Gastkommentar
Immobilien im Dax – eine schwierige Kommunikation

Kaum etwas entzürnt die Deutschen mehr als steigende Mieten. Auf den Dax-Neuzugang Vonovia kommt daher keine leichte Aufgabe zu. Für allzu große Gewinne dürfte sich die Wohnbaugesellschaft rechtfertigen müssen.

BerlinEs wird sich bald zeigen, dass es für ein Immobilienunternehmen etwas ganz anderes ist, zum Dax zu gehören als für jede andere Firma. Was eine SAP, eine Linde, eine K&S oder eine Heidelberg Cement so treiben, interessiert den Durchschnittsbürger nicht im Geringsten. Das ist ein Thema für Analysten sowie für spezialisierte Wirtschafts- oder Finanzjournalisten.

Anders ist es beim Thema Wohnen. Die meisten Menschen in Deutschland sind immer noch Mieter. Hier fühlt sich fast jeder irgendwie betroffen und die meisten meinen auch, sie könnten mitreden – so wie bei einem Fußballspiel.

Wer hat eine Meinung zur Strategie und Geschäftspolitik von Infineon oder der Munich Re? Kaum jemand. Geht es um das Thema Wohnen, dann hat jeder eine Meinung. Und diese Meinung ist in Deutschland ganz bestimmt nicht von marktwirtschaftlichen Einsichten geprägt.

Wohnen dürfe keine Ware sein, so lautet eine populäre Meinung. Und während es bei anderen Unternehmen als legitim angesehen wird, dass diese einen Profit machen, ihre Erträge steigern und ihre Kosten in den Griff bekommen, so sehen das die meisten Deutschen bei Wohnungsgesellschaften ganz anders.

Das heißt: Eine im Dax notierte Wohnungsgesellschaft erzeugt nicht nur eine viel größere Aufmerksamkeit, ein viel größeres Interesse. Sie kann auch zur irrationalen Projektionsfläche aller Vorurteile werden, die man gegen „Miet-Haie“ hegt. Die Vonovia (ehemals Deutsche Annington) ist sich ihrer Verantwortung für die gesamte Branche sicherlich bewusst. Sie steht nun, mit allem was sie tut oder unterlässt, sagt oder nicht sagt, stellvertretend für eine Branche, die es nicht leicht hat in der öffentlichen Meinung.

Die Kommunikation für das Unternehmen wird keine einfache Aufgabe sein: Denn es ist eine Gratwanderung zwischen selbstbewusster Abwehr unsinniger und überzogener Kritik einerseits und dem Nachweis, dass man seine „Hausaufgaben“ ordentlich macht.

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