten.

Welche Geschäfte machen Immofinanzierer in der Krise?

Unter einer solchen Ausnahmesituation leiden alle. Auch wir haben deutlich weniger Neugeschäft abgeschlossen als in Spitzenzeiten, wo wir 35 Mrd. Euro Immobilienneugeschäft finanziert haben. Angesichts der anhaltenden Krise werden wir 2009 ein deutlich kleineres Volumen als im Vorjahr (14 Mrd. Euro) erreichen.

Wie stellt sich aktuell die Wettbewerbslage in Europa dar. Wird es weitere Pleiten geben?

Der Gesamtmarkt schrumpft, die meisten Banken haben ihre Kreditvergabe-Volumina im Immobilienbereich erheblich reduziert, einige Spieler sind komplett aus dem Markt ausgeschieden. Es werden sich wohl noch weitere Konkurrenten zurückziehen.

Was bleibt für einen Immobilienfinanzierer zu tun?

In den nächsten zwei bis drei Jahren wird es für uns die spannendsten Geschäftschancen seit langem geben. Immobilien, die ordentlich vermietet sind und stabile, laufende Erträge einbringen, wird es zu enorm günstigen Preisen zu kaufen geben. Und Investoren werden sich stärker auf Immobilien besinnen, denn Inflation wird als Folge der neuen Staatsverschuldung in der Krise ein stärkeres Anlageargument. Allerdings müssen Investoren mehr Eigenkapital bieten als früher, um passable Konditionen zu bekommen: 30 bis 50 Prozent eigenes Geld sollten sie mitbringen. Daneben steht natürlich für jeden Immobilienfinanzierer das risikobewusste Management seines Portfolios im Vordergrund.

Unter welchen Bedingungen schließen Sie Anschlussfinanzierungen ab?

Wir machen Anschlussgeschäfte mit unseren Kunden und streben dabei Risikostrukturen und Preise an, die dem heutigen Marktumfeld entsprechen. Es ist nicht unser Ziel, Investoren in die Pleite zu schicken. Dabei hilft den Kunden, dass die Zinsen stark gesunken sind.

Wann wird es wieder Entwicklungen von großen Immobilienprojekten geben?

Da sehe ich Chancen in vielleicht drei bis vier Jahren. Wenn es an den Kapitalmärkten wieder rund läuft und die Vermietungsmärkte positive Perspektiven bieten, wird es Raum für neue Ideen geben.

Was kann den Pfandbrief als Refinanzierungsinstrument wieder zum Leben erwecken?

Er ist nicht tot. Der Pfandbrief hat mit den zuletzt am Markt platzierten Jumbos erfreuliche Lebenszeichen gegeben. Im Moment ist zwar die Refinanzierung teurer, aber die Platzierungen zeigen, dass es Bedarf gibt.

Frank Pörschke ist Sprecher des Vorstandes des Immobilienfinanzierers Eurohypo

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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