Für Gläubiger-Fonds
Lehman Brothers verkauft Immobilientochter

Vier Jahre ist der Kollaps der US-Investmentbank her. Nun verkaufte die Nachfolgegesellschaft LBHI für 6,5 Milliarden Dollar ihre Immobilientochter Archstone. Das Geld fließt in den Fonds für die Gläubiger.
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New York/FrankfurtVier Jahre nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers füllt sich der Fonds für die Entschädigung der Gläubiger weiter mit Geld: Die mit der Abwicklung der Bank betraute Nachfolgegesellschaft Lehman Brothers Holding (LBHI) verkaufte die Immobilientochter Archstone, wie sie am Montag mitteilte. Auf das Insolvenzverfahren der deutschen Lehman-Tochter hat dies keine Auswirkungen.

6,5 Milliarden Dollar (rund fünf Milliarden Euro) in bar und in Aktien der beiden Käufer bekommt die LBHI für die Immobilientochter. Neue Eigentümer werden die Immobilienfirmen Equity Residential und AvalonBayCommunities. Da sie auch die Schulden von Archstone übernehmen, bezahlen sie insgesamt rund 16 Milliarden Dollar. Lehman Brothers hatte die Firma 2007 gekauft, als die Preise für Appartementhäuser in den USA auf einem Höchststand waren: 22,2 Milliarden Dollar zahlte die Bank damals dafür - mehr als das Dreifache dessen, was der Insolvenzverwalter nun herausbekommt.

Lehman Brothers war im Jahr 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zusammengebrochen. Wie viele Geldhäuser hatte die Bank in großem Stil mit auf faulen US-Immobilienkrediten basierenden Wertpapieren spekuliert. Es war die größte und komplexeste Pleite der Geschichte mit 7000 Betroffenen in 40 Ländern. Die Gläubiger sitzen auf Ansprüchen von insgesamt 450 Milliarden Dollar. In den USA sollen sie rund 65 Milliarden Dollar zurückbekommen.

In Deutschland beläuft sich die Insolvenzmasse laut Sprecher von Insolvenzverwalter Michael Frege auf 15 Milliarden Euro. Gläubiger der deutschen Lehman-Tochter sind vor allem institutionelle Anleger wie die Bundesbank und der Einlagensicherungsfonds der Privatbanken. Käufer von Lehman-Zertifikaten haben dagegen Geschäfte mit der niederländischen Niederlassung von Lehman gemacht - für ihre Ansprüche ist also die niederländische Insolvenzverwaltung zuständig.

Mit den 15 Milliarden Euro, die Insolvenzverwalter Frege seit der Pleite der US-Bank weltweit "in akribischer und investigativer Arbeit" zusammentragen ließ, können mehr als 60 Prozent, vielleicht sogar bis 80 Prozent der Forderungen der Gläubiger der deutschen Tochter bedient werden, wie der Sprecher Freges sagte. Üblich in Insolvenzverfahren sei eine Quote von unter zehn Prozent. Laut einem Gutachten kann Frege ein Honorar in Höhe von 800 Millionen Euro fordern - wird laut Sprecher aber weit unter diesem "Maximalbetrag" landen.

 
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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