Fusionen sorgen für Kursphantasie
Immobilienboom hilft spanischen Bauaktien

Für Florentino Pérez könnte es kaum besser laufen. Erst gelang es ihm als Präsident von Real Madrid den Megastar David Beckham zu verpflichten. Dann – als Präsident und Mitinhaber des spanischen Baukonzerns Actividades de Construcción y Servicios (ACS) – leitete er die Übernahme des größeren Konkurrenten Dragados ein, an deren Ende einer der führenden Baukonzerne Europas stehen soll.

MADRID. An der Zielstrebigkeit des 56-jährigen Spaniers ist nicht zu zweifeln. Der Deal, war von langer Hand geplant. Vor einem Jahr hatte ACS ein Aktienpaket von der spanischen Großbank Santander Central Hispano (SCH) erworben – mit dem damals noch bestrittenen Ziel, die Konzerne zu verschmelzen. Den Aktionären der beiden Baukonzerne hat Pérez´ Weg bislang nicht geschadet. Das liegt allerdings auch an der boomenden Bauindustrie in Spanien. Das Wirtschaftswachstum von rund 2% des Bruttoinlandsprodukts basiert zu einem guten Teil auf der regen Tätigkeit im Bausektor.

Das beflügelt auch die Entwicklung an der spanischen Börse. Seit Januar hat ACS 21% zugelegt, Dragados schaffte 8%. Auch die schlechten Börsenjahre 2001 und 2002 schlossen beide Unternehmen im Plus ab. Das allerdings könnte die künftige Entwicklung beeinflussen. Anleger sollten sich klar darüber sein, dass künftiges Wachstumspotenzial beschränkt sein könnte. „Der Sektor ist nicht mehr billig“, warnt Frank Pauls vom Brokerhaus Legg Mason in Madrid. Ernsthafte Anzeichen für einen Absturz gibt es jedoch nicht. Für die kommenden zwölf Monate sieht das Brokerhaus Ibersecurities in Madrid bei ACS das Kursplus bei 13,6% und empfiehlt den Titel zum Kauf. Auch den anderen großen Vier der Branche, Dragados, FCC, Acciona und Ferrovial trauen Analysten zu, weiter an Wert zuzulegen. Die Titel gelten als „Rückzugswerte“. Das heißt: je unsicherer die Lage an den Börsen, desto mehr Gewinnpotenzial bescheinigen Experten diesen Aktien.

Auch ein Erlahmen der spanischen Baukonjunktur ist nicht in Sicht. Die spanische Bevölkerung fragt unvermindert nach privaten Immobilien nach. Das liegt an ihrer Vorliebe für das Wohnen in eigenen vier Wänden. Zudem ist Baugeld aktuell so billig, dass es auch den letzten Zweifler überzeugt. Die Einwanderer aus Lateinamerika erhöhen ebenfalls den Bedarf. Allein in diesem Jahr sollen 600 000 neue Wohnungen entstehen, 14% mehr als 2002. Auch profitiert Spanien noch immer von finanziellen Zuwendungen aus Brüssel, die bis 2006 gesichert sind und vor allem in den Straßenbau fließen. Dort kommen sie den heimischen Baukonzernen zu Gute, die zweistellige Gewinnsteigerungen verbuchen. Abhängig vom reinen Baugeschäft sind die Betriebe indes nicht mehr: Die Spanier gelten als breit aufgestellt, sind in der Abfallbeseitigung ebenso aktiv wie im Autobahn-Konzessionsgeschäft.

Das Fusionspotenzial dürfte noch nicht ausgeschöpft sein: Experten erwarten weitere Bewegung in der Branche – auch das könnte die Kurse beleben. Die Augen richten sich vor allem auf Acciona, die nach ihrem Anteilsverkauf an der Mobilfunkgesellschaft Airtel an Vodafone ihre Kriegskasse aufgefüllt hat.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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